Auch am Sonntag, dem ersten von zwei Gipfelakten, hatten die Euro-Retter unter Führung von Frankreichs Staatschef Nikolas Sarkozy und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel keine befriedigende Antwort parat, wie sie die Schulden- und Bankenkrise stoppen wollen.
Nun haben auf allen Ebenen die Verhandlungsdelegationen noch bis Mittwoch Zeit, das umfassende Paket zur Euro-Rettung zu schnüren. Immerhin: Die wesentlichen Bestandteile einer Gesamtlösung zeichnen sich ab. Der Euro-Krisenfonds EFSF, dessen Kreditrahmen erst vor wenigen Wochen auf 440 Milliarden Euro erhöht worden war, soll schlagkräftiger werden. Das Geld reicht nicht aus, wenn auch größere europäische Volkswirtschaften wie etwa Italien Hilfe benötigen sollten.
Rettung via Teilkaskoversicherung?
Deshalb ist künftig eine Art Teilkaskolösung für den Einsatz der Rettungsmilliarden sehr wahrscheinlich: Der EFSF garantiert nur für einen Teil neuer Staatsschulden, die ein Krisenland am Kapitalmarkt aufnimmt. Dadurch wird das Fondsvermögen gehebelt: So könnten bei einer Garantie von 50 Prozent über das Fondsvermögen 880 Milliarden Euro, bei 25 Prozent knapp 1,8 Billionen Euro finanziert werden.
Alternativ zur Teilkaskolösung wird noch eine Option diskutiert, die im Ernstfall eine stärkere Einbeziehung des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorsieht. Vom Tisch dagegen ist Frankreichs Vorschlag einer Banklizenz. Das hätte bedeutet, dass der Rettungsfonds nach Bedarf Staatsanleihen aufkaufen könnte, die letztlich über die Europäische Zentralbank finanziert würden. Deutschland lehnt diese Lösung strikt ab. Merkel & Co. fürchten um die ohnehin angeschlagene Unabhängigkeit der Währungshüter. Außerdem wollen sie verhindern, dass im Zweifel die Notenpresse angeschmissen wird, um den EFSF mit Geld zu versorgen. Die gewaltige Liquidität, die insbesondere die US-Notenbank nach dem Platzen der Internetblasse 2000/2001 mit ihrer extremen Niedrigzinspolitik in die Märkte gepumpt hat, ist eine Ursache für die aktuelle Finanzkrise.
Schuldenerlass unausweichlich
Einigkeit herrscht inzwischen darüber, dass Griechenland mehr Geld als bislang angenommen benötigt. Rund 250 Milliarden Euro dürften notwendig werden, um die Hellenen auf das dann immer noch sehr hohe Verschuldungsniveau von Italien zu drücken. Außerdem ist dafür ein Schuldenerlass unausweichlich, an dem sich die Privatgläubiger stärker als bislang vereinbart beteiligen müssen. Doch der Schuldenschnitt – im Gespräch sind 50 oder 60 Prozent – muss sorgfältig vorbereitet werden.
Deshalb herrscht in der Euro-Gemeinschaft auch weitgehend Konsens darüber, dass es zu einer Rekapitalisierung der Banken kommen muss. Die Institute brauchen mehr Eigenkapital um die anstehenden Schockwellen zu überstehen. Zur Not könnten die Banken sogar von staatlicher Seite dazu gezwungen werden.
Vermögensverzehr zugunsten von Sicherheit
Bis auf Weiteres haben die Akteure an den Finanzmärkten also allen Grund, äußerst nervös auf jede Nachricht reagieren. An der geringen Risikobereitschaft der Investoren wird sich deshalb nicht grundsätzlich etwas ändern. Trotz steigender Inflation bleiben sichere Staatsanleihen etwa aus Deutschland ein bevorzugtes Investment. Dabei nehmen Anleger sogar einen realen Vermögensverzehr in Kauf. Denn die starke Nachfrage nach Bundesanleihen hat die Kapitalmarktrenditen kräftig gedrückt.
Was Sparer ärgert, freut solvente Kreditkunden. Eigenheimer mit Finanzierungsbedarf können ihre Immobilie derzeit so günstig finanzieren wie nur selten zuvor in den vergangenen 60 Jahren. Ein klassischer Immobilienkredit mit zehn Jahren fester Zinsbindung kostet laut
Biallo-Index Baufinanzierung derzeit im Marktdurchschnitt rund 3,30 Prozent. Und wer ordentlich vergleicht und das geforderte Eigenkapital mitbringt, bekommt seine Erst- oder Anschlussfinanzierung auch mit einer Zwei vor dem Komma.
Zinstrend
kurzfristig: stabil
mittelfristig: stabil
langfristig: steigend