Wer sich um eine private Zusatzversorgung fürs Alter gekümmert hat, dürfte später vergleichsweise gut abgesichert sein. Die gesetzliche Rente alleine reicht hingegen für den Großteil der Bundesbürger bei weitem nicht aus, um ihren Lebensstandard im Alter zu halten.
Das ist das Ergebnis einer umfassenden Studie der Fondsgesellschaft Union Investment in Zusammenarbeit mit Prof. Bernd Raffelhüschen und dem Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg. Das Forscherteam erarbeitete erstmalig einen detaillierten 120 Karten umfassenden Vorsorgeatlas für ganz Deutschland. Ziel war es, darin den Vorsorgestatus der Deutschen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren möglichst vollständig abzubilden – und zwar auf Basis von 47 Regionen und unterteilt nach Geschlecht, Einkommen und Alter. Der interaktive Atlas steht im Internet unter
www.altersvorsorge.de zur Verfügung.
Aktuell kann gut die Hälfte der erwerbstätigen Deutschen, die neben der Basisvorsorge auch eine Zusatzversorgung zum Beispiel in Form einer Riester-Rente oder einer betrieblichen Altersvorsorge hat, im Alter auf etwa 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens kommen – und somit auf ein hinreichendes Niveau, um den Lebensstandard im Alter zu halten.
984 Euro Altersrente im Durchschnitt
Trotz dieses „grundsätzlich positiven Ausblicks“, so die Forscher, bestehe noch Handlungsbedarf. Vor allem Menschen, die sich auf die Basisvorsorge – etwa die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV), Beamtenpensionen oder Berufsständische Versorgungswerke – allein verlassen, hätten Nachholbedarf. Von ihnen schafft nur ein Viertel das Niveau von 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens im Alter. Die anderen bleiben unterversorgt. „Somit ist das Thema Zusatzversorgung für viele Menschen noch nicht vom Tisch“, so Bernd Raffelhüschen. Die Bürger in der GRV erhalten derzeit im Durchschnitt nur eine Altersrente von 984 Euro monatlich und können damit nur rund 43 Prozent des letzten Bruttoeinkommens ersetzen. Beamte stehen besser da: Sie dürften durchschnittlich mit einer Pension von 2.570 Euro oder 63 Prozent des letzten Bruttos rechnen.
Klares Ost-West-Gefälle
Vor allem Jüngere müssen sich um Zusatzvorsorge bemühen, da das Rentenniveau der GRV künftig weiter absinken wird. Besonders betroffen sind junge Menschen im Süden Deutschlands. In der Region Oberbayern etwa dürfen die heute unter 35-Jährigen gerade einmal mit 37 Prozent ihres letzten Bruttos aus der GRV rechnen, auch wenn sie wegen der guten Verdienstmöglichkeiten absolut gesehen die höchsten Rentenansprüche haben.
Insgesamt existiert in der GRV laut Studie ein klares Ost-West-Gefälle. Im Osten ist das Absicherungsniveau vergleichsweise höher als im Westen. Grund dafür sind vor allem die höheren Absicherungswerte bei älteren Jahrgängen; bei den jüngeren sind die Differenzen gering. Besonders in weiten Teilen Baden-Württembergs sowie in Oberbayern und Südhessen haben viele Bürger vergleichsweise wenig aus der GRV zu erwarten – verglichen mit ihrem letzten Verdienst.
Problemgruppe Besserverdiener
Entgegen gängigen Vermutungen haben nicht nur einkommensschwache Bundesbürger im Alter schnell ein Problem, sondern auch GRV-Versicherte mit einem hohen Einkommen. Sie erzielen im Alter im Schnitt nur eine Rente in Höhe von knapp 34 Prozent ihres letzten Bruttoverdienstes – damit wird es schwer, den gewohnten Lebensstandard zu halten. Die Schere zwischen Berufsleben und Alter öffnet sich damit besonders weit.
Laut Studie können die Erwerbstätigen gegensteuern, indem sie die Zusatzversorgung über die betriebliche Altersversorgung und die Riester-Rente stärker noch als bisher in Anspruch nehmen. Beide Wege werden zwar schon stark genutzt, doch es gibt starke regionale Unterschiede: „Gerade in den einkommens- und bevölkerungsstarken Regionen der ehemaligen Bundesrepublik hat die Riester-Rente noch keine hohe Durchdringung erzielt“, so die Forscher.