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Anlegerrecht

Provisionen bei Lebensversicherungen sind offenzulegen

27.07.2010 01:02
Von Brigitte Watermann
Kreditinstitute müssen auch Provisionen beim Abschluss einer Lebensversicherung ähnlich wie Kick-backs, also Rückvergütungen von Produktanbietern, offen legen. Zu diesem Urteil kommt das Landgericht Heidelberg. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
Anlegerrecht
Vor dem Abschluss einer Lebensversicherung müssen Anleger über Provisionen informiert werden
Demnach muss die Volksbank Kraichgau eG einem Kunden Schadensersatz in Höhe von insgesamt 50.000 Euro nebst Zinsen gegen Übertragung der abgeschlossenen Lebensversicherung leisten. Laut LG Heidelberg hatte die beklagte Bank zwar anleger- und objektgerecht beraten, allerdings hatte sie nicht über die Provisionen in Höhe von 1.001 Euro informiert und aufgeklärt, die sie für die Vermittlung der fondsbasierten Lebensversicherung erhielt.

Der zum Zeitpunkt der Beratung 70-jährige Mann wollte zusammen mit seiner zwei Jahre jüngeren Ehefrau einen Betrag in Höhe von 250.000 Euro anlegen. Ein Betrag in Höhe von 50.000 Euro wurde dabei in eine fondsbasierte Lebensversicherung einbezahlt. Die Laufzeit der Versicherung sollte 15 Jahre betragen, so dass eine Auszahlung der Versicherungssumme erst hätte erfolgen können, wenn der Kunde bereits 85 Jahre alt gewesen wäre. Den Versicherungsschein erhielten die Eheleute am 22. November 2007; rund ein Jahr später betrug der Policenwert nur noch 42.594,40 Euro von ursprünglich angelegten 50.000 Euro.

Kick-Back-Rechtsprechung auch auf Kapitalanlageprodukte anwendbar

Nach Ansicht des LG Heidelberg ist die sogenannte Kick-Back-Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) auch für den Fall der verdeckten Provisionszahlung beim Vertrieb von Kapitalanlageprodukten durch Banken anwendbar und auf diese auszudehnen (Urteil vom 13.07.2010, Aktenzeichen: 2 O 444/09).

Für Rechtsanwältin Beate Witt-von Wegerer, die das Urteil erstritten hat, hat die Entscheidung weitreichende Bedeutung über den Einzelfall hinaus. „Sollte das Urteil obergerichtlich bestätigt werden, wäre dies ein Durchbruch für zahllose Fälle, in denen Kreditinstitute Provisionen für die Vermittlung von Kapitalanlageprodukten jeglicher Art erhalten haben.“ Ihrer Meinung nach ist die Begründung des LG Heidelberg einleuchtend: „Weshalb sollen Kick-backs anders behandelt werden als verdeckte Provisionen?“ In beiden Fällen bestehe die vom Bundesgerichtshof mehrfach hervorgehobene Pflicht der Kreditinstitute zur Offenlegung von möglichen Interessenskollisionen. „Dem Gesetz ist nicht zu entnehmen, dass dies nur für Kick-backs gelten soll“, so Rechtsanwältin Witt-von Wegerer.
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