Attacke der Robo-Advisors

Anlageberatung Attacke der Robo-Advisors

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
07.11.2016
Auf einen Blick
Sichere Geldanlage, satte Renditen: Das versprechen sogenannte Robo-Advisors. So funktionieren die digitalen Helfer.
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Die Maschinen sind unschlagbar – unschlagbar billig. Wer sein Geld beim Bank- oder Honorarberater anlegen will, muss ein Vielfaches an Gebühren zahlen. Kein Wunder, dass die Robo-Advisors gefragt sind. Ein weiterer Grund für den Zulauf: Sie versprechen auch noch eine bessere Performance und mehr Rendite.

Kostengünstige Alternative

Ein Robo-Advisor - zu deutsch Roboter-Berater - ist vereinfacht gesagt ein Computerprogramm, das nach einem bestimmten Algorithmus Anlageentscheidungen trifft. Ein Vorteil, der sicher für die Robo-Advisors spricht, ist ihre transparente und günstige Kostenstruktur. Während sich die Verwaltungsgebühren bei aktiv gemanagten Fonds auf bis zu drei Prozent belaufen, liegen die Kosten bei der automatisierten Geldanlage in der Regel unter einem Prozent pro Jahr. Außerdem gibt es keine versteckten Gebühren, Ausgabeaufschläge oder sonstige Provisionen. Der Anbieter Vaamo zum Beispiel verlangt bis zu einem Anlagevolumen von 30.000 Euro eine Servicepauschale von 0,99 Prozent jährlich. Bei mehr als 50.000 Euro werden nur noch 0,49 Prozent fällig. Bei Scalable gibt es eine All-in-Gebühr von 0,75 Prozent. Vermögensverwaltung, Konto- und Depotführung mit eingeschlossen. Bei allen Anbietern schlagen zusätzlich noch Fondskosten mit durchschnittlich 0,3 Prozent zu Buche.

Auch für Kleinsparer geeignet

Die meisten Robo-Advisors können Sie schon bei geringen Anlagevolumina nutzen. So verlangen Easyfolio und Growney keine Mindestanlage. Bei Vaamo beläuft sich das geforderte Mindestanlagevolumen auf lediglich 10 Euro. Cashboard veranschlagt 100 Euro, Visualvest 1.000 Euro. Bei Fintego, Ginmon, Quirion, Scalable, Sutor Bank und Whitebox liegt die Minimal-Anlage zwischen 2.500 Euro und 10.000 Euro. Das Berliner Start-up Liquid ist eher etwas für gut Betuchte. Hier können Anleger erst ab 100.000 Euro einsteigen.

Ausgeklügelte Anlagestrategien

Üblicherweise verfolgen die Roboter-Berater einen passiven Investmentansatz. Heißt, sie setzen auf börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds). Ein ETF bildet den zugrunde liegenden Index eins zu eins ab. Vorteil: Der Anleger muss nicht alle Einzelaktien kaufen, sondern kann an der Entwicklung eines Index optimal partizipieren.
Das Prozedere der Roboter-Berater ist einfach: Der Kunde legt zunächst einen Anlagebetrag fest. Dann kann er auf der Online-Plattform einen Fragebogen ausfüllen. Dabei wird der Anleger unter anderem nach seiner Risikoneigung, seinem Alter, seinen Zielrenditen und finanziellen Verhältnissen gefragt. Aus den Daten ermittelt der Computer dann nach einem bestimmten Algorithmus das Anlageprofil und schlägt die Investmentprodukte vor. Neben Aktien werden auch andere Assetklassen wie Anleihen und zum Teil Rohstoffe berücksichtigt.

Der Anleger kann das vorgeschlagene Portfolio dann per Mausklick kaufen. Der jeweiligen Risikoneigung entsprechend mit geringem, mittlerem oder hohem Risiko. Der Anbieter Easyfolio zum Beispiel stellt drei einzelne Strategien zur Verfügung. So kommen bei der defensiven Variante 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen zum Einsatz. Bei mittlerem Risiko ist das Verhältnis Aktien zu Anleihen ausgewogen. Bei der offensiven Variante liegt die Gewichtung bei 70 Prozent Aktien und lediglich 30 Prozent Anleihen. Je nach Wertentwicklung muss natürlich die ursprüngliche Zielallokation mit der Zeit wiederhergestellt werden. Mit dem sogenannten Rebalancing wird das Portfolio in der Regel quartalsweise automatisch angepasst. Einige Anbieter wie Whitebox oder Scalable verfolgen eine aktive Strategie. Dabei lässt ein ausgeklügelter Algorithmus auch die jeweilige Marktsituation in die Berechnung mit einfließen und passt die Portfolios flexibel an.

Mehr Rendite durch Maschinen?

Das Renditeversprechen der Roboter-Berater bewegt sich zwischen vier bis sechs Prozent pro Jahr. Zwar sind Prognosen kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Allerdings liefert die Realität genügend Beispiele, dass passive Indexfonds in den vergangenen Jahren oft besser abschnitten als aktiv gemanagte Fonds. Laut einer Studie von Standard & Poor’s verfehlten 86 Prozent von 25.000 untersuchten aktiven Fonds über einen Zeitraum von zehn Jahren ihre Benchmark, bei US-Aktienfonds lag die Fehlerquote sogar bei 99 Prozent.

Ginmon-Gründer & CEO Lars Reiner gibt außerdem zu bedenken, dass private Investoren meist deutlich gegenüber dem Markt verlieren. So habe der durchschnittliche Anleger in den vergangenen 20 Jahren rund 2,5 Prozent Rendite jährlich erzielt. Ein global gestreutes Aktienportfolio schaffte im gleichen Zeitraum 6,8 Prozent jährlich. „Der Unterschied von etwa vier Prozentpunkten pro Jahr ist bedeutsam, denn man darf die Zinseszinseffekte nicht außer Acht lassen“, erklärt Reiner. Der Hauptgrund für das schlechtere Abschneiden des Menschen sei, dass dieser seine Emotionen nicht vollständig ausblenden könne. Hier hätten die Roboter-Berater den entscheidenden Vorteil, so Reiner weiter. Denn die Maschinen treffen ihre Investmententscheidung völlig emotionslos.

Immer mehr Banken setzen auf Robo-Advisors

Das Thema Fintech ist en vogue. Die Finanz-Start-ups sprießen in Deutschland aus dem Boden. Eine zündende Geschäftsidee der neuen Finanzdienstleister ist die automatisierte Geldanlage. In Deutschland gibt es derzeit rund 40 Robo-Advisors. Viele Start-ups arbeiten bereits mit großen Banken zusammen, wo der Kunde dann sein Depot führt. Aber auch die Banken selbst setzen immer häufiger eigene Roboter-Berater ein. So ließ sich die Santander Bank jüngst ein Computerprogramm von Vaamo erstellen. Die Deutsche Bank setzte bei ihrem Robo-Advisor auf die Expertise des Fintech-Unternehmens Fincite. Und die ING-Diba kooperiert mit dem Anbieter Easyfolio.

Auch Comdirect, DAB Bank und Targobank haben eigene Roboter-Berater. Allerdings bieten die Banken selbst keine Komplettlösungen für die Geldanlage wie die Start-ups an. Die hauseigene Beratungssoftware schlägt die Produkte nur vor. Die Entscheidung über Kauf oder Verkauf eines Produkts trifft der Kunde selbst.

Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Viele Fintechs sind noch sehr jung am Markt und können keine Belege für eine erfolgreiche Performance über Jahre hinweg vorweisen. Ob das Renditeversprechen wirklich eingehalten wird und die hauseigenen Algorithmen auch in stark schwankenden oder fallenden Märkten funktionieren, ist fraglich.

Zudem besitzen nur wenige Anbieter (Fintego, Liquid, Quirion, Scalable, Sutor Bank und Whitebox) eine BaFin-Lizenz. Die anderen Robo-Advisors treten nur als Anlagenvermittler auf, sind also weniger reguliert und frei von jeder Haftung. Das Fehlen einer individuellen persönlichen Beratung birgt ebenfalls Risiken. „Bei Angeboten, die es Anlegern ermöglichen, angeblich besonders erfolgreiche Tradingstrategien zu kopieren, sollten Interessierte vorsichtig sein“, warnt Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Vorteile der Robo-Advisors seien laut Nauhauser aber nicht von der Hand zu weisen. So könne der Anleger seine Vermögensverwaltung weitestgehend selbst gestalten und damit im Vergleich zur klassischen Anlageberatung deutlich Kosten sparen.

Biallo-Tipp

Die Redaktion von biallo.de hat verschiedene Robo-Advisors unter die Lupe genommen. Dabei haben wir einen Anlagebetrag von 10.000 Euro und eine Strategie mit mittlerem Risiko zum Vergleich herangezogen. Bei den digitalen Vermögensverwaltern mit BaFin-Lizenz gefällt uns Quirion, der Robo-Advisor der Quirin Bank, am besten. Die Berliner überzeugen mit einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis und einem gutem Service- und Beratungsangebot. Mit einer jährlichen Gebühr von 0,48 Prozent vom Anlagevolumen zählt Quirion zu den günstigsten Anbietern in der Branche. Hinzu kommen Fondskosten von 0,3 Prozent (defensivstes Depot) bis 0,5 Prozent (offensivstes Depot). Ein Sparplan ist ab 100 Euro möglich. Laut Echtgeld-Test von Brokervergleich.de liegt die rollierende 12-Monats-Performance  - also die periodenartig dargestellte Wertentwicklung - im Zeitraum 01.10.2015 bis 30.09.2016 bei 6,9 Prozent.

Unter den Anlagevermittlern sticht der Anbieter Easyfolio hervor. Die Kosten belaufen sich auf ca. 0,96 Prozent pro Jahr (0,66 Prozent Gebühr plus ETF-Kosten von ca. 0,30 Prozent). Zur Auswahl stehen drei Anlagestrategien in Form von ETF-Dachfonds. Einen Sparplan gibt es bereits ab 10 Euro. Nachteil: Um Easyfolio nutzen zu können, brauchen Anleger zusätzlich ein Wertpapierdepot. Entweder bei einem bestehenden Broker oder bei der angeschlossenen Partnerbank Ebase. Hier liegen die Depotführungsgebühren je nach Positionen bei 12-36 Euro pro Jahr. Außerdem entzieht sich Easyfolio als reiner Anlagevermittler jeglicher Haftung. Die rollierende 12-Monats-Performance beträgt laut Brokervergleich.de 7,8 Prozent.

Fazit: Wer seine Geldanlage nicht vollkommen selbst gestalten will oder kann, für den sind die Robo-Advisors eine geeignete Alternative. Am kostengünstigsten ist es allerdings, wenn Sie sich selbst einen ausgewogenen Mix zusammenstellen - zum Beispiel aus sicheren Festgeldanlagen und einem ETF, der einen breit gestreuten Index wie den MSCI World abbildet. Der Weltaktienindex MSCI World spiegelt die Entwicklung von 1.600 Aktien aus 23 Industrienationen wider. Allerdings sollten Sie dabei berücksichtigen, dass ein Investment in ETFs immer mit einem Risiko verbunden ist. Zudem befinden sich die internationalen Aktienmärkte derzeit in einer heißen Phase. Größere Rücksetzer sind kurz- bis mittelfristig nicht ausgeschlossen, was dann aber exzellente Einstiegschancen bedeuten würde.

 

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
100,00
1,00%
2.
90,00
0,90%
3.
85,00
0,85%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate
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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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