Der Gang zur Apotheke stimmt Kunden immer wieder stutzig: Das Medikament, das sie auf Rezept erhalten, steckt nicht in der gewohnten Verpackung. Noch dazu ist diese fremdsprachig bedruckt. Was viele nicht wissen: Sie halten ein Reimport-Medikament in der Hand, das eigentlich identisch mit dem bekannten Produkt ist, nur in einem anderen Mantel steckt und deshalb wesentlich günstiger ist.
Kunden müssen diese Medikamente akzeptieren, die Apotheken sind laut Gesetz dazu verpflichtet, sie abzugeben. Reimporte sind Medikamente, die in Deutschland produziert, ins Ausland exportiert und wieder eingeführt wurden. Das macht sie wesentlich preisgünstiger, da die Gesundheitssysteme im Ausland oft weniger für Medikamente bezahlen, was diese wiederum günstiger macht. Hinzu kommt, dass die Mehrwertsteuer in manchen Ländern geringer ist.
Diese Tatsache hat sich der Gesetzgeber zunutze gemacht: Apotheken müssen seit 2004 eine so genannten Importquote erfüllen, erklärt Jane Schröder, vom Dresdner Arzneimittelberatungsdienst der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD): Bis zu fünf Prozent ihres Umsatzes müssen sie mit Reimporten bestreiten. Denn die Kassen sparen daran Millionen. Nicht selten beträgt der Preisunterschied mehr als 70 Prozent. Ist ein Reimport-Medikament 15 Prozent oder mindestens 15 Euro günstiger als das deutsche Präparat, sind die Apotheken sogar verpflichtet, den günstigeren Reimport abzugeben.
Sparen bei der Rezeptgebühr
Der Patient hat dadurch keinerlei Nachteil, sagt Schröder: Die Packungsbeilage ist auf deutsch. Möglicherweise spart er sogar bei der Rezeptgebühr, weil diese sich zum Teil nach dem Preis des Medikamentes richtet. Die Inhaltsstoffe sind identisch. Anders ist das bei Medikamenten, die im Ausland produziert wurden. Da kann es durchaus sein, dass der Wirkstoff zwar derselbe ist, manche Hilfs- oder Farbstoffe aber abweichen. Das kann unter Umständen für Allergiker wichtig sein. Ein Blick auf die Packungsbeilage verrät, wo das Medikament hergestellt wurde. Diese Medikamente sind dann aber auch keine Reimporte.
Die niedrigeren Auslandspreise für Medizin kann sich der Patient selbst zunutze machen: Auch Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind, gibt es als Reimporte. Man sollte konkret in der Apotheke nachfragen. Aspirin beispielsweise gibt es aus Griechenland schon für wenige Cent.