Zuerst die positive Nachricht: Die seit Monaten schwächelnde US-Konjunktur scheint sich zu erholen. Konsumklima und die Einaufsmanager-Indizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor deuten auf eine Expansion der größten Volkswirtschaft der Welt hin. Und auch die Zahlen vom Arbeitsmarkt – Schlüssel für mehr Wachstum – geben Anlass zur Hoffnung: Die US-Beschäftigung ist im September rund doppelt so stark gestiegen wie von Volkswirten erwartet. Damit dürfte zumindest ein Abgleiten in die Rezession erst einmal vom Tisch zu sein.
Das mögliche Comeback der US-Wirtschaft hat die seit Monaten sehr vorsichtig agierenden Anleger an den Kapitalmärkten aber nur für kurze Zeit mutiger gemacht. Und das ist die schlechte Nachricht: Die Schuldenkrise in Europa spitzt sich immer weiter zu. Nun hat auch die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Italiens herabgesetzt. Außerdem sackte Spanien um zwei Ratingstufen auf AA- ab, und portugiesischen Staatsanleihen droht eine Herabstufung auf Ramsch-Niveau.
Nun sind Spanien und Italien grundsätzlich stark genug, ihre Haushaltsprobleme mit geeigneten Sparprogrammen ohne fremde Hilfe in den Griff zu bekommen. Anders sieht es da bei Portugal aus. Das Land ist bereits unter den Euro-Rettungsschirm EFSF geschlüpft. Trotz einiger Fortschritte und großer Anstrengungen muss aber bezweifelt werden, ob Portugal eine Pleite Griechenlands ohne weitere EU-Milliardenhilfen überstehen würde.
Schuldenschnitt für Griechenland von bis zu 60 Prozent wird immer wahrscheinlicher
Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis darüber Klarheit herrscht. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Griechen aufgegeben werden. Die Regierung in Athen ist inzwischen nicht mehr bereit, die immer neuen Forderungen der sogenannten Troika – ein Expertenteam, das die Fortschritte des griechischen Sparprogramms bewertet – in vollem Umfang umzusetzen. Gut möglich, dass die fällige Tranche Rettungsmilliarden nicht ausgezahlt und ein harter Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen schon im November nötig wird. Aktuell werden in der Eurogruppe Szenarien für einen „haircut“ von bis zu 60 Prozent durchgespielt.
Größtes Risiko bleibt dabei der Finanzsektor. Viele europäische Banken sind unterkapitalisiert. Insbesondere französische und wohl auch spanische und italienische Banken hätten im Falle einer Pleite Griechenlands erheblichen Wertberichtigungsbedarf und kämen ohne staatliche Finanzspritzen nicht über die Runden. Deshalb wird nun fieberhaft nach Lösungen gefahndet. Frankreich und Deutschland wollen Ende des Monats auf dem G20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Cannes ein Gesamtpaket zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise und zur Stützung von Europas Banken präsentieren.
Die Unsicherheit und die damit verbundenen Schwankungen an den Kapitalmärkten werden mindestens bis dahin andauern. Wie schon seit Wochen werden die Anleger im Zweifel einen sicheren Hafen ansteuern und ihr Geld in bonitätsstarke Staatsanleihen insbesondere aus Deutschland investieren. Deren Kurse dürften also vergleichsweise stabil bleiben oder sogar noch steigen. Im Umkehrschluss heißt das: Die Kapitalmarktrenditen verharren auf Rekordtief.
Davon profitieren alle, die sich langfristig verschulden wollen – wie etwa Eigenheimer mit Finanzierungsbedarf. „Baugeld“ war selten noch günstiger als in Zeiten der europäischen Schuldenkrise. Laut Biallo-Index Baufinanzierung kosten klassische Hypothekendarlehen mit zehn Jahren fester Zinsbindung im Marktdurchschnitt rund 3,2 Prozent – ein Prozentpunkt weniger als noch im April dieses Jahres. Bei einem Kredit über 200.000 Euro sinken die Finanzierungskosten um 17.000 Euro. Und wer die Konditionen ordentlich vergleicht, spart bei den Top-Anbietern leicht noch einige Tausend Euro zusätzlich.
Zinstrend
kurzfristig: leicht fallend
mittelfristig: stabil
langfristig: steigend