
Konjunkturoptimisten gewinnen wieder die Oberhand und investieren zunehmend in Aktien statt in sichere Staatsanleihen
Gestern noch am Abgrund, heute wird schon wieder gemeckert: 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum im dritten Quartal war vielen Akteuren an den Kapitalmärkten nicht hoch genug. Sie hatten für Deutschland, aber auch für die gesamte Euro-Zone, wo das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Juli und Ende September um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist, noch ein Ideechen mehr erwartet.
Doch der Trend stimmt. Nach dem dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung vor rund einem Jahr ist die tiefe Rezession beendet. Deutschland hat überraschend schnell die Rolle als Konjunkturlokomotive in Europa übernommen. Rückschläge sind in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen. Firmenpleiten und höhere Arbeitslosigkeit werden zur Belastungsprobe für Ausrüstungsinvestitionen und den allmählich nachlassenden Konsum. Kaum jemand zweifelt allerdings mehr an einem positiven BIP-Wachstum im kommenden Jahr. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage prognostiziert in seinem Jahresgutachten 1,6 Prozent Wachstum. Damit sind die „fünf Wirtschaftsweisen“ optimistischer als die Bundesregierung.
Aktien statt Staatsanleihen
Ohnehin gewinnen seit einiger Zeit die Konjunkturoptimisten immer stärker die Oberhand. Entsprechend steigt auch die Risikobereitschaft an den Kapitalmärkten. Die Anleger investieren lieber in Aktien, statt in sichere, aber schlecht verzinste Staatsanleihen. Kursverluste und Inflationserwartungen, die trotz stabiler Preise wieder steigen, lassen die Renditen der Zinspapiere langsam anziehen.
Damit aber werden auch langfristige Kredite teurer. Denn insbesondere die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind eine wichtige Orientierungsmarke für Hypothekendarlehen. Noch bewegen sich die Zinsen für Immobilienkredite auf einem sehr niedrigen Niveau. Doch die Angebote der Banken und Versicherer entfernen sich inzwischen von ihren Jahrestiefstständen Mitte Oktober. Bestätigt sich die Konjunkturbelebung in den kommenden Wochen und Monaten, ist die nachhaltige Zinswende unvermeidbar.