Noch größer als bei den Banken aber dürfte die Angst sein, die bei einigen Regierungen europäischer Schuldenstaaten umher geht. Fast schon in einem Akt der Verzweifelung meldete sich etwa Spaniens seit Sonntag abgewählter Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero mit der Forderung, die Europäische Zentralbank (EZB) möge ihre Staatsanleihekäufe ausweiten und sich gewissermaßen uneingeschränkt als „Kreditgeber der letzten Instanz“ bekennen. Tatsächlich muss einem angst und bange werden: Bis 2013 beträgt das Refinanzierungsvolumen allein von Portugal, Griechenland, Spanien, Irland und Italien inzwischen eine Billion Euro.
Wachsender Druck auf die EZB
Der Druck auf die EZB wächst beinahe täglich. Nicht nur die Regierungen hoch verschuldeter Euroländer fordern ein stärkeres Eingreifen der Währungshüter. Auch immer mehr Wirtschaftswissenschaftler – überwiegend aus dem angelsächsischen Raum – melden sich, gefragt und ungefragt, mit gleich lautenden Forderungen zu Wort. Starökonomen wie Harvard-Professor Dani Rodrik oder sein Chicagoer Kollege Raghuram Rajan fordern von der EZB seit einiger Zeit zur Vermeidung weiterer Eskalationsstufen stärkere Bond-Käufe. Zuletzt meldete sich Nobelpreisträger Paul Krugman zu Wort: Nicht nur den Banken, sondern den Staaten direkt sollte die EZB Staatsanleihen abkaufen.
Größte Gegnerin dieser Pläne ist die deutsche Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Finanzminister Wolfgang Schäuble warnen vor den Folgen einer derartigen Geldpolitik. Kurzfristig könnte die Ausweitung des EZB-Anleihekaufprogramms zwar die Märkte beruhigen. Mittel- und langfristig aber würde das Vertrauen in den Euro und dessen Stabilität verloren gehen.
Das sieht auch der neue Präsident der EZB so. Tapfer hält Mario Draghi der Phalanx der Drängler stand. Inzwischen hat die EZB bereits Staatsanleihen für 190 Milliarden Euro gekauft und Monti würde wohl lieber heute als morgen aus dem Programm aussteigen. Der Italiener – Ironie der Geschichte – macht sich ernsthaft Sorgen um die Glaubwürdigkeit und damit um die Schlagkraft der Notenbank.
Trotz geringer Verzinsung bleiben bonitätsstarke Anleihen erste Wahl
Nicht nur die EZB, sondern die meisten
Investoren an den Kapitalmärkten dürften in den kommenden Wochen weiter im Risikomodus bleiben. Die Chance auf eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten ist wieder geringer geworden. Im Gegenzug bedeutet das: Staatsanleihen mit hoher Bonität bleiben trotz ihrer geringen Verzinsung bei vielen Anlegern erste Wahl.
Von den geringen Renditen profitieren in Deutschland die Schuldner: Bundesfinanzminister Schäuble kann sich am Kapitalmarkt zu Niedrigzinsen neu verschulden und auch Bauherren erhalten für ihre Finanzierungen Top-Konditionen. Laut
Biallo-Index Baufinanzierung kosten Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung derzeit durchschnittlich nur noch rund 3,18 Prozent. Rekordtief: Die goldenen Zeiten für
Eigenheimer sind zurückgekehrt nach einer vorübergehenden Zinsspitze.
Zinstrend
kurzfristig: schwankend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend