Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist skeptisch, dass Griechenland mit den aktuellen Reformplänen die Staatspleite verhindern kann. Die zugesagten Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro und der geplante 50-prozentige Schuldenschnitt für griechische Anleihen reichen trotz aller Sparbemühungen offenbar nicht aus, um die Staatsverschuldung auf zumindest 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Der Grund: Die Konjunktur in Hellas bricht noch stärker ein als befürchtet.
Euro auf tiefstem Stand seit September 2010
Die desolate Lage an der Ägäis hat zunächst den Euro weiter unter Druck gesetzt. Die Gemeinschaftswährung kämpft mit der Marke von 1,27 US-Dollar und ist zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit September 2010 gerutscht. Die Stimmung innerhalb der EU wird gereizter: Tschechiens Zentralbankchef Miroslav Singer forderte die Griechen auf, die Eurozone zu verlassen und die Drachme wieder einzuführen.
Aus anderen europäischen Krisenländern war zuletzt ebenfalls wenig Erbauliches zu vernehmen. Spaniens Staatsdefizit fällt mit voraussichtlich acht Prozent um zwei Prozentpunkte höher aus als erwartet. Der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone droht eine schwere Rezession. Und auch in Italien und Portugal entwickelt sich die Wirtschaft spürbar schlechter als erhofft. Die Krisenländer befinden sich in einem Dilemma: Einerseits erfordert die Haushaltslage drastische Einsparungen, andererseits beschleunigen diese Maßnahmen noch den Konjunktureinbruch.
Ungarns Situation - bedrohlich auch für Österreich
Auch die drohende Pleite Ungarns dürfte die Euro-Krise verschärfen. Die Ratingagentur Fitch hat die Bonität der Magyaren inzwischen auf Ramschniveau herabgestuft. Nun wachsen beim Euro-Mitgliedsland Österreich, dessen Banken stark in Ungarn engagiert sind, Sorgen, in den Sog einer möglichen Pleite des Nachbarn gezogen zu werden.
Und wie steht es um den vermeintlich letzten Retter in der Krise? Laut einem Bericht der Welt am Sonntag ist die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der europäischen Schuldenkrise offensichtlich deutlich höhere Risiken eingegangen als bislang bekannt. Offiziell hat die EZB für 212 Milliarden Euro Anleihen angeschlagener Euro-Staaten aufgekauft. Zusätzlich haben die Währungshüter den Krisenländern über den Umweg der Finanzierung von Banken in Portugal, Griechenland, Italien, Spanien und Irland aber faktisch weiteres Geld geliehen – milliardenschwere Risiken für die Bilanz der Zentralbank.
Ob der neue Notenbank-Chef Mario Draghi am Donnerstag dieser Woche im Anschluss der turnusmäßigen Sitzung des EZB-Rats zu diesem Themenkomplex Stellung beziehen wird, bleibt abzuwarten. Draghi wird sich bemühen, die Märkte zu beruhigen. Sicher ist: Die EZB wird angesichts der ungelösten Probleme in Europa ihre Politik des billigen Geldes weiter fortsetzen. Der Spielraum dafür ist zuletzt etwas größer geworden: Der Inflationsdruck hat wie erwartet zum Jahresende spürbar nachgelassen – ein Trend, der sich in den kommenden Monaten festigen dürfte.
Biallo-Index weist neues Rekordtief beim Baugeld aus
Die von der EZB zur Verfügung gestellte Liquidität sollte tendenziell zu einer Entspannung an den Kapitalmärkten beitragen. Dennoch werden in den kommenden Monaten Misstrauen und Vorsicht das Handlungsmuster der Investoren an den Kapitalmärkten prägen. Sobald die See stürmischer wird, steuern die
Anleger mit ihrem Kapital die sicheren Häfen an. Einer davon sind deutsche Staatsanleihen. Davon profitiert nicht nur der deutsche Bundesfinanzminister, der die Staatsschulden zu Mini-Zinsen refinanzieren kann. Aktuell etwa kosten Papiere mit zehn Jahren Laufzeit rund 1,9 Prozent.
Auch private Kreditnehmer kommen auf ihre Kosten:
Wer ein Haus oder eine Wohnung finanzieren will, kann dies weiterhin zu historisch günstigen Konditionen tun. Laut
Biallo-Index Baugeld mussten Finanzierungskunden durchschnittlich nur noch 3,14 Prozent für ein klassisches Darlehen mit zehn Jahren fester Zinsbindung bezahlen – ein neues Rekordtief.
Zinstrend
kurzfristig: stabil
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend