Der Betrug mit Hilfe von rechtswidrig erlangten Daten von Zahlungskarten hat sich 2008 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Dagegen ist der Missbrauch von gestohlenen Karten selbst deutlich zurückgegangen. Das zeigt ein Blick auf die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2008, die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble diese Woche vorgestellt hat. Insgesamt ist Deutschland aber laut Schäuble „eines der sichersten Länder der Welt“.
Das ist der Horror eines jeden EC-Karten-Benutzers: Nichts ahnend hebt man am Geldautomaten Bares ab, doch Kriminelle lesen den Magnetstreifen der Karte aus und beobachten den arglosen Kunden bei der Eingabe der Pin. Mit Hilfe der Daten fertigen sie eine Kopie des Originals an und nutzen sie kurze Zeit später im Ausland, um das Konto zu plündern. Der Bankraub per Kartendoublette ist in Deutschland aufgrund einer Prüfung durch die Geldautomaten dagegen nicht möglich. Diese Betrugsmasche, die 2008 in Deutschland großen Aufschwung erlebt, wird als „Skimming“ bezeichnet.
Schaden von mehr als 40 Millionen Euro
Die Polizei registrierte im abgelaufenen Jahr rund 10.100 Fälle – ein Anstieg um 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser starke Zuwachs ist insbesondere auf gut organisierte Serientaten von Täterbanden zurückzuführen, heißt es in der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2008. Der Schaden habe sich auf mehr als 40 Millionen Euro belaufen, wie das Bundeskriminalamt mitteilt. Aufkommen dafür müssen bei derartigen offensichtlichen Manipulationen in der Regel die Banken.
Manipulierte Kartenleser an Automat oder Tür
Um in den Besitz der Kartendaten zu kommen, bringen die Täter oft einen manipulierten Kartenleser vor dem Original des Geldausgabeautomaten an. Diese Kartenleser sind optisch dem jeweiligen Modell des Geldautomaten angepasst und so konstruiert, dass die eingeschobene EC-Karte zum originalen Kartenleser weiter transportiert wird. „So können die Daten des Magnetstreifens ausgelesen werden, ohne dass die Bedienung des Geldautomaten beeinträchtigt und der Kunde misstrauisch wird“, informiert die Polizei in Nordrhein-Westfalen (NRW). Eine andere Variante sind manipulierte Kartenleser am Türöffner zur Bankfiliale.
Mit EMV-Chip gegen Skimming-Spuk
Manche Banken gehen daher dazu über, ganz auf derartige Türöffner zu verzichten. Ab 2010 hoffen die Verbände im Zentralen Kreditausschuss (ZKA), dass der Skimming-Spuk vorbei sein wird: „Der wirkungsvolle Schutz vor Skimming liegt in der ausschließlichen Verwendung von Zahlungskarten mit EMV-Chip“, sagt Cornelia Schulz vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken BVR. Diese Umstellung läuft in der Kreditwirtschaft bereits seit 1999. „Ab 2010, wenn im Girocard-System nur noch Chipkarten akzeptiert werden, wird Skimming aufgrund der Fälschungssicherheit der Chip-Karten keine Rolle mehr spielen“, zeigt sie sich optimistisch.