Institutionelle Anleger wie Pensionsfonds oder Versicherungsgesellschaften benötigen stabile Kapitalmarktergebnisse. Die erheblichen Schwankungen an den Aktienmärkten führen deshalb zu einer Umschichtung zugunsten von Unternehmens- und Staatsanleihen. Doch zu denen, die nicht anders können, gesellen sich auch jene, die nicht anders wollen. Sie nutzen das Momentum für kurzfristige Gewinne mit Staatspapieren – und treiben die Kurse auf ein Rekordniveau, das nur noch durch extreme Konjunkturszenarien gedeckt ist: Rückfall der US-Wirtschaft in eine erneute Rezession (Double Dip), Wachstumseinbruch in Europa und Asien und eine lange Phase sinkender Preise (Deflation).
In allen Regionen wird Wachstum erwartet
Ganz ausgeschlossen ist eine solche Entwicklung natürlich nicht – doch viel wahrscheinlicher bleibt ein moderater Aufschwung. Die Mehrzahl der Bankanalysten erwartet für die USA keine Rezession, sondern lediglich eine Wachstumsdelle und eine Fortsetzung der Konjunkturerholung. Auch für Europa sieht es besser aus, als es die August-Hysterie an den Kapitalmärkten vermuten lässt. Die deutsche Wirtschaft könnte, so die jüngste Prognose der KfW Bank, dieses Jahr um 3,6 Prozent wachsen. Und auch für den Rest der Euro-Zone ist vorsichtiger Optimismus angesagt: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nicht nur ihre Prognosen für das laufende, sondern auch für das kommende Jahr erhöht.
Inzwischen sind auch die Anleger vorerst wieder zur Besinnung gekommen. Der Dax, Leitindex für die deutschen Aktienmärkte, verabschiedete sich mit rund 3,1 Prozent Plus aus der Handelswoche. Der kleinen Rallye waren überraschend die Veröffentlichung neuer Konjunkturdaten aus den USA vorausgegangen: Der Einkaufsmanagerindex ISM und die Arbeitsmarktdaten fallen schwach, aber weniger schwach als erwartet aus – unter den Blinden ist er Einäugige König!
Spiegelbildlich verhielten sich die Kurse von Staatsanleihen. Der neue Mut der Anleger hat zu Verkäufen bei den Zinspapieren geführt. Entsprechend stiegen die Kapitalmarktrenditen leicht an – liegen aber noch immer auf extrem niedrigem Niveau. Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit werfen weniger als 2,3 Prozent Rendite ab. Für Schuldner wie zum Beispiel Immobilienbesitzer mit Finanzierungsbedarf bleibt die aktuelle Gemengelage ein Paradies: Klassische Hypothekendarlehen kosteten zuletzt laut
Biallo-Index Baufinanzierung im Durchschnitt nur noch 3,20 Prozent – historischer Tiefststand!
EZB-Entscheidung schiebt Zinswende auf die lange Bank
Sollten aber die Blasen-Propheten Recht behalten, markiert der jüngste Kursrückgang der Bundesanleihen eine Zäsur. Wann die mutmaßliche Blase platzt, bleibt aber weiter unklar. Die jüngste Entscheidung der EZB, den Leitzins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen können, unverändert auf 1,0 Prozent zu belassen, wird die Zinswende nicht beschleunigen. Vielleicht entweicht die Luft ja nur langsam.
Eigenheimer mit Finanzierungsbedarf sollten sich aber an diesen Spekulationen nicht beteiligen. Sie sollten die Gunst der Stunde nutzen und sich die Mini-Zinsen gleich für 15 oder 20 Jahre sichern. Die Verdoppelung der Laufzeit von zehn auf 20 Jahre verteuert die Finanzierung um nicht einmal 0,5 Prozentpunkte.
Zinstrend
kurzfristig: stabil
mittelfristig: steigend
langfristig: steigend