Brexit erschüttert Europa Armageddon für Sparer und Aktionäre?

Brexit erschüttert Europa Armageddon für Sparer und Aktionäre?

Max Geißler
von Max Geißler
24.06.2016
Auf einen Blick

Woran kaum ein Kontinentaleuropäer geglaubt hat, ist Realität: Die Briten stimmen mit knapper Mehrheit für einen Austritt aus der EU. Muss man Angst um sein Erspartes haben?

Artikelbewertung
Schrift

Schlimmer hätte es für die Finanzmärkte kaum kommen können. Nachdem es die letzten Tage nach einem Vorsprung der EU-Befürworter aussah, funkten die Kapitalmärkte Entwarnung und die Aktienkurse wagten sich aus der Deckung.

Das unerwartete "No" der Briten zu Europa versetzt den Börsen nun einen Nackenschlag und schickt die Aktien in den tiefroten Bereich. Der Dax lag zu Handelsbeginn rund zehn Prozent im Minus, einige Banktitel schmierten mehr als 15 Prozent ab. Das britische Pfund fiel auf den niedrigsten Stand seit 1985.

Stolpert Europa über den Brexit?

Droht der Untergang Europas – wie es zahlreiche Kommentatoren vorhersagen? Obwohl die Entwicklung schwer absehbar ist, wohl eher nicht. Zwar büßt die EU knapp 20 Prozent ihrer Wirtschaftskraft, 30 Prozent ihrer Marktkapitalisierung und ihren drittgrößten Nettozahler ein, doch der Verlust scheint verkraftbar. Zum einen weil sich die Verhandlungen über den britischen Austritt aus der EU über Jahre hinziehen und mit vielen Kompromissen enden werden.

Zum anderen kocht Großbritannien sowieso seit Jahren Extrawürste, genießt zahllose Sonderregelungen und ist kein Mitglied im Euro. Gleichzeitig verfügt die EU über wirtschaftlich wie politisch starke Kern-Nationen, die jetzt noch enger zusammenrücken werden. Allerdings müssen die Kernländer Reformen zügig anpacken, um das europäische Projekt zu retten und zukunftsfähig zu machen.

Was bedeutet der Brexit für Aktionäre und Fondssparer?

Anleger sollten die Folgen des Brexit nicht unterschätzen. Anleihe-Experte David Zahn von der Investmentgesellschaft Franklin Templeton Investements geht davon aus, dass "die Volatilität an den Finanzmärkten deutlich zunehmen wird und mit ihr die Risikoaversion der Anleger."

Weil Anleger Aktien und Unternehmensanleihen nun als "riskant" einschätzen, dürften sich diese Papiere in Zukunft schwächer entwickeln. "Meiner Meinung nach wird es eine Flucht in Qualität geben, also in Anlagen, die als weniger riskant wahrgenommen werden, zum Beispiel britische und deutsche Staatsanleihen", prophezeit Zahn.

Der Chefvolkswirt der ING-Diba, Carsten Brzeski, geht ebenfalls von Verwerfungen an den Kapitalmärkten aus. Seiner Ansicht nach "sollten die Turbulenzen aber nicht allzu lange anhalten". Das wichtigste Gebot für Anleger sei jetzt "Ruhe zu bewahren" und keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Der Brexit-Prozess werde allerdings "lange Jahre der Unsicherheit und Volatilität mit sich bringen".

Finanzexperte Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern sieht vor allem britische Aktien kritisch und "solche Unternehmen, die viele Im- und Exportgeschäfte mit Großbritannien betreiben". Anleger sollten nicht spekulieren, sondern langfristig denken. "Um Risiken zu minimieren, bieten sich Fonds oder kostengünstige Indexfonds an, sogenannte ETFs", so Larisch.

Constanze Hintze von der Frauen-Finanzberatung Svea Kuschel setzt weiterhin auf Aktien, vor allem "auf erstklassige dividendenstarke amerikanische und europäische Unternehmen". "Aktien sind die rentabelste Anlageklasse, trotz hoher Volatilität. Langfristig orientierte Anleger sollten überlegen, die aktuellen Kursrückschläge für Zukäufe zu nutzen", so ihr Credo.

Zwingt der Brexit verzinste Geldanlagen und Baukredite in die Knie?

Fast einhellig gehen Finanzexperten davon aus, dass die EZB ihre lockere Geldpolitik weiter fortsetzen wird. Das bedeutet, dass die Zinsen vorerst sehr niedrig bleiben werden. "Große Veränderungen sind nicht zu erwarten, da Großbritannien nicht den Euro hat", sagt Larisch. "Deutsche Sparer sind nicht direkt betroffen", findet auch Diba-Chef Brzeski.

Es sei aber nicht auszuschließen, dass "sich durch den Brexit die Unsicherheit an den Märkten und in der Konjunktur festsetzt und die EZB dadurch gezwungen wird, den Euro-Leitzins länger als beabsichtigt niedrig zu halten". Im schlimmsten Falle könnte der Leitzins sogar noch weiter sinken. Für Sparer wäre dieses Szenario ein Albtraum, denn die Zinsen und Renditen für Tagesgeld, Festgeld und Sparpläne würden weiter sinken. Immobilienkäufer könnten hingegen jubeln, denn Baugeld würde noch billiger.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
100,00
1,00%
2.
90,00
0,90%
3.
85,00
0,85%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate
Ihre Meinung ist uns wichtig
Max Geißler
Max Geißler
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Drucken
Zur Startseite
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein: