Mit 47,6 Prozent am Gesamtumsatz hat der Ex-Monopolist nach wie vor die Festnetzbereiche Telekommunikation (TK) und Breitbandkabel (BK) fest im Griff. Das zeigt die Ende Oktober veröffentlichte Studie zum Telekommunikationsmarkt 2011 des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) und Dialog Consult. Den Rest teilen sich die Wettbewerber im TK-Festnetz mit 42 Prozent und die BK-Kabelnetzbetreiber mit 10,4 Prozent. Vom Gesamtumsatzvolumen in Höhe von 36,4 Milliarden Euro entfallen in diesem Marktsegment somit allein auf die Telekom 17,3 Milliarden. Damit ist das Unternehmen auch 14 Jahre nach der Marktöffnung nach wie vor der Platzhirsch.
Telefonanschlüsse
Bei den herkömmlichen stationären Telefonanschlüssen dominiert die Telekom weiterhin mit einem Anteil von 60,4 Prozent und 23,3 Millionen Anschlüssen deutlich das Geschäft. Der Rückgang der analogen und digitalen Telefonanschlüsse auf Basis klassischer ISDN-Telefonnetzstrukturen wird zu einem großen Teil (5,5 Millionen) durch die Wettbewerbsunternehmen selbst ausgeglichen, die verstärkt Telefonanschlüsse auf Basis entbündelter DSL-Zugänge (VoIP) anbieten. Ein kleinerer Teil (3,6 Millionen) telefoniert 2011 über TV-Breitbandkabel (DOCSIS).
Call-by-Call weiter stark
Telefoniert wird von Jahr zu Jahr mehr. Waren es 2010 noch täglich 397 Millionen Minuten im Festnetz, sind es dieses Jahr 404 Millionen Minuten. Dabei sinkt zwar der Anteil von Call-by-Call und Preselection in diesem Jahr aufgrund der immer stärkeren Nutzung von Komplettanschlüssen anderer Wettbewerber und von Telekom-Flatrates – dennoch wird fast jede fünfte Festnetzminute 2011 über eine Verbindungsnetzbetreiber-Vorauswahl telefoniert. Das sind rund 66 Millionen Minuten täglich. „Auch mittelfristig bleibt diese Variante der Netzbetreiber-Auswahl insbesondere für solche TK-Nutzer wichtig, die der Telekom Deutschland nicht den Rücken zukehren wollen oder technisch nicht können“, sagt Torsten Gerpott, Gesellschafter von Dialog Consult.
Breitbandanschlüsse steigen leicht
Das Wachstum bei den Breitbandanschlüssen ist weiterhin positiv. Die Telekom hielt auch Ende 2010 noch 45 Prozent Endkunden-Anteil am Breitbandmarkt. Zweitgrößter Anbieter ist hier Vodafone mit 13,3 Prozent und United Internet (1&1 u.a.) mit 12,9 Prozent, gefolgt von Telefónica (9,8 Prozent). Die TK-Wettbewerbsunternehmen stehen nicht nur im Wettbewerb zur Telekom Deutschland, sondern auch zu den BK-Netzbetreibern sowie im Wettbewerb untereinander. Zudem müssen insbesondere die TK-Wettbewerbsunternehmen in großem Umfang auf TK-Infrastruktur der Telekom zurückgreifen, während die Kabelnetzbetreiber diese monatlichen Mietentgelte etwa für die Teilnehmeranschlussleitung nicht aufbringen müssen, da ihr Koaxialkabelanschlussnetz noch zu Bundespost-Monopolzeiten bezahlt wurde.
Und der Datenhunger der Anwender wächst: Das pro Breitbandanschluss und Monat verbrauchte Datenvolumen nimmt dieses Jahr um mehr als 16,3 Prozent auf 12,1 Gigabyte und damit stärker als im Vorjahr zu. Die ungebrochen weiter zunehmende Verbreitung von Videoanwendungen aller Art führt zu einer erneuten Zunahme. Das Gesamtvolumen wird sich auf voraussichtlich 4,3 Milliarden Gigabyte belaufen.
Telekom kassiert bei Verbindungsentgelten
Weiterhin deutlich zu Buche schlagen die Vorleistungsentgelte, die die Wettbewerbsunternehmen pro Euro Umsatz bei Komplettanschlüssen an die Deutsche Telekom bezahlen müssen, da sie überwiegend auf die Anschlussnetze des Ex-Monopolisten angewiesen sind. Bei einem preisattraktiven Einsteiger-Angebot, mit dem viele TK-Wettbewerbsunternehmen mangels technischer Differenzierungsmöglichkeiten in den Markt gehen, fließen über zwei Drittel des so erzielten Umsatzes über Interconnection- und TAL-Entgelte wieder zurück an die Telekom (bis zu 69 Cent pro Euro Umsatz). Das heißt, auch bei Kundenwechseln zu Wettbewerbern verdient die Telekom weiterhin kräftig mit.