Ben Bernanke, Chef der amerikanischen Federal Reserve, will der schwächelnden US-Wirtschaft auf die Sprünge helfen
Psychologie bleibt ein entscheidender Faktor an den Kapitalmärkten: Spätestens seit Mitte August wetten die Anleger wieder verstärkt auf einen „double dip“ der US-Wirtschaft – Rückfall in eine erneute Rezession. Doch ausgerechnet als das Handelsministerium die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts für das zweite Quartal von 2,4 auf 1,6 Prozent nach unten revidiert und so eine dramatische Drosselung des Wachstumstempos bestätigt, schließen die Börsen im Plus.
Der Chef der Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, hatte sich aus den Rocky Mountains vom Jahrestreffen der US-Notenbanker in Jackson Hole zu Wort gemeldet und kurzer Hand Konjunkturhilfen angekündigt. So einfach geht das!
Unkonventionelle Maßnahmen der Geldpolitik heißt die Zauberformel: Bernanke will die Notenpresse wieder anschmeißen und der schwächelnden US-Wirtschaft mit neuen Geldspritzen auf die Sprünge helfen. Dazu gehören natürlich Ankäufe langlaufender Staatsanleihen und die Zinssenkung der Fed für Bankreserven. Denn wenn es sich für Geschäftsbanken überhaupt nicht mehr lohnt, Geld bei den Notenbanken sicher zu parken, vergeben sie, so das Kalkül, wieder mehr Kredite an Unternehmen, die dann investieren und für neues Wachstum sorgen.
Psychologie per Pressemitteilung
Und dann ist da ja noch die Psychologie der Anleger. Auch die hat Bernanke in seinem Maßnahmenbündel berücksichtigt. Mit wohlüberlegten Pressemitteilungen will der Fed-Chef die Märkte künftig gezielter beeinflussen – der erste Anlauf war erfolgreich: Man könne (das schließt die Anleger mit ein) vernünftiger Weise (was offenbar nicht immer der Fall ist) erwarten (an den Kapitalmärkten werden vor allen Dingen Erwartungen gehandelt), dass sich das Wachstum 2011 (jetzt also bitte durchhalten) und den Folgejahren (langfristig wird ganz bestimmt alles gut) etwas beschleunigen werde.
Wie erfolgreich Onkel Ben künftig die Investoren an den Finanzmärkten steuern wird, muss sich zeigen. Ausgemachte Sache hingegen ist, dass eine Zinswende derzeit nicht in Sicht ist. Die Angst vor einer neuen Rezession und der Kauf von Staatsanleihen stützen deren Kurse und halten die Kapitalmarktrenditen weiter auf historische Tiefststände.