Schlechte Zeiten für Mieter: Sollten die Pläne von Schwarz-Gelb Wirklichkeit werden, können Mieter für energetische Sanierungen kräftig zur Kasse gebeten werden – selbst wenn sie bei den Heizkosten kaum oder gar nicht davon profitieren.
Statt 246 nun 846 Euro - so hoch soll die monatliche Miete bei Familie Schröder aus Hamburg-Eimsbüttel für ihre 54-Quadratmeter-Wohnung ansteigen – für eine umfassende und energetische Sanierung. Als die Familie 1967 eingezogen ist, betrug die Miete für die aus dem Jahr 1900 stammende Wohnung 92 Mark im Monat, so Schröder gegenüber dem Hamburger Abendblatt.
Energieverbrauch soll drastisch reduziert werden
Ähnlich könnte es bald deutlich mehr Mietern in Deutschland gehen, wenn die Pläne der Bundesregierung Wirklichkeit werden. Bis 2050 soll der Energieverbrauch in Wohngebäuden drastisch reduziert werden. Auch der Deutsche Mieterbund (DMB) bezeichnet diese starke Senkung des Wärmeverbrauchs als „alternativlos“. Er kritisiert aber, dass Mietrechtsverschlechterungen kein Ersatz für öffentliche Förderungen sind.
Die Pläne von Schwarz-Gelb sehen vor, dass ein deutlich größerer Teil der Kosten für energetische Sanierungen an die Mieter weitergegeben werden können. „Gerade bei Mietwohnungen spiegeln sich die Investitionen der Eigentümer oft noch nicht ausreichend in den Mieten wider“, meint Kanzlerin Angela Merkel. Und dies, obwohl bereits jetzt Hauseigentümer einen Teil der Kosten für Dämmungen an Decken und Wänden, Sanierungen von Fassaden und Fenstern an Mieter weitergeben können. Das ist so im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt: „Maßnahmen zur Verbesserung der Mietsache, zur Einsparung von Energie oder Wasser oder zur Schaffung neuen Wohnraums hat der Mieter zu dulden“, heißt es in Paragraph 554 BGB.
Elf Prozent bereits jetzt umlegbar
Elf Prozent der für die Modernisierung aufgewendeten Kosten können bereits jetzt pro Jahr auf den Mieter umgelegt werden (559 BGB). Hat der Vermieter also die Außenfassade für 5.000 Euro dämmen lassen, können 550 Euro im Jahr oder 45,83 Euro im Monat mehr verlangt werden.