Doch stattdessen nimmt das Krisenmanagement in Europa mitunter traurig-groteske Züge an: Am Wochenende ließ das Büro Giorgos Papandreou mitteilen, dass der griechische Ministerpräsident überraschend seine geplante USA-Reise auf halben Weg abgebrochen habe und nach Hause zurückgeflogen sei. Papandreou war glücklicherweise schon auf Höhe London eingefallen, dass die bevorstehende Woche für die Bekämpfung der Finanzkrise in dem Pleitestaat von entscheidender Bedeutung sei.
Dax startete mit Plus von 7,3 Prozent
Auch wenn es sich nur um eine Randnotiz handelt: Kapriolen wie diese sind eher geeignet, die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten weiter zu verstärken. Immerhin ist nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen dort wieder etwas Ruhe eingekehrt. Die Investoren haben wieder Mut gefasst und Aktien gekauft. Der deutsche Leitindex Dax ist mit einem Plus von gut 7,3 Prozent aus der Handelswoche gegangen – der größte Zugewinn seit Mitte Juli 2009.
Im Gegenzug standen sichere Bundesanleihen, die trotz niedriger Renditen zuletzt für viele Anleger erste Wahl waren, tendenziell auf der Verkaufsliste. Mit den fallenden Kursen sind die Renditen leicht gestiegen. Die Staatspapiere mit zehn Jahren Laufzeit, die auch als Orientierungsmarke für Hypothekendarlehen dienen, rentieren allerdings noch immer unter 1,8 Prozent. Entsprechend günstig sind inzwischen Immobilienkredite. Laut
Biallo-Index Baufinanzierung kostet ein klassisches Darlehen mit zehn Jahren fester Zinsbindung im Marktdurchschnitt nur noch 3,26 Prozent. Damit bewegen sich die Konditionen für die Immobilienfinanzierung inzwischen auf ihren historischen Tiefstständen.
Immobilienkäufer können gelassen bleiben
Sollte sich der jüngste Auftrieb an den Aktienmärkten fortsetzen, dürfte auch das Baugeld wieder etwas teurer werden.
Eigenheimer mit Kapitalbedarf haben aber keinen Grund in Hektik zu verfallen: Es spricht derzeit wenig für einen mittelfristigen Aufwärtstrend an den Börsen. Das jüngste Kursfeuerwerk wird kaum mehr als eine sogenannte technische Gegenreaktion auf die hohen Verluste seit Anfang September sein. Die Probleme der ungelösten Schuldenkrise in den USA und in Europa mit der Folge eines drohenden globalen Konjunktureinbruchs bleiben bestehen. Selbst für die zuletzt boomende deutsche Wirtschaft sehen Wirtschaftsforscher inzwischen das Risiko einer Rezession.
Zinstrend
kurzfristig: stabil
mittelfristig: stabil
langfristig: steigend