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20.10.2011 15:47

Altersvorsorge

Deutsche legen weniger fürs Alter zurück

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Die europäische Schuldenkrise wirkt sich negativ auf die Erwartungen der Bundesbürger aus, wie gut sie im Alter abgesichert sind. So sorgt sich aufgrund der hohen Verschuldung vieler EU-Staaten und der Krise des Euro fast jeder zweite Deutsche um seine Altersvorsorge. Das zeigt die jährliche Studie "Altersvorsorge in Deutschland", die die Postbank zum neunten Mal in Folge seit 2003 mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchführt.
Altersvorsorge Deutsche legen weniger fürs Alter zurück
Welche private Anlageform macht überhaupt noch Sinn? Viele Bürger sind in Sachen private Altersvorsorge ratlos
Die größte Sorge der Bundesbürger gilt der Entwertung von Ersparnissen durch Inflation. Jeder dritte Deutsche macht sich deshalb Sorgen. Dass durch Zahlungen Deutschlands an andere Länder Geld für die staatliche Rentenkasse fehlt, beunruhigt 30 Prozent. Wie nachhaltig die Verunsicherung ist, zeigt ein weiteres Ergebnis: 43 Prozent aller Berufstätigen fragen sich mittlerweile, "welche private Anlageform überhaupt noch Sinn macht". Und jeder Dritte hat stärkere Zweifel an der Sicherheit der privaten Altersvorsorge.

Trotz der günstigen Wirtschaftslage Deutschlands in diesem Jahr glaubt inzwischen jeder fünfte Berufstätige ab 50 Jahren, im Alter seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten zu können. Dies ist der höchste Wert, der seit 2006 gemessen wurde. Insgesamt bezeichnen 42 Prozent der Berufstätigen ihre heutige Vorsorge als „nicht ausreichend“. Unter den Frauen erreicht der Anteil sogar 46 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 39 Prozent.
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Mit der wachsenden Unsicherheit erlahmt der Ausbau privater Altersvorsorge in Deutschland. Fast vier von zehn Berufstätigen geben aktuell an, keinen Ausbau mehr zu planen.

Gleichzeitig lässt die Bereitschaft der Bundesbürger, fürs Alter vorzusorgen, weiter nach. Diejenigen, die vorsorgen, haben die Höhe ihrer monatlichen Beiträge um sechs Prozent gegenüber 2010 auf derzeit 188 Euro im Monat gesenkt. Angebote zur privaten Altersvorsorge müssen die Bürger stärker als bisher motivieren, forderte Postbank-Vorstand Michael Meyer bei der Vorstellung der Studienergebnisse: „Das Vorziehen staatlicher Förderung, etwa als attraktive „Sofort-Prämien“ bei Riester-Produkten gleich zu Beginn der Vertragslaufzeit, könnte verstärkte Anreize schaffen, insbesondere für berufstätige Frauen mit niedrigeren Einkommen, bei denen die Vorsorgeanstrengungen noch zu gering sind.“

Besonders groß ist offenbar die Verunsicherung unter jungen Berufstätigen im Alter von 16 bis 29 Jahren. Unter ihnen plant nur noch rund die Hälfte einen Ausbau der privaten Altersvorsorge. Zum Vergleich: Vor dem bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise 2008 waren es noch 65 Prozent. Und exakt ein Viertel der jungen Berufstätigen sagt jetzt ausdrücklich, nicht weiter vorsorgen zu wollen - ein Negativrekordwert in den Messungen der Postbank-Studien seit 2003 und eine Verdopplung allein gegenüber dem Jahr 2010. „Bedenklicher ist aber: Unter den jungen Berufstätigen von 16 bis 29 Jahren fällt die Bereitschaft zur Vorsorge auf den niedrigsten je von uns gemessenen Wert“, sagt Meyer. So wollten etwa im Sommer 2008, also vor der Eskalation der Finanzkrise, 65 Prozent von ihnen vermehrt in die Altersvorsorge investieren. Jetzt sind es noch 54 Prozent.
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Eigenheim bleibt Vorsorgeliebling

Wer aber die Vorsorge jetzt doch aufstocken möchte, setzt vor allem auf das Eigenheim. Jeder dritte berufstätige Vorsorgewillige will eine eigene Immobilie bauen oder kaufen – ein Anstieg um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wertschätzung des Eigenheims als "ideale Vorsorgeform" ist besonders bei jungen Berufstätigen unter 30 und bei Berufstätigen in Ostdeutschland gewachsen. Hier schließen die Ostdeutschen mit 64 Prozent nun erstmals fast auf das Niveau im Westen auf (68 Prozent).

Wie das Statistische Bundesamt meldet, zeigt sich bei der Zahl der erteilten Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahr bereits ein deutlicher Anstieg um gut 25 Prozent. Es wurden damit bereits fast zwei Drittel des Gesamtvolumens von 2010 erreicht. "Angesichts des wachsenden Interesses und zugleich äußerst günstiger Zinskonditionen könnten wir hier am Beginn eines längerfristigen stabilen Aufwärtstrends im Immobilienbereich stehen“, so Postbank-Vorstand Meyer.

Gold auf dem Vormarsch

Auf der Suche nach sicheren Anlageformen wenden sich immer mehr Berufstätige Gold zu. Inzwischen wollen mehr der Befragten zum Zwecke der Altersvorsorge in Goldmünzen oder -barren investieren (13 Prozent) als etwa in eine private Riester-Rente (12 Prozent). Spiegelbildlich ist dazu die Einschätzung, welche Anlageform als "besonders sicher" gesehen wird. Hier kommt Gold auf 39 Prozent und die private Riester-Rente auf nur 21 Prozent. „Unter jungen Berufstätigen wird Gold jetzt zudem als fast schon ebenso sichere Vorsorgeform bewertet wie die staatliche Rente“, erläutert Meyer. Der sogenannte Wohn-Riester für die Anschaffung eines Eigenheims erreicht gar nur sieben Prozent der Nennungen. Allerdings: Vier von zehn Berufstätigen hörten in der diesjährigen Postbank-Befragung "jetzt zum ersten Mal von Wohn-Riester". „Das Förderangebot des Wohn-Riesters ist kompliziert. Eine einfachere und schneller fühlbare Förderung könnte wie beim Ur-Produkt Riester-Rente hier deutlich höhere Nutzungszahlen bewirken“, glaubt Postbank-Vorstand Meyer.

Auch Betriebliche Altersvorsorge legt zu

Neben Sachwerten wie Immobilien oder Gold gibt es noch eine Vorsorgeform, die 2011 in allen Bereichen zulegen kann: Die Betriebliche Altersvorsorge (bAV). Als "ideale Form der Alterssicherung" wird sie aktuell von knapp jedem Zweiten angeführt. Glatt verdoppelt hat sich gegenüber dem Vorjahr auch die Zahl derer, die hierin jetzt vermehrt investieren wollen. Die Angebote zur bAV gehören nach Meinung von Meyer weiter ausgeweitet: „Vermehrte Beratung in den Unternehmen, aber auch eine breitere Palette von Angeboten sind hier erforderlich, die etwa auf unterschiedliche Einkommens- und Familiensituationen individueller eingehen."

Die Postbank-Studie "Altersvorsorge in Deutschland" ist 2011 zum neunten Mal in Folge seit 2003 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach erstellt worden. Das IfD Allensbach hat in der repräsentativen Umfrage in diesem Jahr 1.771 in Deutschland lebende Bürger ab 16 Jahren persönlich befragt.
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Foto: Henning Kaiser/ddp ID:6047
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