Wie das Hamburgische Weltwirtschafts-Institut errechnete, hatten Ruheständler nach Abzug der Inflation im Jahr 2011 1,8 Prozent weniger Geld im Portemonnaie als ein Jahr zuvor. Zwar hatten sich die Rentenbezüge im vergangenen Jahr um 0,99 Prozent erhöht, die Inflationsrate lag aber nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 2,3 Prozent. Damit setzt sich die Talfahrt der Ruhestands-Einkommen fort. Seit 2004, so errechneten die Wissenschaftler, ist die Kaufkraft deutscher Senioren um 8,8 Prozent gesunken.
Tatsächlich dürfte der Kaufkraftverlust sogar noch höher liegen, so der Sozialexperte des HWWI, Jörg Hinze. „Gerade Waren des täglichen Bedarfs haben sich verteuert, zum Beispiel Lebensmittel und Energie“, so Hinze. Von diesen Preiserhöhungen seien Rentner besonders betroffen. Der Wissenschaftler regte einen speziellen Warenkorb für Rentner an, der speziell die Verteuerung der Lebenshaltungskosten erfasst. Denn von Preissenkungen wie etwa bei Computern würden Senioren in der Regel nur gering profitieren.
Vorzeitiger Rentenbeginn schmälert Ruhestandsgeld
Rentenabschläge entstehen auch durch vorzeitigen Renteneintritt. So gehen inzwischen 47,5 Prozent aller Erwerbstätigen früher in den Ruhestand als vorgesehen. Im Jahr 2000 lagen diese Zahlen noch bei 14,2 Prozent. Damit bezieht fast jeder zweite Neurentner eine Frührente. Die durchschnittliche Rentenminderung durch vorzeitigen Rentenbezug betrug 2010 immerhin 113 Euro. Hintergrund: Jeder Monat, den ein Arbeitnehmer vorzeitig in den Ruhestand eintritt, verursacht einen dauerhaften Rentenabschlag von 0,3 Prozent. Ulrike Mascher, Vorsitzende des Sozialverbandes VdK Deutschland, befürchtet, dass sich mit der langsamen Erhöhung des Renteneintrittsalter auf 67 Jahre die Situation noch verschärfen wird: „Die Gefahr von Altersarmut dürfte wachsen.“ Die Diskussion um die Stabilität des Euro schürt zusätzlich Vorsorgeängste bei den Deutschen. Nicht wenige fürchten um ihre Ersparnisse. „Die Mehrheit der Deutschen geht davon aus, dass Deutschland anderen EU-Ländern künftig weitere Finanzhilfen zur Verfügung stellen muss, außerdem befürchten viele hohe Inflationsraten in der Euro-Zone“, sagt Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutsches Institut für Altersvorsorge. Zur individuellen Absicherung wollen daher dreimal mehr Befragte als früher ihre Raten für die private Altersvorsorge aufstocken. Welche Vorsorge eignet sich für wen?