In unsicheren Zeiten bevorzugen Anleger stabile Geldanlagen. Deutsches Betongold, so versprechen Finanzexperten allenthalben, sei anders als in Spanien oder Großbritannien crashsicher und obendrein rentabel. Eine auf den ersten Blick attraktive Anlagemöglichkeit kommt von der Westfälischen Grundbesitz und Finanzverwaltung AG (WGF). Die Hypothekenanleihe bietet 4,875 Prozent Zinsen und erstklassige Kapitalabsicherung - also nix wie zugreifen?
Merkmale: Bei dem Papier handelt es sich um eine Unternehmensanleihe mit der ISIN-Nummer DE000WGFH067. WGF bietet 4,875 Prozent Zinsen, die vierteljährlich ausgezahlt werden. Die erste Zinszahlung erfolgt am 15. September 2010. Die Laufzeit des Wertpapiers beträgt 2,5 Jahre. Anteile von je 500 Euro können seit Anfang Mai bei Banken gezeichnet werden. Die Zeichnungsfrist läuft bis Ende April 2011. Es ist vorgesehen, die Anleihe nach Abschluss der Zeichnung an der Düsseldorfer Börse zu platzieren.
Stärken: Die Hypothekenanleihe bietet hohe Sicherheit, denn die mit dem Geld der Anleger erworbenen Grundstücke und Immobilien erhalten erstrangige Sicherungshypotheken und Grundpfandrechte. Im Falle von Zahlungsschwierigkeiten oder einer Unternehmenspleite haben Anleger das Recht auf erstrangige Entschädigung aus den Veräußerungserlösen der im Besitz von WGF befindlichen Immobilien und Grundstücke. WGF ist ein etablierter Investor mit Spezialisierung auf kleinere bis mittlere Objekte. Der Anleihe-Zinssatz von 4,875 Prozent liegt deutlich über dem aktuellen Durchschnitt für Banksparprodukte. Die quartalsweise Ertragausschüttung mindert Risken und kann zur Erzielung von Zinseszinseffekten genutzt werden. Die kurze Laufzeit entspricht dem gestiegenen Inflationsrisiko.
Schwächen: Die Absicherung der durch erstklassige Grundpfandrechte ist positiv, setzt aber grundlegende Risiken nicht außer Kraft. So ist keineswegs sicher, dass WGF geeignete, kostengünstige Grundstücke und Objekte findet, die zum Erfolg der geplanten Investitionen führen. Konkrete Investitionsvorhaben, an denen sich Anleger orientieren können, enthält der Emissionsprospekt nicht. Werden Grundstücke oder Objekte zu teuer eingekauft, sinkt deren Marktwert während der Laufzeit oder sind nur unzureichende Miet-, Pacht- oder Verkaufserlöse zu erzielen, können Zinszahlungen oder Kapitalrückzahlungen geringer ausfallen als geplant. Im schlimmsten Fall können Anleger sogar leer ausgehen, etwa im Pleitefall, wenn die Forderungen der Gläubiger die Insolvenzmasse mehrfach übersteigen. Unsicherheiten für Anleger entstehen auch dadurch, dass die eingeworbenen Gelder teilweise für Umschuldungszwecke und bereits bestehende Zinsverpflichtungen verwendet werden – damit bleibt weniger Geld für gewinnbringende Investitionen übrig. Ein Wiederverkauf der Anleihe ist schwierig, denn aktuell besteht kein Markt. Gelangt die Anleihe in den Börsenhandel, unterliegt sie Kursrisiken. Bei vorzeitigem Verkauf können Anleger Wertverluste erleiden.
Fazit: Mit dem Erwerb der Anleihe machen sich Investoren vom wirtschaftlichen Erfolg der WGF AG abhängig. Trifft das Unternehmen Fehlentscheidungen oder entwickelt sich der Markt ungünstig, kann dies negative Auswirkungen auf die Zins- und Rückzahlungsansprüche der Anleihegläubiger haben. Trotz vergleichsweise stabilem Immobilienmarkt in Deutschland und hohen Absicherungsmechanismen der Anleihe sollten Anleger vorsichtig investieren. Finanz- und Konjunkturrisiken lauern derzeit an vielen Ecken.