Den USA droht eine zweite Rezession. Und die Ratingagenturen haben bereits signalisiert, dass für den Schuldner USA nur vorläufig die höchste Bonitätsnote AAA bestehen bleibt. Nach einer Herabstufung verlangen Investoren höhere Zinsen, wenn sie Obama & Co. Geld leihen – und an den internationalen Finanzmärkten dürfte es zu unkalkulierbaren Turbulenzen kommen.
2,4 Billionen Dollar zusätzlich werden der US-Regierung in zwei Schritten zugebilligt – eine für den normalen Bürger unfassbar hohe Summe, die etwa rund drei Viertel der deutschen Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres entspricht. Im Gegenzug wurden Budgetkürzungen von 917 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren bereits festgezurrt. Über weitere Einsparungen mit einem Volumen von 1,5 Billionen Dollar soll eine Sonderkommission – beinahe zynisch – bis zum „Thanksgiving-Fest“ am 24. November entscheiden.
US-Wirtschaft im Stillstand
Doch nach dem vorläufigen Happy-End eines unwürdigen Polit-Theaters sind neue Zweifel an der Finanzkraft der Vereinigten Staaten aufkommen. Die US-Wirtschaft hat noch immer nicht ihr altes Niveau von vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 erreicht. Sie bleibt auch in diesem Jahr weit hinter den Erwartungen zurück. Am Montag schockten neue Konjunkturdaten die Anleger an den internationalen Aktienmärkten: Der wichtige Einkaufsmanagerindex sank auf einen Wert, der praktisch Stillstand der US-Wirtschaft signalisiert.
Am Dienstag der nächste Schock: Die Konsumbereitschaft der US-Verbraucher ist weiter rückläufig ist. Der Immobilienmarkt konsolidiert munter weiter, der Arbeitsmarkt ist in einem desolaten Zustand. Doch ohne neue Jobs wird es nicht das erforderliche Wachstum geben – im ersten Quartal legte die US-Wirtschaft gerade einmal um 0,4 Prozent und im zweiten Quartal um vorläufige 1,3 Prozent zu. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben.
Wachstum auf Pump funktioniert nicht mehr
Die strukturellen Probleme der US-Wirtschaft bleiben. Das „Erfolgsmodell“ eines Wachstums auf Pump, das zu 70 Prozent von überschuldeten Privathaushalten organisiert wurde, funktioniert nicht mehr. Langfristig muss die Exportwirtschaft die Lücke, die der fehlende Binnenkonsum reißt, schließen. Angesichts weltweit ungeheuerlicher Leistungsbilanzungleichgewichte wäre diese Entwicklung zu begrüßen – würde sie doch zu einer größeren Stabilität des internationalen Finanzsystems beitragen.
Davon allerdings sind wir aktuell meilenweit entfernt. In den kommenden Monaten werden die umzusetzenden Sparbemühungen die US-Binnennachfrage weiter bremsen und die USA womöglich doch noch in eine erneute Rezession schicken. Für die Weltwirtschaft bliebe das nicht folgenlos – die ohnehin bereits nachlassende Dynamik der globalen Wirtschaftserholung könnte sich noch verstärken.
Anleger suchen sicheren Hafen
All das würde auf der Risikobereitschaft der Anleger lasten. Mit wachsender Verunsicherung werden sogenannte „sichere Hafen-Investments“ gesucht – und zum Beispiel in deutschen Staatsanleihen auch gefunden. Unter dem Eindruck der europäischen und amerikanischen Schuldenkrise waren die ohnehin stark in de Anlegerfokus geraten. Die hohe Nachfrage hat die Kurse steigen und im Gegenzug die Renditen kräftig fallen lassen.
Für Schuldner wie etwa Eigenheimer mit Finanzierungsbedarf sind das gute Nachrichten. Denn mit den sinkenden Kapitalmarktrenditen verbilligten sich auch die Immobilienkredite. Zuletzt mussten laut
Biallo-Index Baufinanzierung Kreditkunden für ein klassisches Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit im Durchschnitt nur noch 3,77 Prozent Zinsen zahlen. Eine Trendwende ist derzeit nicht in Sicht.
Zinstrend
kurzfristig: seitwärts volatil
mittelfristig: seitwärts volatil bis steigend
langfristig: steigend