Das Land, das am Rande eines Staatsbankrotts wandelt und die gesamte Europäische Union in eine zweite, noch größere Finanzkrise ziehen könnte, hat sich mit der erfolgreichen Platzierung einer zehnjährigen Staatsanleihe finanziell ein wenig Luft verschafft. Mit einem Risikoaufschlag von drei Prozentpunkten gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen war der Preis für die Fünf-Milliarden-Anleihe zwar hoch. Doch der Druck an den Märkten werde abnehmen, prognostiziert Georgios Provopoulos, griechisches Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). Griechenland werde sich am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen.
Für Entwarnung ist es zu früh
Der Wille ist da, doch für Entwarnung ist es viel zu früh. Denn nicht nur die griechische Regierung steckt tief im Schlamassel. Spanien, Portugal, Irland und Großbritannien sind weitere Wackelkandidaten, deren Verschuldungspolitik neue Finanzmarktbeben innerhalb der Europäischen Union auslösen kann. Anleger wissen das und positionieren sich entsprechend. Trotz zuletzt kräftiger Kursgewinne an den Aktienmärkten und der hohen Nachfrage nach den frischen Griechen-Anleihen sind bislang keine nennenswerten Umschichtungen aus sicheren und bonitätsstarken Staatsanleihen in riskantere Assets zu beobachten.
Entsprechend verharren die zuletzt sogar noch gesunkenen Kapitalmarktzinsen auf ihren aktuellen Tiefstständen. Eigenheimer profitieren weiterhin von Finanzierungsbedingungen, die zu den günstigsten in den vergangenen 50 Jahren gehören. Laut
Biallo-Index Baugeld kostet derzeit ein Immobilienkredit mit zehn Jahren fester Zinsbindung nominal 3,90 Prozent. Wer auf Nummer sicher gehen will und bei einer Anschlussfinanzierung nicht von einem deutlich höheren Zinsniveau kalt erwischt werden will, bindet sich 15 oder besser gleich 20 Jahre. Die Aufschläge für das Plus an Sicherheit sind mit 0,45 und 0,52 Prozentpunkten nach wie vor äußerst moderat.
Geld bleibt historisch günstig
In den kommenden Wochen dürfte sich die Lage wenig ändern. Geld bleibt historisch günstig: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 1,0 Prozent belassen. Zwar bereiten die Notenbanker behutsam die Zinswende vor. Ab April verschärft die EZB in zwei Bereichen die Kreditvergabe an Geschäftsbanken. Dahinter steckt die Absicht, einen Teil der enormen Liquidität, die von den Währungshütern zur Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise vergangenes Jahr in die Märkte gepumpt wurde, wieder abzuziehen. Langfristig ist das notwendig, um Inflation vorzubeugen. Doch dieser Prozess wird sich je nach Konjunkturverlauf und Krisenbewältigung eine ganze Weile hinziehen. Selbst eine leichte Geldverknappung in den kommenden Monaten wird kaum zu spürbar höheren Preisen für Immobilienkredite führen.
Zinstrend
kurzfristig: stabil, leicht schwankend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend