Der
Biallo-Tagesgeldindex tendiert seit Monaten beharrlich schwächer. Lag der Durchschnittszins aller gemeldeten Tagesgeldkonten zu Beginn des Jahres noch bei knapp drei Prozent, so liegt er heute nur noch bei 1,4 Prozent – Tendenz weiter fallend. Dennoch sind angesichts einer Inflationsrate im Juli von minus 0,5 Prozent Renditen bei durchschnittlich verzinstem Tagesgeld von fast zwei Prozent möglich.
Entgegen dem Trend legen einige Geldinstitute noch eine Schippe drauf. Sie versuchen mit überdurchschnittlichen Tagesgeldkonditionen die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich zu ziehen. So bieten oder haben geboten die Volksbanking-direkt aus Darmstadt und die Luxemburger Advanzia Bank vier Prozent Zinsen auf Tagesgeld – beide Offerten haben Einschränkungen. Nicht ganz so üppig, aber dafür ohne Einschränkungen, ist das Angebot von 3,0 Prozent der Bank of Scotland. Auf welche Fußangeln sollten Anleger achten?
Tagesgeld bei Volksbanking-direkt
Das Angebot der Volksbank hat einen großen Vorteil: Die Zinsofferte von vier Prozent für das "Click-Tagesgeld" ist bis Jahresende terminiert. Im Gegensatz zu den üblicherweise variabel verzinsten Tagesgeldkonten genießen Anleger damit Zinssicherheit bis Silvester. Andererseits ist auch klar, dass der Zinssatz dann auf die aktuell geltenden Tagesgeld-Konditionen zurückgehen wird. Mit Wirkung zum 12. August wurde der Zinssatz inzwischen auf 1,75 Prozent zurückgenommen.
Die entscheidenden Nachteile: Diese Tagesgeld-Offerte ist begrenzt auf den südhessischen Postleitzahlenbereich 64000 – 68999. Eine Information, die sich versteckt auf einer Internet-Unterseite dieses Anbieters findet, der bislang auch nicht durch offensives Online-Banking in Erscheinung getreten ist. In zwei bis drei Tagen, so ein Sprecher der Darmstädter Volksbank, habe die Bank weit über 1.000 Neukunden gewonnen. Man sei „positiv überrascht“. Trotz der nachträglich auf den Postleitzahlenbereich 64000 bis 68999 beschränkten Offerte, sei nicht ausgeschlossen, dass das Angebot zusätzlich auch zeitlich begrenzt werde. „Wir prüfen derzeit täglich, wie lange wir die Offerte noch aufrechterhalten können“, so der Sprecher. Interessenten, die vor der regionalen Begrenzung das "Click-Tagesgeld" beantragt haben, werden den Zinssatz erhalten, so erste Lesererfahrungen.
Ebenfalls nachteilig ist die begrenzte Höhe des Anlagebetrags: Die Bank spendiert vier Prozent nur bis 30.000 Euro Einlage, darüber hinausgehende Summen werden lediglich mit 1,75 Prozent vergütet. Ab 250.000 Euro zahlt die Bank gar nur noch 1,25 Prozent Zins. Die Kontoführung ist kostenlos, solange man Transaktionen per Internet oder Telefon vornimmt. Vorteil: Es besteht hohe deutsche Einlagensicherung.
Ein-Monats-Tagesgeld der Advanzia
Mit einem reinen Kurzfristangebot wartet die Advanzia Bank auf. Die Luxemburger Banker garantieren vier Prozent Zins für Neukunden nämlich nur für einen Zeitraum von vier Wochen, und zwar vom 1. bis 31. August 2009. Danach sinkt der Zins auf den gültigen Standardzins ab, der derzeit bei 2,3 Prozent liegt. Positiv: Das Tagesgeldkonto schreibt monatlich Zinsen gut und es verzichtet auf eine Zinsstaffel. Negativ: Es ist eine Mindesteinlage von 5.000 Euro erforderlich. Sicherheit: Die Kundeneinlagen unterliegen der Luxemburgischen Einlagensicherung und sind derzeit bis zur Höhe von 100.000 Euro abgesichert.
Tagesgeld ohne Sternchen bei der Bank of Scotland
Ohne Sternchen und Kleingedrucktes kommt das Angebot der Bank of Scotland daher: Drei Prozent Zinsen auf Tagesgeld; keine Einschränkung in der Anlagenhöhe; keine Forderung eines Mindestbetrags; keine Zinsstaffel. Allerdings besteht auch keine Zinsgarantie. Wie bei Tagesgeldern üblich, ist der Zinssatz variabel, kann sich also jederzeit ändern. Die Bank garantiert lediglich, dass „der Zinssatz für Tagesgeld stets über dem EZB-Leitzins liegen wird“ – der liegt aktuell aber nur bei 1,0 Prozent. Allerdings haben sich die Schotten seit ihrem Start bislang als durchaus zinsbeständig erwiesen. Kundengelder sind nur bis zur Höhe von 50.000 britischen Pfund zu 100 Prozent je Kunde abgesichert. Zum gegenwärtigen Kurs entspricht dies einem Absicherungsbetrag von rund 59.000 Euro.