Biallo.de: Sie haben fast 400 Immobilienfinanzierungsangebote von Banken und Versicherungen ausgewertet: Was waren die häufigsten und gravierendsten Fehler, die in der Beratung gemacht wurden?
Niels Nauhauser: Bei etwa sieben von zehn Kreditangeboten haben die Berater den
Bedarf des Verbrauchers nicht sorgfältig ermittelt.
Im Wesentlichen haben wir diese Fehlerquellen identifiziert. Diese sind:
Erstens: Die monatliche Rate ist zu hoch oder zu niedrig. Zweitens: Die Darlehenssumme ist zu hoch oder zu niedrig. Drittens: Die Zinsbindung ist zu kurz oder zu lang. Viertens: Die Finanzierung ist nicht tragbar. Fünftens: Die Finanzierung ist zu unflexibel. Sechstens: Die
Finanzierung ist zu teuer.
Biallo.de: Und welche Fehler traten am häufigsten auf?
Nauhauser: Spitzenreiter waren zu
teure Finanzierungen in 28 Prozent der Fälle. In jedem vierten Fall waren Darlehenssumme oder Zinsbindung nicht bedarfsgerecht. In 19 Prozent der Fälle war die Finanzierung zu unflexibel und in 17 Prozent der Fälle war die Rate nicht bedarfsgerecht.
Biallo.de: Wo ist die Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich am größten, auf schwarze Schafe zu treffen?
Nauhauser: Das Problem besteht grundsätzlich bei allen Kreditberatern. Sie sehen es dem Berater aber leider nicht an der Nase an, ob er seinen Job tatsächlich sorgfältig macht oder ob er nur glaubt, das sorgfältig zu tun. In der Anlageberatung sind Beratungspflichten bereits gesetzlich geregelt und eine Kontrolle durch die Finanzaufsicht Bafin ist geplant. Dasselbe brauchen wir auch in der Finanzierungsberatung, welche vieles gemeinsam hat mit der Anlageberatung, zumal die Risiken hier oft weitaus größer sind.
Biallo.de: Lässt sich angesichts Ihrer Auswertung das verbreitete Vorurteil bestätigen, dass bei der Baufinanzierung eine Beratung vor Ort notwendig sei?
Nauhauser: Die Chance, ein passendes Kreditangebot zu erhalten, liegt nach unserer Beobachtung bei drei zu zehn. Eine Beratung vor Ort wird daher in vielen Fällen sogar schädlich sein. Umso wichtiger ist es daher, dass Verbraucher sich sehr sorgfältig vorbereiten. Wichtige Punkte sind: So viel wie möglich Eigenkapital einsetzen. Dies schließt auch Altersvorsorgeverträge ein. Zweitens: Die Rate muss dauerhaft tragbar sein, d.h. der Job sollte recht sicher sein und die Familienplanung berücksichtigt werden. Drittens: Die Zinsbindung sollte nur so lang wie nötig sein. Für Schnelltilger ist oft eine kürzere Zinsbindung sinnvoll. Man sollte sich also den Tilgungsverlauf ansehen Szenarien eines Zinsanstiegs durchgehen. Viertens: Flexibilität ist möglich und oft auch sinnvoll. Immer mehr Anbieter räumen dem Verbraucher das Recht ein, die Darlehensrate zu ändern und bis zu zehn Prozent Sondertilgungen jährlich zu leisten. Und zu guter Letzt spart ein sorgfältiger Anbietervergleich mehrere tausend Euro, da schon geringe Zinsunterschiede auf die lange Frist viel Geld ausmachen.
Biallo.de: Welche
notwendige Frage wurde am häufigsten von den Verbrauchern nicht gestellt? Und welche von den Beratern?
Nauhauser: Verbraucher sehe ich da nicht in der Fragepflicht, da sie eine Beratungsleistung erwerben, bei der der Anbieter in der Pflicht steht, den Bedarf sorgfältig zu erheben.