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08.08.2011 11:42

Droht der Euro-Zone der Kollaps?

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Schuldendrama in den USA und in Europa, Krisensitzungen, Spekulationen und Politiker, die mit ihren Kommentaren die internationalen Anleger an den Kapitalmärkten zusätzlich verunsichern: Seit der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers 2008 war es an den Börsen nicht mehr so turbulent zugegangen wie in der vergangenen Woche. Allein der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor über 1000 Indexpunkte – und die Talfahrt könnte sich in den kommenden Monaten fortsetzen.
Zinskommentar Droht der Euro-Zone der Kollaps?
Peter Lindemann, Biallo.de
Das, was vor vier Jahren mit dem Platzen der Immobilienblase in den USA begann, hat in den vergangenen vier Jahren über Banken- und Liquiditätskrise, der daraus resultierenden lockeren Geldpolitik der Notenbanken und milliardenschwerer Konjukturprogramme zu einer gefährlichen Schuldenkrise in vielen Industrieländern geführt. Staatspleiten drohen – und insbesondere ein erneutes Abrutschen der USA in die Rezession gefährdet nun die weitere Erholung der gesamten Weltwirtschaft.

EZB will weitere Staatsanleihen aufkaufen


In Europa versuchen EU-Kommission, die Regierungschefs und Europäische Zentralbank ein Ausweiten der Schuldenkrise auf Italien und Spanien verzweifelt zu verhindern. Nach dem Europäischen Sondergipfel Ende Juli in Brüssel hatten die verantwortlichen Akteure gehofft, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Doch die trauten weder den beschlossenen Maßnahmen zur Rettung Griechenlands noch der besseren Ausstattung des EU-Krisenfonds über den Weg. Als überraschend Kommissionschef José Manuel Barroso vergangene Woche eine abermalige finanzielle Aufstockung des Euro-Rettungsschirms anmahnte und EZB-Chef Jean-Claude Trichet ankündigte, wieder Staatsanleihen aus der Eurozone aufzukaufen, sahen sich die Investoren in ihrer Skepsis bestätigt. Die Risikoaufschläge für spanische und italienische Staatsanleihen kletterten auf Rekordniveau.

Seit diesem Wochenende sehen sich die Notenbanker gezwungen, sogar die Schuldscheine dieser Länder aufzukaufen. So soll der Renditeanstieg gestoppt werden. Gelingt dies nicht und fordern die Anleger noch höhere Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen, wird es zu teuer für sie, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Der Eurozone droht der Kollaps.

USA erstmals seit sieben Jahrzehnten nicht mit Bestnote bewertet

In den USA indes hatte das erbärmliche Gezerre um die Anhebung der Schuldenobergrenze zunehmend für Frust und tiefes Misstrauen bei den Anlegern gesorgt. Es gibt nicht nur erhebliche Zweifel daran, dass die nun beschlossenen Maßnahmen tatsächlich ausreichen, das Haushaltsdefizit zurückzufahren und die gewaltige Verschuldung in den Griff zu bekommen. Vielen bereitet die Unberechenbarkeit der Politik erhebliches Unbehagen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Konsequenz gezogen und stufte die Kreditwürdigkeit der USA von AAA auf AA+ herab. Zum ersten Mal seit sieben Jahrzehnten wird die Bonität der mit Abstand größten Volkswirtschaft der Welt nicht mehr mit der Bestnote bewertet. Für die Wirtschaftsmacht könnten künftig Kredite teurer werden.

Immerhin ist es den Finanzministern der sieben wichtigsten Industriestaaten G7 wohl gelungen, nach der Herabstufung der USA einen schweren Börsencrash zu verhindern. Die Ankündigung, bei Bedarf koordiniert in die Finanzmärkte einzugreifen und weitere – noch unbenannte – Stabilisierungsmaßnahmen zu erarbeiten, scheint vorerst das Schlimmste verhindert zu haben. Doch die Märkte bleiben hochgradig nervös – liefert die Politik nicht, beschleunigt sich wieder die Talfahrt an den Aktienmärkten.

Die Perspektiven sind gerade in den USA derzeit wenig ermunternd: Will das Land seine Verschuldung in den Griff bekommen, müssen dafür erhebliche Sparanstrengungen unternommen werden. Für die ohnehin schwache US-Wirtschaft und damit auch für die gesamte Weltwirtschaft ist das keine gute Nachricht. Es droht eine erneute Rezession, die auch auf die Konjunktur in den Schwellenländern negative Auswirkungen haben dürfte. Denn die Nachfrage aus den USA ist etwa in China ein wichtiger Wachstumsfaktor.

„Krisenwährungen“ boomen

Getrieben vom Wunsch nach Sicherheit setzen die Anleger ihre Flucht in die „Krisenwährungen“ fort: Gold, Schweizer Franken – und auch Staatsanleihen aus Deutschland. Deren Rendite dürfte tendenziell kurzfristig weiter sinken – und damit auch die langfristigen Kredite wie Hypothekendarlehen verbilligen. Laut Biallo-Index Baufinanzierung kostet ein Immobilienkredit mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit im Marktdurchschnitt nur noch rund 3,7 Prozent.

Angesichts der aktuellen Lage an den Kapitalmärkten haben Eigenheimer mit Finanzierungsbedarf also genügend Zeit, alle Angebote am Markt sorgfältig zu vergleichen und beim für sie passenden zuzuschlagen. Aber auch Immobilienbesitzer, die in ein oder zwei Jahren in die zweite Finanzierungsrunde gehen, sollten sich nun Gedanken über einen vorzeitigen Abschluss eines Anschlusskredits machen. Mit sogenannten Forwarddarlehen lässt sich gegen einen kleinen Aufpreis das heutige Zinsniveau für spätere Kredite sichern. Denn langfristig wird der Preis für die hohe Staatsverschuldung eine steigende Inflation sein. Das aber führt definitiv zu höheren Kapitalmarktzinsen.

Zinstrend
kurzfristig: schwankend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend
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