Die privaten Gläubiger, Banken, Versicherungen und Fonds, hatten sich zuvor bereit erklärt, auf 53,5 Prozent ihrer nominalen Forderungen an Griechenland zu verzichten. Die Europäische Zentralbank macht nun ebenfalls bei der Entschuldung mit und setzt die Gewinne ein, die sie mit griechischen Anleihen macht, um die Verschuldung von Hellas zu verringern.
Im Gegenzug muss Griechenland künftig schärfere Kontrollen akzeptieren und einen Teil seiner Haushaltshoheit an die EU abtreten. Die Gläubiger misstrauen der griechischen Regierung. Deshalb wird das von den Niederlanden und Deutschland geforderte Sperrkonto eingerichtet, damit Athen fällige Zinsen und Tilgungen künftig auch wirklich leistet.
Doch ist mit den neuen Hilfsmilliarden die Pleite wirklich vom Tisch? Kurzfristig, ja. Die Einigung war dringend erforderlich, damit eine am 20. März fällige Anleihe in Höhe von 14,5 Milliarden Euro noch rechtzeitig zurückbezahlt werden kann. Griechenlands Gläubigern, allen voran der EZB und den Euro-Ländern, ist das Risiko eines Zahlungsausfalls zu hoch. Eine kontrollierte Insolvenz Griechenlands ist derzeit noch nicht möglich. Unkalkulierbare Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten wären die Folge. Nicht nur die europäischen Banken gerieten in schwere See. Auch Euro-Krisenländer wie Portugal, Italien und Spanien könnten das Vertrauen der Investoren einbüßen.
Das zweite Rettungspaket bedeutet vor allem Zeitgewinn
Mit der Freigabe des zweiten Rettungspakets haben sich die Retter vor allen Dingen Zeit erkauft. Es ist unwahrscheinlich, dass Griechenland nun auf den Wachstumspfad zurückkehrt. Sparen allein ist kein Konzept, um das Land zu entschulden und langfristig wettbewerbsfähig zu machen. Für diese Einsicht wäre nicht einmal großer ökonomischer Sachverstand von Nöten, gesunder Menschenverstand reicht allemal.
Ohnehin ist es nicht möglich, gegen den Willen der Bevölkerung tiefe Reformen durchzusetzen. Das sollte eine der Lehren aus der Pleite Argentiniens in den 1990er Jahren sein. Die aktuellen Bilder von den Protesten und Straßenschlachten in Athen unterscheiden sich jedenfalls kaum von den damaligen aus Buenos Aires. Die große Koalition in Griechenland ist inzwischen eine Minderheitenregierung. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist verschwunden, nach letzten Umfragen versammeln Nea Demokratia und Pasok nur noch rund 30 Prozent der Wähler hinter sich.
Die geplanten Neuwahlen in Griechenland im April sind somit ein Risiko. Zwar mussten die Chefs der Regierungsparteien sich schriftlich verpflichten, auch nach Neuwahlen zu den von den Gläubigern erzwungenen Reformen zu stehen. Doch was sind diese Unterschriften noch wert, wenn künftig andere Parteien im griechischen Parlament das Sagen haben?
Die Euro-Partnerstaaten wissen um die Risiken und Nebenwirkungen und dürften nun alles daran setzen, die anderen Baustellen in Europa abzuarbeiten. Kapitalisierte Banken, möglichst große Konsolidierungsfortschritte in Portugal, Italien und Spanien – bis zum Herbst könnten die Schutzwälle hoch genug sein, um Griechenland kontrolliert in die Pleite zu schicken.
Kommt bald die Normalisierung der Rentenmärkte?
In den kommenden Tagen und möglicherweise auch Wochen dürfte sich die seit Dezember laufende
Rallye an den Aktienmärkten fortsetzen. Liquidität ist dank der Geldpolitik der EZB vorhanden, das Zinsniveau bleibt extrem niedrig und weltweit hellt sich die Konjunktur schneller als erwartet auf. Mit der vorläufigen Griechenland-Lösung dürfte die Risikobereitschaft der Investoren weiter zunehmen. Eine Normalisierung an den Rentenmärkten dürfte die Folge sein.
Normalisierung bedeutet für Deutschland, dass die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen kurzfristig zurückgehen wird. Die Folge sind Kursverluste auf der einen und ein Renditeanstieg auf der anderen Seite. Diese Entwicklung werden auch die
Preise für Hypothekendarlehen nachvollziehen. In den kommenden Wochen müssen Eigenheimer mit Kapitalbedarf folglich mit leicht steigenden Zinsen rechnen.
Sollte sich nach den Neuwahlen in Griechenland die Lage wieder zuspitzen, würden die Investoren in die sicheren Anleihehäfen zurückkehren – im Ergebnis könnten dann auch wieder die Hypothekenzinsen auf ihre historischen Tiefs zurückfallen. Aktuell kostet laut
Biallo-Index Baufinanzierung ein klassisches Immobiliendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit im Marktdurchschnitt 3,05 Prozent. Wer gut verhandelt und das nötige Eigenkapital mitbringt, bekommt das Geld von seiner Bank oder über einen Vermittler sicher noch zwei, drei Zehntel Prozentpunkte günstiger.
Zinstrend
kurzfristig (1-4 Wochen): leicht steigend
mittelfristig (1-6 Monate): leicht steigend
langfristig: steigend