Am Zielflughafen: Glück ist, wenn der Koffer kommt.
Im Jahr 2010 kamen laut „Gepäckreport“ des Luftfahrt-Dienstleisters SITA weltweit 29,4 Millionen Gepäckstücke nicht oder nicht rechtzeitig an. Das sieht bei einem Aufkommen von insgesamt mehr als 2,4 Milliarden Flugpassagieren erst einmal nach nicht viel aus.
Doch 29,4 Millionen Mal Gepäckverspätung oder -verlust bedeutet 29,4 Millionen Mal Ärger, Verlust von materiellen oder immateriellen Werten und häufig auch wertvoller Urlaubszeit.
Immerhin: Die Zahl der verschütt gegangenen Gepäckstücke lag 2010 vor allem wegen des winterlichen Wetterchaos' und des Vulkanausbruchs auf Island nur um 4,4 Prozent über der Zahl von 2009, während das Passagieraufkommen in dieser Zeit um mehr als 10 Prozent zunahm. Zahlen aus den Vorjahren legen zudem nahe, dass der größte Teil der vermissten Gepäcks bald bei seinen Besitzern ankommt. Mehr als 95 Prozent der als vermisst gemeldeten Koffer und Taschen trafen 2009 binnen 48 Stunden bei ihrem Besitzer ein; gut drei Prozent jedoch wurden nie gefunden.
Die mit Abstand meisten Gepäckstücke gingen 2010 während der Transfers von einem zum anderen Flugzeug verloren (51 Prozent) – ein guter Grund für Fluggäste, Flugverbindungen zu wählen, die möglichst direkt vom Start- zum Zielort führen (siehe Tipps). 14 Prozent wurden aus irgendwelchen Gründen nicht in die Maschinen eingeladen. Wegen Fehlern bei der Ticketausstellung oder aus Sicherheitsgründen kamen 12 Prozent der Koffer und Taschen nicht rechtzeitig an, und in 23 Prozent der Fälle lag der Grund beim Flughafen selbst, beim Zoll, bei ungünstigen Wetterbedingungen oder bei zu wenig Platz im Flieger.
Und offenbar gehen nicht alle Airlines ähnlich sorgsam mit dem ihnen anvertrauten Gepäck um. Einer im Juni 2009 von der europäischen Luftfahrt-Organisation AEA veröffentlichten Statistik zufolge erreichten im Winterhalbjahr 2008/2009 bei europäischen Airlines durchschnittlich 1,3 Prozent aller Gepäckstücke ihr Ziel verspätet oder überhaupt nicht. Spitzenreiter in positiver Hinsicht: Turkish Airlines vor Air Malta und Virgin Atlantic – hier waren die wenigsten Gepäckprobleme zu beanstanden. Traurige Schlusslichter mit den meisten Schwierigkeiten bei Koffern und Taschen der zahlenden Gäste: Iberia, davor Air France und die portugiesische Airline TAP. Die Lufthansa bewegte sich im hinteren Mittelfeld.
Ist das Gepäck weg, sollten Reisende sofort den Gepäckschalter in der Ankunftshalle des Flughafens (häufig auch "Lost and Found", "Baggage Tracking" oder "Baggage Tracing" genannt) oder den Schalter der Fluggesellschaft aufsuchen, um eine schriftliche Suchanzeige aufzugeben. Hierfür brauchen Sie in aller Regel den Gepäckaufkleber, den Sie beim Einchecken am Schalter des Abflughafens an Ihr Ticket geheftet bekommen haben.
Lassen Sie sich eine Telefonnummer und/oder eine Website nennen, unter der Sie den Weg Ihres Gepäcks nachverfolgen können. Erkundigen Sie sich auch, wie Sie zu Ihrem Gepäck kommen, falls sich dieses bald wieder einfindet (Hoteladresse vor Ort hinterlassen!). Einige Airlines liefern es kostenlos nach. Für die Zwischenzeit stellen manche Fluggesellschaften sogenannte „Overnight Kits“ zur Verfügung, die die nötigsten Toilettenartikel enthalten. Nicht immer bekommen die Fluggäste ihre Ausgaben, die mit dem Gepäckverlust in unmittelbarem Zusammenhang stehen, später vollständig ersetzt.
Pauschalreisende sollten sich am Urlaubsort umgehend vom Veranstalter schriftlich bestätigen lassen, dass der Koffer fehlt. Das Montrealer Abkommen sieht zwar keine reine Reisepreisminderung vor, Pauschalreisenden „stehen jedoch zwischen fünf und 30 Prozent des Tagesreisepreises pro Tag ohne Gepäck zu“. Fehlt das Gepäck während des gesamten Urlaubs, können es bis zu 50 Prozent des Gesamtreisepreises sein.
Das Montrealer Übereinkommen legt fest, in welchem Rahmen eine Fluggesellschaft für das Gepäck ihrer Fluggäste haftet. Es sieht eine Haftung von maximal 1.000 „Sonderziehungsrechten“ pro Reisenden vor. Das entspricht etwa 1.134 Euro.
Die Praxis sieht anders aus
In der Praxis ist es aber nach Auskunft der englischen Verbraucherschutzorganisation AUC so, dass Fluggäste nur selten den Wert jener Gegenstände ersetzt bekommen. Häufig würden die Airlines eine Liste der in den Koffern enthaltenen Gegenstände und die dazugehörigen Kaufbelege fordern.
So mindern Sie das Risiko eines Gepäckverlustes:
- Fliegen Sie direkt. Je weniger Sie umsteigen müssen, umso geringer ist das Risiko, dass Gepäck verloren geht.
- Versehen Sie Ihr Gepäck mit Ihrer Heimatadresse. Praktisch ist auch ein auffälliges Zeichen am Koffer, das im Ernstfall die Suche erleichtert (und am Gepäckband die schnelle Identifizierung, falls andere Reisende zufällig das gleiche Koffermodell haben).
- Medikamente, Wertsachen, Pass, Schlüssel, wichtige Dokumente und dergleichen gehören immer ins Handgepäck!
- Wer nicht allein reist, sollte einige eigene Kleidungsstücke im Koffer des Mitreisenden deponieren und umgekehrt – wenn am Ziel ein Koffer fehlt, kann man sich auf diese Weise zumindest kurzfristig behelfen. Auch ein Satz Wechselwäsche im Handgepäck hilft über den ersten Tag ohne Hauptgepäck hinweg.
- Wenn schon eine Gepäckversicherung, dann richtig: Eine entsprechende Police sollte auch für den Fall gültig sein, dass sich Ihr Gepäck in der Obhut einer Airline befindet. Und: Eine Versicherung lohnt sich nur, wenn deren Entschädigung höher ist als 1.000 Sonderziehungsrechte des Montrealer Abkommens (das entspricht etwa 1.134 Euro) – so viel zahlen die Fluggesellschaften im besten Fall auch.
- Quittungen zumindest für teurere oder wichtige Dinge im Hauptgepäck aufheben. So hat man eine bessere Chance, den Gepäckverlust von der Fluglinie wenigstens zum Teil ersetzt zu bekommen.