Das bisherige Warnsystem deutscher Versicherer stand seit Jahren in der Kritik. Jahr für Jahr werden die Daten von rund zwei Millionen Versicherten im Hinweis- und Informationssystem der Branche gesammelt, davon allein eine Million Kfz-Versicherungen, 750.000 Lebensversicherungen und 36.000 Rechtsschutzversicherungen.
Das neue Online-System, das von der eigens dafür gegründeten Firma „Informa Insurance Risk and Fraud Prevention“ betrieben wird, soll ab 1. April den Zugang für Versicherte vereinfachen.
Wichtigste Neuerung: Jeder Verbraucher, der in die Datenbank aufgenommen wird, soll automatisch informiert werden. Per Post kann eine kostenlose Selbstauskunft angefordert werden. Wenn sich die Daten als falsch erweisen, werden sie sofort gelöscht. Im vergangenen Jahr wollten nur rund 4.000 Versicherte wissen, welche „auffälligen“ Versicherungsdaten von ihnen gespeichert werden. Noch im Jahr zuvor waren knapp 9.000 Anfragen beim Hinweis- und Informationssystem eingegangen.
Bund der Versicherten spricht von „schwarzer Liste“
Verbraucherschützer bleiben auch bei dem neuen Onlinesystem allerdings skeptisch. „Das HIS ist weiter eine schwarze Liste“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Nach seiner Einschätzung haben die Versicherer den Anforderungen der Datenschützer zwar Rechnung getragen, aber es befänden sich weiterhin nicht nur Versicherungsbetrüger in der Liste, sondern auch „unbequeme“ Kunden, die zu viele Schäden melden oder viele gleiche Policen mit hohen Versicherungssummen abschließen.
Hintergrund für das Warnsystem: Für die Assekuranz ist Versicherungsbetrug ein erhebliches Problem. Durch fehlerhafte, unwahre, unvollständige oder in betrügerischer Absicht gemachte Angaben entsteht jedes Jahr ein Schaden von rund vier Milliarden Euro. Schätzungen des GDV zufolge steckt hinter jeder zehnten Schadensmeldung ein Betrug, vor allem bei Kfz-Haftpflicht und Hausratversicherungen.
Künftig sollen auch Kunden, die drei Schäden in 24 Monaten ihrer Sachversicherung melden, in die Warnliste aufgenommen werden. In die Datei geraten auch Versicherte, die eine Lebensversicherung über mehr als 100.000 Euro oder eine Berufsunfähigkeitspolice mit einer Rente von mehr als 9.000 Euro pro Jahr abgeschlossen haben. Erfasst werden dazu Kunden von Rechtsschutzversicherungen, die viermal pro Jahr ihre Versicherung in Anspruch genommen haben, oder Versicherte, die für ihr Auto einen Totalschaden gemeldet haben oder deren Kfz-Schaden über ein Gutachten abgerechnet wurde. Die Daten werden fünf Jahre lang gespeichert.
Eine Anfrage bei der Online-Datei kostet die Versicherer zwischen vier und 15 Cent, je nach Anzahl der Fragen. Kleine Versicherer zahlen eine jährliche Pauschale von 1.800 Euro. Andere Branchen haben keinen Zugang, auch private Krankenversicherer sind an dem System nicht beteiligt.