Auf unversteuerte Altvermögen von deutschen Steuerhinterziehern sollen mit diesem
Abkommen Schweizer Banken eine anonyme und strafbefreiende Pauschalsteuer von 19 bis 34 Prozent auf den Vermögensstand erheben. Zinsen und Dividenden sollen nach Mitteilung der Schweizerischen Eidgenossenschaft zukünftig mit einer Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent belegt werden.
Einher geht diese Regelung mit Straffreiheit für die deutschen Steuerhinterzieher sowie für die Schweizer Bankmitarbeiter, die regelmäßig Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben. "Um zu verhindern, dass neues unversteuertes Geld in der Schweiz angelegt wird", dürfen die deutschen Behörden 750 bis 999 "Auskunftsgesuche" binnen zwei Jahren stellen, so Roland Meier, Sprecher der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Zudem hat sich die Bundesrepublik neben dem Verzicht auf die Strafverfolgung von Bankmitarbeitern verpflichtet, künftig keine Steuer-CDs aus der Schweiz mehr anzukaufen. Im Gegenzug sollen die Schweizer Banken eine Garantieleistung von zwei Milliarden Schweizer Franken zahlen. Diese Vorauszahlung soll anschließend mit eingehenden Steuerzahlungen verrechnet und den Banken zurückerstattet werden.
Nach Informationen der Neuen Zürcher Zeitung haben sich die Banken bereits auf einen Verteilungsschlüssel geeinigt, wer wieviel nach Deutschland überweisen muss. Es wird damit gerechnet, dass ein Großteil der 320 Schweizer Banken grenzüberschreitend deutsche Kunden betreut, also nicht nur UBS, Julius Bär und Credit Suisse.
Die Schweizer Finanzindustrie wertet das umstrittene Abkommen als klaren Erfolg: "Die Banken in der Schweiz haben wie versprochen ihre Treuepflicht gegenüber ihren langjährigen Kunden gewahrt", sagt Patrick Odier, Präsident der Schweizer Bankiersvereinigung.
Giegold: "Verletzung rechtsstaatlicher Standards"
„Das Abkommen verletzt gleich mehrfach rechtsstaatliche Standards", sagt der Grünen-Politiker und Europa-Abgeordnete Sven Giegold. "Wenn das so kommt, kommen ausgerechnet diejenigen am günstigsten weg, die am längsten in der Illegalität ausgehalten haben“, so der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler. „Mit Steuergerechtigkeit hat ein solcher exklusiver Sündenerlass nichts zu tun“, sagt Joachim Poß, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. „Es ist nicht Aufgabe der deutschen Regierung und des Bundesfinanzministers, das Geschäftsmodell der Schweizer Banken zu retten“, so Poß. Mindestens 130 Milliarden Euro Schwarzgeld deutscher Bürger sollen in der Schweiz lagern. Das entspricht etwa dem Etat des Bundesarbeitministeriums im Jahr 2009.