Niemand ist offensichtlich bereit, schon heute auf das für vor Weihnachten angekündigte Sparpaket der italienischen Regierung einzuzahlen. Es sieht ganz so aus, als wolle man Europas drittgrößte Volkswirtschaft unter den Euro-Rettungsschirm treiben. Frei nach dem Motto: Mal sehen, ob dort das Geld auch wirklich reicht.
Wirtschaftsfachmann Monti weiß um die Risiken – und sucht seinerseits nach Auswegen, um günstiger an das Geld zu kommen, das er dringend benötigt, um das Reformpaket für Italien auch umsetzen zu können. Italienischen Medienberichten zufolge verhandelt Italiens Regierungschef mit dem Internationalen Währungsfonds über einen Kredit in Höhe von 600 Milliarden Euro – das entspricht nur etwas weniger als ein Drittel der gesamten italienischen Staatsverschuldung. Das „Programm Italien“ soll eine Laufzeit von zwölf bis 18 Monaten haben – bis dahin muss sich die Finanzlage der Südeuropäer stabilisieren.
Europäische Zentralbank als letzter Kreditgeber?
Doch wo kommt das Geld her? Ins Spiel gebracht wurde einmal mehr die Europäische Zentralbank, die sich inzwischen immer mehr zum „Lender of Last Ressort“, zum „letzten Kreditgeber“ in der Finanzkrise entwickelt. Diese Rolle will die Bundesregierung möglichst verhindern. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Bundesbank-Präsident Jens Weidmann betonen immer wieder, dass die EZB primär für Geldstabilität sorgen muss. Eine dauerhaft lockere Geldpolitik mit historisch niedrigen Leitzinsen und der permanente Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder führen langfristig in die Inflation.
Gemeinsam mit Frankreich versucht Deutschland die EU-Verträge zu ändern und einen neuen Stabilitätspakt zu schmieden. Die Zielrichtung ist eindeutig: Merkel und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy wollen eine Fiskalunion erreichen. Im Klartext: Euro-Mitgliedsstaaten sollen zur Haushaltsdisziplin verpflichtet werden. Dafür ist im Krisenfall eine Art Durchgriffsrecht der „Retter“ auf die nationalen Finanz- und Haushaltspolitik notwendig.
Nichts als Vorschläge
Doch solange es nur Vorschläge und keine greifbaren und nachhaltigen Fortschritte bei der Lösung der europäischen Schuldenkrise gibt, bleibt die Unsicherheit auf den Kapitalmärkten bestehen. Für Anleger heißt das im Zweifel: Flucht in sichere Anlagen. Dazu gehören nach wie vor
deutsche Staatsanleihen. Entsprechend stark sind deren Kurse im Verlauf der Marktverwerfungen gestiegen. Im Gegenzug sind automatisch die Renditen für die sicheren Staatsanleihen auf Rekordtiefs gefallen.
Anleger können mit den Erträgen nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen und nehmen real einen Kapitalverzehr in Kauf. Dagegen profitieren Schuldner von der aktuellen Gemengelage. Eigenheimer etwa können sich zu Tiefstpreisen mit Immobilienkrediten eindecken.
Aktuell kosten klassische Darlehen mit zehn Jahren fester Zinsbindung laut Biall-Index rund 3,20 Prozent. Bauherren mit bester Bonität und entsprechendem Eigenkapital erhalten den Kredit sogar für unter drei Prozent.
Zinsen auf Rekordtief – das bietet Eigenheimern die Chance zu einer höheren anfänglichen
Tilgung. Und die sollten sie dringend nutzen. Andernfalls dauert es mehr als 40 Jahren bis die eigenen vier Wände abbezahlt sind. Außerdem besteht bei einer
Anschlussfinanzierung nach 5, 10 oder 15 Jahren die Gefahr deutlich höherer Kosten. Die ultralockere Geldpolitik, die derzeit die Zinsen auf einem Rekordtief hält, wird mit wachsender Wahrscheinlichkeit zu steigenden Inflationsraten führen. In der Folge klettern die Renditen am Kapitalmarkt – und Eigenheimer bekommen die Quittung an den Preisaushängen ihrer Baufinanzierer präsentiert.
Zinstrend
kurzfristig: schwankend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend