Die Währungsstabilität eines Landes oder Wirtschaftsraums fällt nicht einfach so vom Himmel. Sie ist das Ergebnis von Wirtschaftskraft, Inflationserwartungen und Investorenvertrauen. Dass es hier seit Beginn der Griechenland-Krise hapert und der Außenwert der Gemeinschaftswährung zuletzt immer stärker unter Druck gerät, ist ohne Frage eine Folge der europäischen Schuldenkrise.
Die Maastricht-Kriterien missachtet zu haben, rächt sich jetzt
Tatsächlich haben die Regierungen der Euroländer lange Zeit nicht verstanden, wie wichtig für den langfristigen Erfolg der Währungsunion eine solide Haushaltspolitik nach den bereits 1992 im Vertrag von Maastricht festgeschriebenen Kriterien ist. Reihenweise wurden Stabilitätsanforderungen missachtet. Dabei geht es nicht nur um Griechenland, das sich mit gefälschten Bilanzen Zutritt in die Eurozone verschafft hat. Es waren Frankreich und Deutschland, die sich bereits unmittelbar nach der Euro-Einführung nicht mehr an die Regeln gehalten haben. Allein Deutschland missachtete von 2001 bis 2005 gleich fünfmal in Folge die Defizit-Obergrenze von drei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.
Die Einführung des Euro war eine politische Entscheidung, für die nun ein hoher ökonomischer Preis gezahlt werden muss. Inzwischen, so scheint es, ist den Regierungen der Eurozone aber klar geworden, dass sie sich selbst aus dem Schlamassel, den sie sich eingebrockt haben, ziehen müssen. Nur solide Staatsfinanzen schaffen langfristig das notwendige Vertrauen, um nicht von den Kapitalmärkten mit horrenden Zinsen für die Refinanzierung von Schulden abgestraft und letztlich abkoppelt zu werden.
Ohne die ungewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) wäre die Eurozone vermutlich schon kollabiert. Abgesehen davon, dass der Leitzins wieder auf seinem historischen Tief von 1,0 Prozent liegt: Mit den umstrittenen Ankäufen von Staatsanleihen europäischer Krisenländer und zum Teil gigantischer Liquiditätshilfen für den wankenden Bankensektor holen die Währungshüter seit Beginn der Krise für die überforderte Politik die Kohlen aus dem Feuer. Wie ernst die Lage ist, belegen die EZB-Interventionen kurz vor Weihnachten: Fast eine halbe Billion Euro Liquidität pumpten die Währungshüter in das angeschlagene europäische Bankensystem und verliehen das Kapital für drei Jahre zu Mini-Zinsen an die angeschlagenen Geldinstitute.
Wie lange wirkt die Beruhigungsspritze der EZB?
Kurzfristig zeigen die Liquiditätshilfen der EZB Wirkung. Doch wie lange hält die Beruhigungsspritze vor? Langfristig jedenfalls wird auch die Stabilisierung des Bankensektors nur gelingen, wenn die europäische Schuldenkrise nachhaltig gelöst wird. Deshalb müssen die auf dem letzten Brüsseler EU-Krisengipfel beschlossenen Maßnahmen zu mehr Haushaltsdisziplin einschließlich handfester Sanktionsmechanismen schnell und möglichst ohne Abstriche umgesetzt werden.
Die Befürchtungen aber sind groß, dass jede Form von Entspannung an den Kapitalmärkten die Bereitschaft der europäischen Krisenstaaten zum Defizit- und Schuldenabbau mindern könnte. Insofern ist die aktuelle Kredithilfe der EZB nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko.
In dieser Gemengelage zwischen Hoffen und Bangen dürfte sich die Verunsicherung bei den Anlegern in den kommenden Wochen fortsetzen. Risikopositionen werden vermieden, sichere Häfen wie zum Beispiel Staatsanleihen aus Deutschland weiter gesucht. Die hohe Nachfrage drückt auf die Renditen. Davon profitieren Eigenheimer: Die Hypothekenzinsen sollten sich auch zu Beginn des Jahres 2012 auf historisch niedrigem Niveau bewegen. Laut Biallo-Index Baufinanzierung mussten Finanzierungskunden zuletzt durchschnittlich 3,19 Prozent für ein klassisches Darlehen mit zehn Jahren fester Zinsbindung bezahlen. Eine nachhaltige Trendwende ist nicht in Sicht.
Zinstrend
kurzfristig: stabil
mittelfristig: leicht steigend
langfristig: steigend