Aus der Sicht der Finanzmarkt-Profis zielt das 750 Milliarden Euro-Rettungspaket auf die Stärkung zu hoch verschuldeter Länder der Eurozone und nicht auf die Stabilisierung des Euro. Der Kurs des Euro kann gegenüber dem Dollar durchaus auch unter 1,20 Dollar fallen - wie jetzt, erstmals seit vier Jahren, geschehen.
Da wurde im Rahmen der Europäischen Union ein 750 Milliarden Euro Rettungspaket geschnürt, aber der Euro verzeichnet gegenüber dem US-Dollar weiter den tiefsten Stand seit vier Jahren. Da fragen sich viele, ob das Rettungspaket versagt hat. Nein, sagt Valentin Hofstätter, Analyst der österreichischen Raiffeisen Zentralbank (RZB). Auch wenn das Paket manchmal fälschlicherweise als Unterstützung für den Euro bezeichnet wurde, zielt es im Wesentlichen darauf ab, die Finanzierung von Staaten wie zum Beispiel Portugal, Irland, etc. sicherzustellen. Eine Stützung des Euro-Wechselkurses aber war und ist nicht Ziel des Unterstützungspaketes, so Hofstätter.
Einige Hilfsmaßnahmen drücken Euro-Kurs
Im Gegenteil – von einigen der Unterstützungsmaßnahmen ist laut Hofstätter sogar ein schwächerer Euro-Wechselkurs zu erwarten. Das gilt insbesondere von den Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB): Zwar haben sich die Käufe von Staatsanleihen der betroffenen Länder durch die EZB am Sekundärmarkt letzte Woche als sehr effektiv herausgestellt, um ihre Kurse nach oben und die Renditeaufschläge damit nach unten zu bringen.
Sie schüren aber Sorge über die langfristige Preisstabilität der EZB (schlecht für den Euro-Wechselkurs), und dürften (ebenso wie die zusätzliche Bereitstellung von Krediten für Banken in der Eurozone) für noch längere Zeit für tiefe Zinsen in der Eurozone sorgen als ursprünglich von vielen erwartet, auch dies wäre ebenfalls schlecht für den Euro-Wechselkurs. Denn der im Vergleich zu anderen Währungsräumen wie den USA oder der Schweiz absehbar langsamere Zinsanhebungspfad belastet den Wechselkurs der Währung.
Weitere Rückgänge von Euro/US-Dollar deutlicher unter 1,20 sind angesichts der Vehemenz des Rückganges deshalb kurzfristig leicht möglich und längerfristig ebenfalls zu befürchten und wären auch kein Problem für die Eurozone. Denn: Immerhin wirkt ein schwächerer Euro wie ein Konjunkturbelebungsprogramm für die Eurozone, da Waren und Dienstleistungen damit für Kunden ausserhalb der Eurozone billiger werden. Und was man auch nicht vergessen sollte: Es gab Zeiten, da notierte der Euro auch schon bei 90 US-Cent.