Wohin steuern die Zinsen 2010?
War das ein Wochenfinale: Erst signalisiert der Ifo-Geschäftsklimaindex Partystimmung für die deutsche Wirtschaft, dann gibt die europäische Bankenaufsicht CEBS in London Entwarnung für die meisten Banken in Europa: 84 von 91 geprüften Geldhäusern haben die Stresstests, bei denen Krisenszenarien durchgespielt worden waren, bestanden.
In Deutschland ist erwartungsgemäß nur die Hypo Real Estate durchgefallen. EU-Kommission und Europäische Zentralbank bescheinigen der Branche ein robuste Verfassung und eine hohe Widerstandskraft gegen künftige Krisen.
Deutsche Wirtschaft im Sauseschritt
Schenkt man dem vielleicht zuverlässigsten Konjunkturbarometer Glauben, entfernt sich zumindest die deutsche Wirtschaft im Sauseschritt von derartigen Szenarien. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Juli um 4,4 Punkte auf 106,2 Punkte – und markiert damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Die Unternehmen beurteilen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen überraschend positiv. Im Vergleich zum Vormonat legte der Index so stark zu wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Wirtschaftserholung ist auf dem besten Weg, zu einem stabilen und nachhaltigen Aufschwung zu werden.
Folgerichtig hat inzwischen auch die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2010 nach oben korrigiert – und erwartet auf Jahresbasis nun ein Plus von zwei Prozent und mehr. Entsprechend steigt die Risikobereitschaft der Anleger an den Kapitalmärkten. Der Deutsche Aktienleitindex Dax nimmt wieder Fahrt auf in Richtung Jahreshoch. Der aktuelle Kursanstieg dürfte sich in den kommenden Tagen fortsetzen. Während die Preise für Unternehmensanteile steigen, sinken die für sichere Staatsanleihen. Diese Papiere sind besonders dann eine Option, wenn es Anlegern um Sicherheit für ihr eingesetztes Kapital geht. Sinken aufgrund geringerer Nachfrage deren Kurse, steigen allerdings automatisch die Renditen – und damit auch die Preise für langfristige Kredite wie Hypothekendarlehen.
Doch ob und wann der Dax, der zuletzt bei 6.166 Punkten aus dem Handel ins Wochenende ging, sein Jahreshoch von rund mehr als 6.330 Punkten erreicht und Anleihen stärker unter Kursdruck geraten, ist seriös nicht zu beantworten. Schon in den vergangenen drei Monaten schwankten die Kurse der deutschen Standardwerte um 500 Punkte.
US-Wirtschaft lahmt
Insbesondere schlechte Nachrichten aus den USA lassen Zweifel aufkommen und bremsen auch in Europa die Euphorie: In der größten Volkswirtschaft der Welt springt die Konjunktur nicht wie gewünscht an. Ben Bernanke, Chef der Notenbank Federal Reserve, hat bereits klargemacht, im Zweifel mit weiteren Ankäufen von US-Staatsanleihen, die heimische Wirtschaft und die Schuldenpolitik zu stützen. Das hält zwar vorläufig das Zinsniveau niedrig, muss aber langfristig in die Inflation führen, die sich Anleger mit höheren Renditen bezahlen lassen.
Eigenheimer mit Finanzierungsbedarf müssen sich also auch in den kommenden Wochen auf schwankende Preise für ihre Darlehen einstellen. Solange der Optimismus überwiegt, werden die Kredite leicht teurer. Sobald Zweifel an einem stabilen Aufschwung wiederkehren, geht es kurzfristig genau in die andere Richtung. Auch der Banken-Stresstest und der Ifo-Geschäftsklimaindex bieten bei entsprechender Interpretation Anlass zu Kritik.
Das Auf und Ab sollte aber angesichts der günstigen Konditionen für Baugeld niemanden stören. Die Preise sackten in den ersten sechs Monaten des Jahres auf immer neue historische Tiefstände. Klassische Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit kosten im Marktdurchschnitt aktuell nur noch 3,50 Prozent. Das sind 0,6 Prozentpunkte weniger als zum Jahreswechsel – und spart gegenüber einem 200.000-Euro-Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindungsfrist rund 12.000 Euro.
Doch gerade in Niedrigzinsphasen wäre es ein schwerer Fehler, nur auf eine möglichst geringe monatliche Belastung zu schielen und andere wichtige Parameter zu vernachlässigen.
Ein größerer Finanzierungsspielraum sollte zwingend für eine schnellere Tilgung des Kredits genutzt werden. Niedrigere Zinsen verlängern nämlich bei gleichen Tilgungssätzen die Kreditlaufzeit. Das erhöht die zu leistenden Zinszahlungen erheblich und birgt zudem das Risiko einer teuren Anschlussfinanzierung am Ende der Zinsbindung.
Zinstrend
kurzfristig: schwankend
mittelfristig: steigend
langfristig: steigend