Viele Banken verschicken die Steuerbelege an ihre Privatkunden in diesem Jahr etwas später als sonst. Grund dafür ist die Abgeltungsteuer. Sie galt zwar bereits seit Jahresbeginn 2009, doch einige wichtige Auslegungsfragen hatte das Bundesfinanzministerium (BMF) erst kurz vor Weihnachten 2009 in einem Anwendungsschreiben geklärt – und dabei auch noch an ein paar Details geschraubt.
So erklärt es sich, dass einige Banken in diesem Jahr später dran sind mit dem Versand der Steuerbelege. Wie eine Umfrage von biallo.de unter 14 großen Filial- und Direktinstituten ergeben hat, verzögert sich der Versand bei acht Anbietern infolge der neuen Steuerdetails. Bei vielen Anbietern findet der Versand Mitte oder Ende März statt; bei der Targobank zum Beispiel müssen sich Depotkunden sogar noch bis zur zweiten Aprilhälfte gedulden; die Sparkunden erhalten dagegen Mitte März die notwendigen Informationen.
BMF-Schreiben zur Abgeltungsteuer umfasst 105 Seiten
Wer gedacht hatte, die pauschale Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und etwaige Kirchensteuer würde alles einfacher machen, ist längst desillusioniert. Das lässt sich auch daran ablesen, dass das besagte BMF-Schreiben einen Umfang von absurd anmutenden 105 Seiten hatte.
Viele Steuerberater gehen daher davon aus, dass die Abgeltungsteuer nur für eine Minderheit von Anlegern die Versteuerung ihrer Kapitalerträge einfacher macht. Viele Anleger werden nämlich auch für 2009 und später nicht umhin kommen, zumindest Teile ihrer Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben. Das gilt insbesondere für Leute mit einem Depot im Ausland, da dort die Abgeltungsteuer gar nicht erhoben wird – Kapitalerträge im Ausland müssen dann über die Steuererklärung nachdeklariert werden. Auch wer Verluste aus den Vorjahren steuerlich geltend machen möchte, kommt zum Beispiel nicht umhin, die Steuererklärung auszufüllen.
Erträgnisaufstellung - Nicht immer kostenlos
Hilfestellung bei der Steuererklärung geben die Banken nicht nur mit den gesetzlich vorgesehenen Steuerbescheinigungen, bei nahezu allen sind auch weiterhin ausführliche Erträgnisaufstellungen erhältlich, die die Kapitalerträge detailliert aufschlüsseln. Doch dieser Service ist längst nicht überall kostenlos. Bei den 14 von uns befragten Banken war dies lediglich bei Cortal Consors, ING-Diba, Onvista Bank und beim Sparkassen Broker der Fall. Bei der Deutschen Bank kommt es darauf an, welches Kontoführungsmodell man hat, die Kosten für die Erträgnisaufstellung reichen von kostenlos bis zu 20 Euro. Im Vergleich am teuersten ist die Erträgnisaufstellung bei der Commerzbank – sie verlangt für den Service 25 Euro, bei ihrer Tochter Comdirect sind es immerhin 19,90 Euro. Bei den übrigen Instituten bewegen sich die Gebühren für diese Steuerinformation um die zehn Euro, so bei der DAB Bank und der Norisbank (jeweils zehn Euro), bei der Postbank (10,50 Euro), bei der Targobank (zwölf Euro) und bei der SEB (13 Euro).
Tipp: Anleger, die ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben müssen oder möchten, sollten rechtzeitig bei ihrer Bank nachfragen, wann es die Formulare gibt. Wer Geldanlagen mit schwierigeren steuerlichen Sachverhalten im Depot hat – und dazu zählen schon thesaurierende ausländische Fonds – sind gut beraten, auch die Erträgnisaufstellung anzufordern.