Zumindest derzeit wirken sich die
Schuldenkrise in Europa und die Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht sonderlich auf das Sparverhalten der meisten Deutschen aus, wie eine repräsentative Emnid-Studie im Auftrag der Postbank zum Weltspartag zeigt. Achtzig Prozent der deutschen Sparer haben ihre Gewohnheiten nicht geändert. Nur acht Prozent der Deutschen legen jetzt mehr Geld zurück, sechs Prozent sparen angesichts der aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten weniger und weitere sechs Prozent sogar gar nichts mehr.
Knapp 195 Milliarden Euro auf der hohen Kante
Vor allem Dank ihrer Sparsamkeit verfügten die privaten Haushalte 2010 über eigene Anlagemittel in Höhe von 194,5 Milliarden Euro, wie der BVR vorrechnet. Zählt man noch die aufgenommenen Kredite in Höhe von 4,9 Milliarden Euro hinzu, standen den Bundesbürgern insgesamt 199,4 Milliarden Euro für die Sach- und Geldvermögensbildung zur Verfügung. Rund 46 Milliarden davon – rund zehn Milliarden mehr als im Vorjahr - flossen in den sich deutlich belebenden Immobilienmarkt sowie in Sachinvestitionen. Übrig blieben Mittel für Finanzanlagen im Wert von 153,7 Milliarden Euro. Das waren 6,8 Milliarden Euro mehr als 2009.
Mehr als die Hälfte dieser Summe, nämlich knapp 76 Milliarden Euro, flossen in Sichtguthaben bei Banken. Hauptgrund hierfür dürfte nach Meinung des BVR das niedrige Zinsniveau gewesen sein. Auch in Sparanlagen floss mehr Geld. Termineinlagen mussten abermals Abflüsse hinnehmen, ebenso
Sparbriefe. Nachdem die Bundesbürger ihre Mittel aus Investmentfonds in jedem Jahr seit 2006 abgezogen hatten, verzeichnete diese Anlageklasse 2010 ein Plus von zehn Milliarden Euro. Auch bei Aktien und sonstigen Anteilsrechten war der Zufluss das zweite Jahr in Folge positiv. Nach 20,4 Milliarden Euro in 2009 flossen nunmehr 18,9 Milliarden Euro an neuen Mitteln zu. Bei Rentenpapieren hielt der Negativtrend an. Per Saldo zogen die Bundesbürger 11,2 Milliarden Euro ab. Versicherungen verzeichneten mit 70,8 Milliarden Euro einen ähnlich hohen Zufluss wie 2009.