Alternative Wohnformen
Besser Leben im Alter
14.03.2009 08:00
Für viele ältere Menschen ist die Vorstellung vom Leben im Alten- oder Pflegeheim eine Horrorvision. Die meisten wünschen sich, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden oder der vertrauten Umgebung leben zu können.
Die Bezeichnung alternative Wohnformen ist kein feststehender Begriff. Man versteht darunter eine Vielzahl von Wohnformen, die eine alternative zum Leben im Alten- oder Pflegeheim darstellen. Die bekanntesten Modelle sind:
Betreutes Wohnen: Hier leben Senioren eigenständig in Wohnungen in einem Wohnkomplex zusammen, können aber bei Bedarf Hilfe von außen in Anspruch nehmen wie Mahlzeiten- oder hauswirtschaftliche Dienste, ambulante Pflege etc. Die Bewohner bezahlen eine monatliche Miete, plus einen Grundservice sowie die jeweils hinzu gebuchten Wahlleistungen.
Senioren-Wohngemeinschaften: Mehrere ältere Menschen leben in einer Wohnung oder einem Haus zusammen und teilen sich Gemeinschaftsräume wie Küche, Wohn- und Badezimmer. Jeder kann seine WG natürlich gestalten wie er möchte – manche bevorzugen ein eigenes Bad oder legen Wert auf eine eigene Küche.
Die Vorzüge: Die alten Menschen bleiben in ihrem bekannten Viertel, man hilft sich innerhalb der Wohnung gegenseitig und bleibt so aktiver, man ist in Gesellschaft, beugt Vereinsamung vor, lebt mit Mitbewohnern zusammen, die man sich selbst aussucht.
Immer populärer werden auch betreute Wohngemeinschaften v. a. für Demenzkranke. Information hierzu gibt es beim Kuratorium Deutsche Altershilfe (
www.kda.de).
Mehrgenerationen-Wohnprojekte: Bei diesem Modell
leben
verschiedene Altersgruppen zusammen – jeder in seiner eigenen Wohnung, meist in einer Wohnanlage oder einem großen Wohnkomplex. Der Vorteil: Hier leben die Alten nicht isoliert, sondern mischen sich unter die jüngeren Bewohner, wobei alle von nachbarschaftlicher Hilfe profitieren und jeder seine Fähigkeiten in die Gemeinschaft einbringen kann: die Senioren betreuen die Kinder, umgekehrt erhalten sie Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen.
Integriertes Wohnen: Es ist ähnlich gestaltet wie Mehrgenerationen-Wohnprojekte. Hier finden sich allerdings gleich mehrere Wohnformen unter einem Dach zusammen: Mietwohnungen, ein Seniorenwohnheim, die Möglichkeit zur Kurzzeitpflege o.ä. Es leben vom Studenten über Behinderte und junge Familien bis hin zu pflegebedürftigen Senioren alle in einem Wohnkomplex zusammen. Häufig sind ein Betreuungskonzept oder verschiedene Dienstleistungen vorgesehen. Eventuell benötigte Hilfe wird häufig über Nachbarschaftshilfe oder einen Pflegedienst organisiert. Die jeweilige Kommune gibt Auskunft, ob es solche Projekte bereits im Umfeld gibt.
Für wen sind sie geeignet?
Wollen Sie selbstbestimmt leben, müssen Sie Eigeninitiative zeigen. Sie müssen genau wissen, was Sie möchten und auch bereit sein, sich dafür einzusetzen. Nicht alle Wohnformen sind für alle Menschen geeignet. So setzt beispielsweise das Betreute Wohnen ein gewisses Maß an Selbstständigkeit voraus, eine langfristige Pflege ist nicht vorgesehen. Sollten Sie irgendwann umfangreiche Hilfe und Versorgung benötigen, müssen Sie in der Regel doch irgendwann in ein Pflegeheim umziehen. Andere Wohnprojekte wie das Integrierte Wohnen, bieten allerdings auch die Möglichkeit einer Pflegeversorgung an.
Sollten Sie das Leben in einer Senioren-WG oder anderen gemeinschaftlichen Wohnformen erwägen, sollten Sie wissen, dass Rücksicht, Toleranz, viel Gemeinschaftssinn und soziale Kompetenz gefragt sind, insbesondere wenn es um Konfliktlösung geht. Viele gewohnte Lebensweisen sind in der Gemeinschaft nicht aufrecht zu erhalten. Offenheit für Neues und Flexibilität sind gefragt.
Welche Kosten entstehen?
Betreutes Wohnen: Betreutes Wohnen ist nicht unbedingt die billigste Wohnform im Alter. Einen Großteil der anfallenden Kosten müssen Sie aus eigener Tasche bezahlen. Sollten Sie nicht über genügend Eigenkapital verfügen, haben sie auch die Chance über einen Wohnberechtigungsschein (beim örtlichen Wohnungsamt zu beantragen) oder einen Wohngeldzuschuss, eine Wohnung in einer betreuten Anlage zu erhalten. Manche Dienste (z.B. ambulante Pflege) übernimmt anteilig auch die Pflegekasse oder das Sozialamt.
Ein Teil der Serviceleistungen des Betreuten Wohnens sind in den so genannten Grundleistungen enthalten, für die jeder Bewohner eine monatliche Pauschale bezahlen muss (zwischen 60 und 130 Euro pro Person. Bei einer weitern Person kommen noch mal zwischen 25 und 50 Euro hinzu). Darüber hinaus gibt es Wahlleistungen, die individuell abgerechnet werden. Ein Aufschlag von fünf bis 15 Prozent auf die ortsübliche Miete ist für eine barrierefreie Wohnung und einen Aufzug gerechtfertigt.
Senioren-WG und andere gemeinschaftliche Wohnformen: Das WG-Leben ist auf jeden Fall preiswerter als ein Heimaufenthalt: Ein ambulanter Pflegedienst kann beispielsweise alle Bewohner gemeinsam versorgen und die Miete und Nebenkosten werden auf alle Bewohner umgelegt. Allerdings sind je nach Ansprüchen erst einmal hohe Investitionskosten nötig, denn man wird kaum eine Wohnung oder ein Haus finden, das auf eine Senioren-WG oder ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt ausgerichtet ist. Möglicherweise sind aufwändigere Umbauten nötig. Geldgeber können Kommunen, Ministerien, Stiftungen und Banken sein, aber auch Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Ministerien. Sie sollten sich auch nach Städtebauförderprogrammen, Förderungen für den Bau von Altenwohnungen oder zukunftsweisenden Bauvorhaben erkundigen. Wohnberatungsstellen können evtl. auch Wohnungsbauunternehmen nennen, mit denen solche Projekte bereits erfolgreich durchgeführt wurden.
Worauf sollte man achten?
Betreutes Wohnen:
Betreutes Wohnen ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Jeder darf unter diesem Titel eine beliebige Wohnform anbieten. Wer nicht sorgfältig eine geeignete Anlage aussucht, wird möglicherweise mit horrenden Rechnungen und einer lieblosen Versorgung abgespeist. In einigen Fällen sind die Wohnungen nicht mal seniorengerecht ausgestattet. In manchen Bundesländern gibt es deshalb inzwischen Qualitätssiegel für Betreutes Wohnen. Hier wurden Kriterien erarbeitet, die eine Wohnanlage idealerweise erfüllen sollte. Welche Anlagen das Siegel erhalten haben, erfahren Sie bei den örtlichen Verbraucherzentralen.
Senioren-WG, Mehrgenerationenprojekte u. a.:
Um eine solche Wohnform Realität werden zu lassen, ist ein langer Atem nötig. Hier ist sehr viel Eigeninitiative gefragt. Sie müssen nicht nur die geeigneten Mitstreiter finden, sondern auch ein Grundstück oder eine passende Immobilie. Damit sollten Sie frühzeitig beginnen, nicht erst, wenn man bereits alt und hilfebedürftig ist. Ein solches Projekt zieht sich in der Regel mindestens über zwei bis drei Jahre. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, bei bereits bestehenden oder geplanten Initiativen einzusteigen. Im Internet findet man inzwischen einige Adressen, die gemeinschaftliche Wohnmöglichkeiten vermitteln.