Das Ziel ist eine Stabilitätsunion mit schärferen Sanktionen gegen Haushaltssünder und einer strengeren Aufsicht über die Etatpläne einzelner Euro-Länder. Im Klartext: Wer nicht spurt und stattdessen die eigenen Staatsschulden nach oben treibt, dem rückt ein Trupp Aufpasser aus Brüssel auf den Pelz.
Neue Verträge, größere Haushaltsdisziplin und im Ernstfall die Abtretung souveräner Rechte – das riecht bei insgesamt 17 Euro-Mitgliedsstaaten nach langwierigen Verhandlungen und jede Menge Zoff. Die von Sarkozy und Merkel viel beschworene Konvergenz ist am Horizont aufgetaucht. Die Reise dorthin wird stürmisch.
Zentralbank wird verstärkt Staatsanleihen ankaufen
Eine Schlüsselrolle hat in diesem Zusammenhang die Europäische Zentralbank (EZB). Sie wird – stärker als bislang – Staatsanleihen aufkaufen müssen, damit verschuldete Euro-Länder sich möglichst am Kapitalmarkt weiterhin frisches Geld leihen können, um ihren Verbindlichkeiten nachzukommen. Grünes Licht dafür gibt es inzwischen nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus Deutschland.
Bundeskanzlerin Angela Merkel betont zwar weiterhin die Unabhängigkeit der EZB als eines der höchsten Güter der Demokratie in Europa. Das aber gelte in beide Richtungen. Zwischen den Zeilen bedeutet das: Wenn die EZB ihr Ankaufvolumen von Staatsanleihen erhöht, ist das ihre Sache – bislang hatten gerade die Deutschen auf die Währungsstabilität gepocht, die durch das Eingreifen der Notenbank schon mittelfristig leiden dürften. Die Ausweitung der Geldmenge beinhaltet erhebliche Inflationsgefahren.
Doch Alternativen sind derzeit nicht in Sicht. Die Diskussion um gemeinsame Anleihen der Euro-Länder flackert zwar immer wieder auf – doch die Eurobonds wird Deutschland sich solange verweigern, bis die dafür notwendigen institutionellen Voraussetzungen geschaffen worden sind. Ohne wirkungsvolle Sanktionsmechanismen würden die gemeinsamen Anleihen nur den Druck auf die Schuldensünder verringern, notwendige Sparpakete und nachhaltige Konsolidierungsmaßnahmen umzusetzen.
Mögliche Fortschritte bei der Lösung der europäischen Schuldenkrise müssen sich im Verlauf dieser Woche konkretisieren und spätestens auf dem Eurogipfel kommenden Freitag beschlossen werden. Trotz zahlreicher Rückschläge in den vergangenen Monaten, stehen die Investoren an den Kapitalmärkten den neuen Lösungsansätzen offensichtlich positiv gegenüber: Bereits in der vergangenen Woche sind die hohen Risikoaufschläge etwa für italienische oder spanische Staatsanleihen spürbar gesunken. Auf der Gegenseite haben sich die Anleger von sicheren mit „AAA“ bewerteten Papieren aus Deutschland verabschiedet. Zehnjährige Bundesanleihen notieren wieder oberhalb der Zwei-Prozent-Marke.
Steigende Renditen bei den bonitätsstarken Bundesanleihen lassen auch die Finanzierungen für Immobilien teurer werden. Noch aber müssen sich Eigenheimer, die für ihre Erst- oder Anschlussfinanzierung Geld benötigen, keine Sorgen machen. Nach wie vor liegen die Hypothekenzinsen auf historisch niedrigem Niveau – und daran wird sich vorerst wenig ändern.
Laut
Biallo-Index Baufinanzierung kosten klassische Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit aktuell wieder 3,28 Prozent. Das ist zwar ein Zehntel Prozentpunkt mehr als zum absoluten Tiefpunkt. Wer aber sorgfältig die Angebote vergleicht und genügend Eigenkapital mitbringt, kann seine eigenen vier Wände weiterhin zu Top-Konditionen unter drei Prozent finanzieren.
Zinstrend
kurzfristig: schwankend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend