Für viele überraschend hatte die Federal Reserve in der Woche zuvor den Diskontsatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld bei der Notenbank leihen können, leicht angehoben – und Spekulationen über eine bevorstehende Zinswende genährt. Davon aber sind die US-Notenbanker angesichts zuletzt eher ernüchternden Konjunkturdaten offenbar noch meilenweit entfernt.
In Europa sieht die Lage nicht anders aus: Leitzins „angemessen“, Erholung „holprig“ – das werden die Schlüsselworte sein, mit denen Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, an diesem Donnerstag die Fortsetzung der Niedrigzinspolitik der EZB verkünden wird. Eine Anhebung des historisch niedrigen Leitzinses von 1,0 Prozent wird es frühestens im vierten Quartal dieses Jahres geben. Vielleicht sogar erst 2011. Rückschläge auf dem Arbeitsmarkt, bei der Konsumnachfrage, der Industrieproduktion oder den Auftragseingängen für Industrie und Gewerbe drücken auf die Konjunkturstimmung. Hinzu gesellt sich unter dem Eindruck der Griechenland-Krise in immer mehr Euro-Staaten die Erkenntnis, dass der steigenden Staatsverschuldung nur mit einem veränderten Ausgabeverhalten beizukommen ist. Nachhaltiger Aufschwung hört sich anders an.
Jetzt droht Wellblechkonjunktur: Dem kurzen Auf folgt ein kurzes Ab
Nach dem starken Rebound in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres droht nun eine Wellblechkonjunktur – kurze Erholungsphasen folgen ebenso kurze Phasen des Abschwungs. Da passt es ins Bild, dass das wohl verlässlichste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft nach zehn Monaten erstmals wieder schlapp macht. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) hat sich im Februar eingetrübt. Die rund 7.000 befragten Unternehmer beurteilen sowohl ihre aktuelle Lage, als auch die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate schlechter als im Vormonat. Wirklich überraschend kommt der Einbruch nicht. Schon Anfang Februar hatten die schwachen deutschen Industrieaufträge Böses für den nächsten Ifo erahnen lassen. Gut möglich, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres wieder schrumpft.
Immerhin: Für Verbraucher, die sich langfristig verschulden wollen, haben die trüben Aussichten etwas Positives. Auch die Kapitalmarktzinsen, die stark über Inflationserwartungen gesteuert werden, bleiben vorläufig auf ihrem niedrigen Niveau: Die Renditen für sichere Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, Referenzmarke für Hypothekendarlehen, lagen zuletzt nur noch bei 3,1 Prozent. Immobilienkredite mit vergleichbarer Laufzeit kosten durchschnittlich
laut Biallo-Index Baugeld inzwischen nur noch 3,93 Prozent. Top-Anbieter liegen bei entsprechender Bonität der Kunden sogar noch zwei- oder dreizehntel Prozentpunkte darunter.
Zinsen für Immobilienkredite bleiben stabil
Auch in den kommenden Monaten werden die Preise für Immobilienkredite stabil bleiben oder sogar noch einen Tick sinken. Auch der scharf kritisierte Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF), mit einer kontrollierten Inflation Schulden in den Industriestaaten abzubauen, beunruhigt Anleger bislang nicht. Es gibt bislang keinen Hinweis, dass die Inflationserwartungen nun steigen könnten – ein Beleg dafür, dass kaum ein Marktteilnehmer die IWF-Forderung als ernstzunehmende Option bewertet.
Eigenheimern bleibt also genügend Zeit, Finanzierungsangebote im Markt zu vergleichen und die Angebote gegeneinander auszuspielen. Der Wettbewerbsdruck bei Banken, Kreditvermittlern und Versicherungen ist hoch. Da hilft oft der Wink mit dem Konkurrenzangebot. Die Chancen sind gut, in direkten Verhandlungen die Konditionen für ein passendes Finanzierungspaket noch ein wenig zu verbessern. Viel wichtiger aber ist es gerade in Niedrigzinsphasen, den Kredit von Anfang an möglichst hoch zu tilgen und zusätzlich hohe Sondertilgungen ohne Zinsaufschlag zu vereinbaren. Wer außerdem auf lange Laufzeiten von 15 oder 20 Jahren setzt, hat Planungssicherheit und wird bei einer Anschlussfinanzierung mit höherem Zinsniveau nicht auf dem falschen Bein erwischt.
Zinstrend
kurzfristig: stabil, leicht schwankend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend