Fan-Anleihe Mehr als fünf Prozent für Fußball-Fans

Fan-Anleihe Mehr als fünf Prozent für Fußball-Fans

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
26.08.2016
Auf einen Blick

Fußballfreunde können an der Bundesliga mitverdienen. Bei der aktuellen Schalke-Anleihe winken stolze fünf Prozent pro Jahr. Ist das sinnvoll?

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Ein Fußball-Fan macht ja allerhand mit – Fragen Sie mal in Gelsenkirchen oder Köln nach. Immer wieder stand Schalke 04 knapp davor, deutscher Meister zu werden. Aber auch die Anhänger vom 1. FC Köln hatten es nicht immer leicht mit ihrem Club. Wer allerdings sein Geld einem der beiden Vereine anvertraut hat, hat dagegen gut lachen – zumindest bisher. Denn auf ihre Einlage bekommen sie jährlich rund fünf Prozent. Fußball und hohe Zinsen? Das klingt wie eine perfekte Allianz, oder?

Die Erfahrungen des 1. FC Köln mit der Fan-Anleihe seien extrem positiv gewesen, das angestrebte Ziel sei sogar übertroffen worden. Nach Vereinsangaben speist sich das Gros des Kapitals von Fans. „Die meisten Zeichner erwarten neben der emotionalen Rendite auch eine finanzielle. Und die zahlen wir auch“, erklärt Tobias Kaufmann, Pressesprecher vom 1. FC Köln. Und auch wer bei der Erstplatzierung der Schalke-Anleihe dabei war, konnte bis dato jedes Jahr 5,5 Prozent einfahren. Wer bei der zweiten Tranche dabei war, winken sogar 6,75 Prozent. Jüngst legt die Knappen nochmal nach. Im Angebot waren: Eine fünfjährige Anleihe zu 4,25 Prozent und eine siebenjährige, die eine jährliche Zahlung von 5,00 Prozent verspricht.

Warum zahlen Fußballvereine so hohe Zinsen auf ihre Anleihe?

Die Antwort ist klar: Weil sie bei Banken in aller Regel keinen Kredit bekommen würden oder noch wesentlich höhere Zinsen in Kauf nehmen müssten. Kritisch sieht Henning Vöpel, Volkswirtschaftsprofessor an der Hamburg School of Business Administration, vor allem zwei Aspekte. Zum einen seien die Vereine meist zu wenig gewinnorientiert und eher auf den sportlichen Erfolg konzentriert, zum anderen spielt der Zufall eine große Rolle. Jeder Fußballzuschauer kennt das: Ein Spieler wird für sündhaft teures Geld verpflichtet und erweist sich dann als Flop. Schnell kann auch ein nichtgegebener Elfmeter oder eine kritische Abseitsentscheidung die Zukunft eines Vereins entscheidend beeinflussen. Der Erfolg eines normalen Unternehmens ist damit meist besser planbar.

Anleihe - Negativbeispiel: Alemannia Aachen

Der Traditionsverein aus Aachen hatte 2008, als der Club die „Tivoli-Anleihe“ ausgegeben hatte, noch bessere Zeiten gesehen – zumindest auf dem Rasen. Dann folgte der sportliche Abstieg in die dritte Liga. Heute ist der ehemalige Bundesligist insolvent. Wer eine Anleihe besitzt, sollte nicht mehr allzu viel erwarten. Auch bei Arminia Bielefeld wurde der sportliche Abstieg fast zum finanziellen Verhängnis. Die Ostwestfalen hatten dabei noch Glück, dass einige Fans auf ihr Geld aus der Anleihe verzichtet hatten.

„Steine statt Beine“

„Der Hamburger SV versprach, das Anleihe-Kapital in die Nachwuchsarbeit zu stecken. Stattdessen floss das Kapital in die aktuelle Profimannschaft, die fast aus der Bundesliga abgestiegen wäre“, bemängelt Vöpel. Sein Credo lautet: „Steine statt Beine“. Wer mit einer Fan-Anleihe liebäugelt, sollte nach Möglichkeit darauf achten, dass der Club das frische Kapital in die Infrastruktur investiert, das sei erheblich risikoärmer. Eine Garantie, wofür der Verein das Geld tatsächlich verwenden wird, gibt es nicht. Das macht das Beispiel des HSV deutlich.

Die emotionale Rendite der Fan-Anleihe

„Wer beim Thema Fußball emotionslos ist, braucht diese Anleihen nicht“, resümiert Henning Vöpel. Vielen Fans ist es einfach nur eine Herzensangelegenheit, ihrem Verein finanziell zur Seite zu stehen. Auch die eingerahmten Schmuckurkunden betrachten viele als Fan-Artikel, der das heimische Wohnzimmer ziert. „Aber ich will das gar nicht negativ bewerten. Fans erhalten eben dafür eine emotionale Rendite, fühlen sich damit als Teil des Vereins“, sagt der Experte. Bleiben die Tore aus, ist möglicherweise auch das Geld der Anleger verloren. Wer sich diesen Risiken nicht aussetzen möchte, fährt mit Festgeld deutlich besser. Anleger, die sich etwas mehr Würze für ihr Depot wünschen, setzen dagegen auf solide Anleihe-Fonds. Noch risikofreudigere Anleger können sich auch auf Aktienfonds konzentrieren. Laut dem Deutschen Fondsverband BVI kletterten Aktienfonds hierzulande in den vergangenen zwanzig Jahren jährlich im Durchschnitt um 6,8 Prozent.

Horst Biallo: Geschäftsführer von Biallo & Team, überzeugter Schalker und Inhaber der Fan-Anleihe

Deutsche Fan-Anleihen

VereinLiga
1. FC Köln1. Bundesliga
FC Schalke 041. Bundesliga
Hamburger SV1. Bundesliga
Hertha BSC Berlin1. Bundesliga
1. FC Nürnberg2. Bundesliga
TSV 1860 München2. Bundesliga
FC Sankt Pauli 2. Bundesliga
1. FC Kaiserslautern2. Bundesliga
Arminia Bielefeld2. Bundesliga
MSV Duisburg3. Liga
Hansa Rostock3. Liga
Alemannia Aachen (insolvent)Regionalliga West

Quelle: Biallo.de

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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