An den Kapitalmärkten gaben Konjunkturdaten und Unternehmensbilanzen zum abgelaufenen dritten Quartal den Takt vor. Aktienanleger mussten zum Teil enttäuschende Quartalsergebnisse und wenig erfreuliche Geschäftsausblicke der Konzernlenker verkraften. Garniert wurden die Sorgen mit wenig ermutigenden Daten von der Konjunkturfront.
Börsen drehen ins Plus
Wichtige Frühindikatoren lagen auch im Oktober unter der Schwelle, die Wirtschaftswachstum signalisiert. In Deutschland, größte Volkswirtschaft der Eurozone, sank der Ifo-Geschäftsklimaindex nun schon zum sechsten Mal in Folge. Das zuverlässige Konjunkturbarometer fiel auf seinen niedrigsten Stand seit Februar 2010 – immer mehr deutsche Unternehmer erwarten auf Sicht von sechs Monaten schlechtere Geschäfte. Immerhin scheint sich die weltgrößte Volkswirtschaft weiter zu stabilisieren. Konjunkturdaten aus den USA fielen zum Wochenschluss so positiv aus, dass die Börsen ins Plus drehten und einen Teil ihrer Verluste wettmachen konnten.
Griechenland: Zwei Jahre mehr Zeit?
Doch schon in dieser Woche dürften die Nachrichten aus Brüssel neue Turbulenzen an den Kapitalmärkten verursachen. Die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) plädiert im Fall Griechenland offenbar für einen weiteren Schuldenschnitt. Die Sparanstrengungen der Griechen reichten nicht aus, um über den Berg zu kommen – trotz der beschlossenen Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro. Hellas soll zwei Jahre mehr Zeit für notwendige Reformen erhalten und erst 2016 die Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze von drei Prozent drücken.
Damit könnte sich wohl auch die Bundesregierung anfreunden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zuletzt mehrfach Solidarität mit Griechenland demonstriert. Die Fristverlängerung würde allerdings mindestens 30 Milliarden Euro kosten. Es dürfte eine Herkules-Aufgabe werden, hierfür eine Mehrheit im Bundestag zu organisieren. Ein Schuldenschnitt allerdings würde bedeuten, dass erstmals deutsche Steuergelder verloren gingen – eine Zustimmung für diese Maßnahme ist derzeit allerdings noch weniger vorstellbar.
Wie üblich dürften neue Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Euro-Krise einen Teil der Anlegergemeinde dazu bewegen, Risiken im eigenen Portfolio zu reduzieren. Bislang haben diese „risk-offs“ tendenziell zu einer höheren Nachfrage nach bonitätsstarken Staatsanleihen geführt. Zu den bevorzugten „sicheren Häfen“ gehören deutsche „Bunds“. Hier dürften kurzfristig über eine höhere Nachfrage die Kurse anziehen – und im Gegenzug die Renditen leicht fallen.
Mittelfristig werden die Zinsen steigen
Davon profitieren auch Kreditnehmer, die für neue Schulden niedrigere Zinsen bezahlen müssen. Und so ist es gut möglich, dass auf dem wettbewerbsintensiven und seit einigen Wochen seitwärts schwankenden Markt die Zinsen für Immobilienkredite in den kommenden Tagen wieder einen Tick sinken.
Zuletzt kostete ein klassisches Hypothekendarlehen mit zehn Jahren fester Zinsbindung laut Biallo-Index Baufinanzierung durchschnittlich 2,56 Prozent.
Mittel- und langfristig spricht allerdings weiterhin einiges für steigende Zinsen. Sollte es zu einem Schuldenschnitt in Griechenland kommen, belastet das nicht nur unmittelbar den deutschen Staatshaushalt. Das Signal, dass die Geberländer der Eurozone im Zweifel einspringen, dürfte deren Bonität bei den Ratingagenturen beeinträchtigen. Die Investoren werden sich zunehmende Risiken mit einer höheren Verzinsung versilbern lassen.
Außerdem sind nach derzeitiger Lage die Extremrisiken gebannt, die zu einem Auseinanderbrechen der Eurozone führen könnten. Spätestens im April 2013, wenn in Italien gewählt wird und auch alle politischen Störfeuer überstanden sind, sollte eine nachhaltige Normalisierung an den Rentenmärkten eintreten. Zehnjährige Renditen unter der Marke von zwei Prozent dürften dann der Vergangenheit angehören. Auch Eigenheimer mit Finanzierungsbedarf müssen dann wohl wieder mehr als drei Prozent für ihren Kredit mit gleicher Laufzeit bezahlen. Ein Beinbruch ist das allerdings nicht: Der langjährige Durchschnitt der letzten 20 Jahre liegt für zehnjährige Hypothekendarlehen bei 5,79 Prozent. Billig bleibt Baugeld allemal.
Zinstrend
sehr kurzfristig (1 Woche): leicht fallend
mittelfristig (1-6 Monate): leicht steigend
langfristig: steigend