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31.10.2011 11:06

Freude nach dem 2. Akt

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Die Euphorie der Investoren kannte kaum Grenzen. Nachdem Europas Finanz- und Regierungschefs vergangene Woche den zweiten Gipfelakt in Brüssel zu einem erfolgreichen Ende geführt hatten, schossen weltweit die Aktienkurse in die Höhe. Der vermeintliche Crashmonat Oktober hat sich damit zum stärksten Börsenmonat des Jahres gemausert.
Freude nach dem 2. Akt zinskommentar Finanzportal biallo.de
Auf der anderen Seite hat die Erleichterungsrallye die Kurse sicherer Staatsanleihen einbrechen und deren Renditen kräftig ansteigen lassen. So notieren etwa zehnjährige Bundesanleihen wieder deutlich oberhalb der Marke zwei Prozent. Entsprechend verteuern sich langfristige Kredite. Eigenheimer müssen laut Biallo-Index Baufinanzierung für ein klassisches Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit im Marktdurchschnitt wieder rund 3,3 Prozent Zinsen bezahlen. Im historischen Vergleich sind das noch immer erstklassige Konditionen. Doch die Tiefststände von Anfang Oktober dürften vorläufig nicht mehr erreicht werden.

Hoffnung auf gmeinsamen Krisenmanagement

Tatsächlich macht das Gesamtpaket zur Überwindung der Euro-Krise Hoffnung auf eine Normalisierung der Kapitalmärkte – und zeugt von einem nicht mehr für möglich gehaltenen gemeinsamen Krisenmanagement der europäischen Politik. Beschlossen wurde ein Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen (50 Prozent), ein frisches Kreditpaket (100 Milliarden Euro), die Rekapitalisierung europäischer Banken (106 Milliarden Euro), zusätzliche Kompetenzen für den Rettungsschirm EFSF und eine Hebelung des zur Verfügung stehenden Kapitals (eine Billion Euro). Außerdem soll Italien stärker an die Kandare genommen werden. Denn es wird befürchtet, dass Europas drittgrößte Volkswirtschaft sich mit seinem Schuldenberg (knapp zwei Billionen Euro) nicht mehr lange zu akzeptablen Konditionen selbst refinanzieren kann. Eine (Teil-)Insolvenz Italiens aber würde die Eurozone nur schwer verkraften.

In den Details liegt der Haken

Der sogenannte Schutzwall gegen die Krise steht – doch nun muss geliefert werden. In den kommenden Wochen werden die Details verhandelt. Schnell könnte es hier zu Enttäuschungen kommen, die am Kapitalmarkt zur Rückkehr in den Krisenmodus führen könnten. Die Zahlen, mit denen derzeit hantiert wird, sind gewaltig – und sorgen bereits für Skepsis. Besonders Italien gerät immer stärker ins Visier der Märkte: Vergangene Woche erlebten die Südeuropäer ein Desaster am Anleihemarkt. Dort werden der Berlusconi-Regierung inzwischen höchste Risikoprämien für frisches Kapital abverlangt. Die zu bezahlenden Renditen kletterten auf über sechs Prozent.

Im Winter droht die Rezession

Und so hoffen die Italiener wohl auf ihren Landsmann Mario Draghi, der als neuer Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) möglichst den Ankauf von Staatsanleihen ausweiten soll. Draghi wird sicherlich die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone im Auge behalten. In den Wintermonaten droht für den Wirtschaftsraum eine Rezession. Seine bisherigen Äußerungen aber lassen nicht den Schluss zu, dass die EZB mit zusätzlichen Staatsanleihen angeschlagener Euroländer ihre Bilanz belasten möchte. Das schließlich sollen künftig der Rettungsschirm ESFS und ab 2013 der permanente Sicherheitsmechanismus ESM leisten.
Gleichwohl dürfte die EZB bald ihre beiden Leitzinserhöhungen aus dem Frühjahr korrigieren und den Refinanzierungssatz wieder auf das historische Tief von 1,0 Prozent setzen. Dies sollte trotz wachsender Inflationssorgen den Anstieg der Kapitalmarktrenditen begrenzen. Insofern müssen Eigenheimer mit Kapitalbedarf nicht in Panik verfallen. Baugeld wird in den kommenden Wochen tendenziell teurer – aber eben nicht signifikant.

Ob Draghi seinen Landsleuten bereits bei seiner ersten EZB-Ratssitzung als Präsident am 3. November den Gefallen tut, den Leitzins zu senken, ist allerdings fraglich. Vermutlich werden die Notenbanker auch angesichts einer Inflationsrate von drei Prozent noch die Füße stillhalten. Die EZB wird den Eindruck vermeiden wollen, Handlanger der Politik zu sein. Die Zinssenkung dürfte deshalb frühestens im Dezember kommen.

Zinstrend

kurzfristig: stabil bis steigend
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend
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