Bis zum 2. August müssen die Politiker in den USA eine Lösung in der US-Schuldenkrise finden, sonst droht der Staatsbankrott. Die Folgen sind vielfältig und global durchdringend: Das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der USA wäre erschüttert, Finanzinvestieren werden sich scharenweise zurückziehen. „Tritt dieser Umstand ein, wird es für das Land eng“, sagt John Kornblum, Finanzberater und ehemaliger US-Botschafter in Deutschland. „Sollte die USA ihr Toprating AAA einbüßen, müsste sie fortan höhere Zinsen für neue Schulden bezahlen.“ Ob die Wirtschaftsleistung dazu überhaupt ausreicht, scheint zumindest zweifelhaft.
Auswirkungen auf den Euro-Raum
Höhere Zinszahlungen der USA bleiben nicht ohne Auswirkung auf den Euro-Raum und andere Weltregionen. „Das Weltzinsniveau könnte sprunghaft steigen“, mutmaßt Kai Carstensen, Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts. Damit kämen auf die Regierungen rings um den Globus höhere Belastungen beim Schuldendienst zu und Investoren müssten mit höheren Investitionskosten rechnen. „Misslingt die Haushaltskonsolidierung hätte dies viel weitreichendere Konsequenzen als die aktuellen Probleme im Euroraum“, so Carstensen. Stellen die USA aus Geldmangel zum Beispiel ihre Zahlungen an Bundesbedienstete, Soldaten und Sozialhilfeempfänger ein oder verschieben fällige Schuldendienste, könnte dies die Wirtschaft in eine schwere Krise stürzen. Die amerikanische Notenbank wäre dann gezwungen - weit stärker als bislang - die Märkte mit Geld zu fluten, um Firmen am Überleben und Investoren und Konsumenten bei Laune zu halten. Die überbordende Geldschwemme führt jedoch über kurz oder lang zu hohen Inflationsraten – mit negativen Folgen für die Kaufkraft und vorhandene Geldvermögen.
Eine schwache US-Wirtschaft dürfte zudem den Dollarkurs belasten. Für amerikanische Exporteure wäre dies zwar Balsam, deutsche Waren würden sich jedoch verteuern. Die negative Folge wären sinkende Exporte nach Übersee. Die deutsche Konjunktur – traditionell exportlastig – dürfte dies zum Teil empfindlich treffen.
Unterm Strich könnten sinkende Steuereinnahmen und steigende Arbeitslosenzahlen die Folge sein. Andererseits ist Deutschland nach wie vor ein Hort der Stabilität und ein beliebter Schuldner. Das Toprating AAA ist bis auf weiteres ungefährdet. Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA dürfte einen Nachfrage-Boom nach sicheren deutschen Staatspapieren auslösen. Folge: Die Zinsen würden weiter sinken, was insbesondere Häuslebauer freuen dürfte, denn die Finanzierungskosten gingen zurück. Die bereits hohe Nachfrage am Immobilienmarkt dürfte weiter zunehmen.