
Auch bei einem finanziellen Engpass sollte man die Finger von einer voreiligen Kündigung der Altersvorsorge lassen
Die Finanz- und Wirtschaftskrise wird zur Gefahr für die Altersvorsorge der Deutschen. Gut jeder sechste Berufstätige hat wegen der Krise bereits private Altersvorsorgeverträge aufgelöst oder die Zahlungen dafür reduziert. Das ist das alarmierende Ergebnis einer aktuelle Studie. Verbraucherschützer raten jedoch dringend von Kündigungen ab. Wer dringend vorübergehend Geld braucht, sollte überlegen, seine Lebensversicherung zu beleihen.
„Die Gefahr ist offensichtlich, dass aus der Finanz- und Wirtschaftskrise langfristig eine Krise der Altersvorsorge in Deutschland werden kann“, sagt Postbank-Privatkundenvorstand Michael Meyer. Das belegt eine aktuelle Allensbach-Studie im Auftrag der Bank. Danach haben 17,4 Prozent der Berufstätigen ihre private Altersvorsorge gekündigt oder gekürzt. Am stärksten betroffen sind laut Postbank private Rentenversicherungen mit 4,1 Prozent Nennungen, gefolgt von Aktienfonds und Zertifikaten (3,8 Prozent) sowie Kapitallebensversicherungen (3,5 Prozent).
Kündigung schlechteste Lösung
Experten warnen allerdings eindringlich davor, aus Geldmangel Altersvorsorgeverträge aufzulösen. „Die Kündigung einer Renten- oder Lebensversicherungspolice sollte immer der allerletzte Schritt sein, weil der Todesfallschutz verloren geht und in der Regel hohe Verluste entstehen“, sagt Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten (BdV).
Wie teuer die Liquidität bei einer Policen-Kündigung erkauft werden muss, belegen folgende Beispiele des BdV: Ein 30-jähriger Debeka-Kunde löste nach elf Jahren seine Kapitallebensversicherung auf. Von den eingezahlten Beiträgen in Höhe von 5.278,13 Euro bekam er 2029,09 Euro zurück. Verlust: 3249,04 Euro, also mehr als 60 Prozent.
Ein 46-jähriger Kunde der Allianz hatte insgesamt 30.493,40 Euro an Beiträgen in seine Altersvorsorge eingezahlt. Rückkaufswert nach 17 Jahren und fünf Monaten: 23.444,67 Euro – ein Minus von 7048,73 Euro oder 23 Prozent.