Im ersten Halbjahr 2009 fanden in Deutschland rund 45.000 Zwangsversteigerungstermine statt. Dabei wechselten die meisten Objekte für 15 bis 30 Prozent unter Verkehrswert ihren Besitzer. Geldanlage in Immobilien hat Konjunktur. Wer bei einer Zwangsversteigerung nach Schnäppchen jagt, muss jedoch gut vorbereitet sein!
„Es gibt Termine, die kaum besucht sind“, sagt Winfried Aufterbeck, Geschäftsführer vom Branchendienst Argetra GmbH über den Versteigerungsalltag. „Liegt das Objekt dagegen in begehrter Großstadtlage, muss sich der Interessent zumeist gegen hartnäckige Mitbewerber durchsetzen.“ Zehn wichtigste Tipps für ein erfolgreiches Gebot:
1. Termine ermitteln
Termine für Zwangsversteigerungen werden regelmäßig von den Amtsgerichten verkündet. Im Netz finden Sie Auskünfte auf zvg.com, zwangsversteigerung.de und im besonders umfangreichen Argetra-Versteigerungskalender.
2. Erst mal beobachten
"Schnuppern Sie auf ein bis zwei Probeterminen erst mal die Atmosphäre dieser Veranstaltungen und studieren Sie die Strategien der Bieter“, rät Experte Aufterbeck.
3. Amtliches Gutachten studieren
Interessenten können beim Amtsgericht ein Gutachten mit Angaben über Bauzustand, Vermietungssituation, Lage, Anschlüsse an Versorgungsnetze, laufende Kosten und den zuletzt ermittelten Verkehrswert einsehen.
4. Einblick in das Grundbuch
Der Grundbuchauszug gibt Auskunft über mögliche Belastungen, Dauerwohnansprüche und Wegerechte. Bei Anfragen an das Amtsgericht das Aktenzeichen des Objekts angeben!
5. Objekt besichtigen
Grundsätzlich haben Interessenten keinen Rechtsanspruch auf eine Objektbesichtigung. „Wer sich dennoch ein genaueres Bild von der Immobile machen möchte, sollte sich an die Gläubigerbank des Eigentümers wenden. Die vermittelt dann einen Besichtigungstermin,“ sagt Aufterbeck.
6. Zuschlagschance ermitteln
Ist dem Gläubiger das Höchstgebot zu niedrig (z.B. 30 Prozent unter Verkehrswert), kann er den Zuschlag ablehnen. Erfragen Sie im Vorfeld bei der zuständigen Bank die voraussichtliche Schmerzgrenze.
7. Sicherheitszahlung einkalkulieren
10 Prozent des Verkehrswertes werden bereits vor Auktionsbeginn einbehalten, meist in Form einer Bankbürgschaft oder als bankbegünstigter Verrechnungsscheck.
8. Finanzierung planen
Bei der Berechung der Zinskonditionen („Beleihung“) ist nicht der Verkehrswert, sondern der Zuschlagspreis maßgeblich. Verbindliche Kreditzusagen geben Banken deshalb nur in seltenen Fällen. Erst nach Zuschlag lassen sich die Finanzierungskonditionen aushandeln. Bei Top-Anbietern kommen zum Schnäppchenpreis noch niedrige Zinsen dazu. Doch neben einer guten Bonität sollten Interessenten auch eine hohe Eigenkapitalquote mitbringen. Denn: Platzt die Finanzierung, wird eine zweite Versteigerungsrunde angesetzt – erbringt die weniger, muss der abgesprungene Käufer für den Minderbetrag aufkommen!
9. Gebotslimit clever wählen
Wählen Sie als persönliche Schallgrenze keine glatten Summen (z.B. 200.000 Euro), sondern Beträge, die klar darüber liegen (209.000 Euro) und gehen Sie dieses Limit recht zügig an.
10. Mitbieter verwirren
Wer krumme Beträge aufruft und in unorthodoxen Schritten bietet, dem lässt sich schlechter in die Karten gucken. Erfolgreiche Taktierer schlagen mit dieser Methode verunsicherte Mitbieter aus dem Felde und erhalten am Ende den Zuschlag!