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Berufsunfähigkeit

Ein unterschätztes Risiko

11.09.2009 08:00
Von Horst Peter Wickel
Versicherung Berufsunfähigkeit Verbraucherportal biallo.de
„Ausgerechnet bei der wichtigsten Absicherung halten sich die Bundesbürger noch immer zurück“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Bis heute hat nur rund jeder sechste Bundesbürger eine Berufsunfähigkeits-Police abgeschlossen.
„Arbeit macht krank“ – der alte Sponti-Spruch findet jedes Jahr bei immer mehr Berufstätigen Bestätigung. Währen die Zahl der Unfälle und körperlichen Gebrechen zurückgeht, mussten in den vergangenen Jahren bereits rund 30 Prozent der Bürger, denen gesetzliche Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zugesprochen wurden, wegen seelischer Beeinträchtigungen ihren Job aufgeben. Das sind doppelt so viele wie vor zehn Jahren.

Nach diversen Rentenreformen gibt es nur noch die Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung. „Teilweise erwerbsgemindert ist, wer aus gesundheitlichen Gründen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt täglich mindestens drei, aber keine sechs Stunden tätig sein kann“, heißt es in den Bestimmungen der Rentenversicherung.
Drei Jahre Pflichtbeiträge, fünf Jahre Wartezeit

Aber einen geeigneten Arbeitsplatz stellen die Rentenversicherungsträger selbstverständlich nicht zur Verfügung. Vor allem junge Arbeitnehmer haben Pech, denn Rente wegen Erwerbsminderung gibt es nur für Berufstätige, die mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt und die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt haben.

Der Versicherungsombudsmann hält die Versicherung für „unverzichtbar“. Vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung müssen Interessenten allerdings eine Reihe von wichtigen Details beachten und prüfen. Berufssportler, Gesangssolisten oder Türsteher brauchen sich am wenigsten Gedanken machen. In der Assekuranz-Branche gelten nur Menschen in gefahrenreichen Jobs oder in Tätigkeiten, bei denen die Berufsunfähigkeit schwer überprüfbar ist, als nicht versicherbar. 
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Foto(s): Theo Heimann/ddp Alexander Heimann /ddp
Vier Berufsgruppen

Die sonstigen Berufe stufen die meisten Versicherer in vier Gruppen ein, bei denen das Prämienniveau erheblich schwankt. Banker, Apotheker, Architekten oder andere „Büroarbeiter“ finden sich zumeist in der Berufsgruppe 1 wieder. Berufstätige in diesen Jobs ohne besondere Gefährdungen zahlen bei der BU-Versicherung die geringsten Beiträge.

Schwer körperlich Arbeitende wie Straßenbauarbeiter, Schlosser oder Fleischzerleger werden nach Statistiken der Versicherer gut dreimal häufiger berufsunfähig als Finanzwirte oder Banker – sie müssen mit deutlich höheren Beiträgen rechnen.

Wichtig beim Vertragsabschluss sind richtige und ehrliche Antworten auf alle Gesundheitsfragen. Denn eine verschwiegene Krankheit oder ein unerwähntes Leiden können im Schadensfall dazu führen, dass die Versicherung jede Zahlung verweigert. Bei gesundheitlichen Problemen lohnt es sich in vielen Fällen, mehrere Angebote von Versicherungen einzuholen.
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Faustregel: 75 Prozent des Nettoeinkommens


Damit das Einkommen im Fall der Berufsunfähigkeit zum Leben reicht, sollte die vereinbarte Rentenhöhe rund 75 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens betragen. Gerade Versicherungsnehmer, die bereits in jungen Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, müssen deshalb darauf achten, dass der Vertrag nachträgliche Anhebungen der vereinbarten Rente zulässt - idealerweise ohne weitere Gesundheitsprüfungen.

Geeignete, gute Angebote für Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es in Deutschland reichlich. Bei der letzten Untersuchung von Stiftung Warentest Mitte 2008 wurden 16 der 59 untersuchten Tarife mit „sehr gut“ bewertet. Bianca Boss warnt: „Beim Anschluss sollten Versicherte nicht nur auf den Beitrag achten, sondern vor allem den Leistungskatalog genau prüfen.“

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