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10.08.2011 12:40

Absurde Amnestie

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Im Windschatten der tobenden Finanz- und Schuldenkrise war am Mittwoch der Tag eines Steuerabkommens mit der Schweiz – genauer: eines Amnestieabkommens. Gegen eine geringe Pauschalsteuer für in der Schweiz gebunkertes Schwarzgeld sowie Gelder aus Geldwäsche und anderen kriminellen Aktivitäten soll es für deutsche Täter Straferlass geben. Die Schweizer Banken, die bislang den deutschen Steuerstraftätern Beihilfe geleistet haben, sind nun vorgesehen, hoheitliche Aufgaben der deutschen Finanzämter wahrzunehmen. Das klingt wie ein übler Witz zum Füllen des Sommerlochs.
Recht kritisch Absurde Amnestie Finanzportal Biallo.de
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble - Staatskasse schlägt Steuermoral
Die Experten der Deutschen Steuergewerkschaft sehen in dem Abkommen einen „Schlag ins Gesicht des ehrlichen Steuerzahlers“. Die Opposition schäumt, weil die Bundesregierung sich an der Rettung des Geschäftsmodells von Schweizer Banken beteilige. Und ein Vertreter des Bundes Deutscher Kriminalbeamter kommentiert auf biallo.de das Abkommen als „staatlich gesteuerte Strafvereitelung in historische Dimension“. Es passt in das Bild, dass diese nur noch von einer Minderheit unterstützte Bundesregierung abgibt: Sie betreibt einmal mehr Klientelpolitik - überspitzt zusammengefasst: erst die Hoteliers, jetzt die Steuerhinterzieher.

Wer sich einmal von einem Steuerberater die Besonderheiten einer Lohnsteuer- und Betriebsprüfung hat schildern lassen, bei denen jeder kleine Beleg gewendet, gewichtet und steuerlich bewertet wird, der kann über dieses Abkommen nur den Kopf schütteln. Immer wieder gibt es für Steuerstraftäter Sonderbehandlungen, wie etwa die von Hans Eichel initiierte, letztlich gescheiterte Amnestie, und jetzt dieses Abkommen. Milliarden von Steuereinnahmen werden unter Hinweis auf drohende Verjährung von Ansprüchen abgeschrieben. Der an den Tag gelegte Pragmatismus soll zunächst einen Ertrag (als erste Vorauszahlung) von 1,8 bis zwei Milliarden Euro – bezogen auf eine Summe von 130 bis 180 Milliarden Euro – einbringen. Das ist ein bisschen wenig für den Schaden, den Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine Mitstreiter mit diesem Abkommen anrichten.

Statt der „Discount-Steuer“ und Straferlass für Täter und Gehilfen sollte man die Verjährungsfristen für Steuerhinterziehung verlängern - und nicht (einmal mehr) einen deutschen Sonderweg beschreiten. Die Regierungsparteien unterhöhlen die ohnehin fragile Steuermoral. Campact hat unterdessen eine Unterschriftenaktion gegen dieses Abkommen initiiert. Rund 14.000 Bürger haben dort bereits unterzeichnet.
 
Leserkommentare
10.08.2011 14:20 Uhr - von Sebastian Fiedler
staatlich legalisierte Geldwäsche
Mein Kommentar als einer der Sprecher einer Initiative des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DStG), des Bundes der Richter und Staatsanwälte in NRW (DRB-NRW) und der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ), die es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Geldwäschebekämpfung in Deutschland zu forcieren: Da hat die Bundesregierung unter Federführung von Bundesfinanzmister Dr. Wolfgang Schäuble und seinem Staatsekretär in einer Geheimaktion mit der Schweiz die größte Begnadigung deutscher Straftäter, die die Geschichte je gesehen hat, ausgehandelt. Ein dreistelliger Milliardenbetrag bislang unbekannten Vermögens deutscher Staatsbürger schlummert auf geheimen Konten und Depots Schweizer Banken. Nach dem Willen des Finanzministers soll das auch so bleiben. In öffentlichen Verlautbarungen und Presseberichten wird verharmlosend von „Schwarzgeld“ und „Steuersündern“ gesprochen. Tatsächlich spricht jedoch alles dafür, dass ein hoher Anteil dieser Vermögensmassen aus kriminellen Aktivitäten deutscher Straftäter stammt. Es handelt sich um Gelder aus Betrug, Untreue, Drogengeschäften, Menschenhandel, Korruption und Organisierter Kriminalität, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Umgang der Bundesregierung diesen Kriminalitätsformen gegenüber ist mit Worten nicht mehr zu greifen. Da doktert ein und dasselbe Finanzministerium an den Geldwäschevorschriften herum, um bis zum Jahresende wenigstens formell den internationalen Vorgaben zu genügen, und legalisiert zeitgleich eine der größten Geldwaschanlagen Europas. Die professionellsten Steuerbetrüger und Verbrecher müssen sich künftig nicht mehr um ihr illegales Vermögen in der Schweiz sorgen. Sie zahlen einfach anonym einen Abschlag an den deutschen Fiskus und können fortan ruhig schlafen, da ihre Straftaten unentdeckt bleiben werden. Darüber hinaus hat sich die Bundesregierung nun der Schweiz gegenüber verpflichtet, auf Ankäufe von Steuer-CDs in der Zukunft zu verzichten - trotz der durchschlagenden Erfolge der deutschen Strafverfolgungs- und Finanzbehörden. Wenn die Kriminalpolizeien des Bundes und der Länder aus Überlastungsgründen ihre Akten nicht bearbeitet bekommen, müssen die Kolleginnen und Kollegen mit Strafverfahren wegen Strafvereitelung im Amte rechnen. Was hier nun passiert, geht um Lichtjahre darüber hinaus. Wir werden uns mal Gedanken machen müssen wie das Verhalten des Bundesfinanzministers, seines Staatssekretärs und der beteiligten Ministerialbeamten strafrechtlich zu würdigen ist. Hier wird bewusst und gewollt aus vermeintlich fiskalischen Gründen die Strafverfolgung vereitelt. Nicht nur der ehrliche Steuerzahler ist der Dumme, auch die deutschen Strafverfolger, Steuerfahnder, Finanzbeamten, Zöllner und Staatsanwälte müssen sich angesichts des Vorhabens veralbert vorkommen. Sebastian Fiedler, Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK)
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