Vorausgesetzt, die auf dem EU-Krisengipfel in Brüssel beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise werden im März 2012 tatsächlich vertraglich fixiert, dann könnte langfristig viel gewonnen sein. Kurzfristig aber helfen die geplanten haushaltspolitischen Instrumente wie zum Beispiel eine Schuldenbremse der Krisenstaaten Spanien oder Italien nur wenig.
Verunsicherung und Misstrauen prägen an den internationalen Finanzmärkten weiterhin das Geschehen. Trotz der überwiegend positiven Signale vom Brüsseler EU-Gipfel sind die Risikoprämien für Staatsanleihen gefährdeter Euroländer wieder gestiegen. Die Gefahr eines Kollaps in der Euro-Zone ist noch lange nicht gebannt.
Sparpolitik kostet Wachstum
Die Politik muss in den kommenden Monaten liefern, das Enttäuschungspotenzial ist gewaltig. Die konjunkturelle Entwicklung der Weltwirtschaft und insbesondere in Europa erschwert zusätzlich die Wende zum Guten: Die teils gewaltigen Spar- und Reformpakete wie sie etwa zuletzt von der italienischen Regierung beschlossen wurden, kosten Wachstum. Eine Entwicklung, von der sich selbst Europas Konjunkturlokomotive Deutschland nicht abkoppeln kann. Erst kürzlich hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft 2012 auf 0,6 Prozent gesenkt – andere Experten sind sogar noch pessimistischer und erwarten für das kommende Jahr nur noch eine „schwarze Null“.
Zweite Senkung in sechs Wochen
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet eine Rezession für die Eurozone – und kurbelt mit billigem Geld die Konjunktur an. Nach sechs Wochen Amtszeit hat der neue Notenbankchef Mario Draghi bereits die zweite Leitzinssenkung bekannt gegeben. Der wichtige Refinanzierungssatz für Geschäftsbanken wurde auf das alte Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt. Im Kampf Staatspleiten und Bankenzusammenbrüche haben die Währungshüter außerdem die Kreditfristen verlängert: Die EZB stellt das zinsgünstige Geld nun für drei Jahre zur Verfügung. So soll die Liquidität der Banken und deren Bereitschaft Geld zu verleihen gesichert werden.
Mit ihren Maßnahmen befindet sich die EZB in guter Gesellschaft. China, Japan, Brasilien, USA, Großbritannien – weltweit lockern die Notenbanken immer bereitwilliger ihre Geldpolitik. Europas Zentralbank weigert sich allerdings weiterhin, die Schleusen vollständig zu öffnen. Die von vielen Marktteilnehmern gewünschten Ankäufe von Staatsanleihen notleidender Euro-Staaten im großen Stil bleiben bislang aus. Es wäre wohl der letzte Trumpf, den die EZB ziehen könnte, wenn die Politik in der Euro-Krise erneut scheitern sollte.
Immobilienzinsen könnten leicht steigen
Deshalb werden mindestens bis zur geplanten Ratifizierung der Brüsseler Gipfelbeschlüsse im März die Kapitalmärkte schwankungsanfällig bleiben. Je nach Gemengelage werden Anleger sicherer Staatsanleihen aus Deutschland kaufen oder verkaufen. Entsprechend bewegen sich die Kurse und Renditen der Zinspapiere, die auch dem Hypothekenmarkt Orientierung geben. Tendenziell allerdings sollte an den Märkten eine Normalisierung eintreten, die eine leicht steigende Risikobereitschaft der Anleger beinhaltet. Für die bonitätsstarken Anleihen aus Deutschland wären bei dieser Entwicklung fallende Kurse und steigende Renditen die Konsequenz. Deshalb müssen sich Eigenheimer – trotz der jüngsten Zinssenkung durch die EZB – in den kommenden Wochen und Monaten auf leicht steigende Preise für Immobilienkredite einstellen. Der Anstieg allerdings dürfte aufgrund des hohen Wettbewerbs zwischen den Banken und Versicherungen um solvente Kreditkunden begrenzt bleiben – zumal auch die Inflationserwartungen mit der Eintrübung der Konjunktur sinken sollten.
Zinstrend
kurzfristig: leicht steigend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend