Emerging Markets Geldanlage in Schwellenländern wieder attraktiv

Emerging Markets Geldanlage in Schwellenländern wieder attraktiv

Horst-Peter Wickel
von Horst-Peter Wickel
25.09.2016
Auf einen Blick

Unternehmen aus den Emerging Markets waren bei Investoren in Ungnade gefallen. Aber der Negativtrend hat sich umgekehrt.

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Die Einschränkung gleich zu Beginn: Als Sparer und Anleger, der aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase nach attraktiven, sicheren Investitionsmöglichkeiten sucht, sollen Sie sicher nicht aufgefordert werden, ihre gesamten Ersparnisse in Asien, Südamerika oder Afrika anzulegen. Zu Recht warnen Verbraucherschützer vor „Risiken und Unsicherheiten“ sowie politischer und wirtschaftlicher Instabilität, nach ihren Erfahrungen müssen Anleger viel Geduld und Aufmerksamkeit mitbringen. „In den Emerging Markets zu investieren empfiehlt sich daher nur für ‚risikofreudige‘ Anleger mit guten Nerven“, meint Stiftung Warentest.

Noch vor 15 Jahren Favoriten

Noch vor rund 15 Jahren, also zur Jahrtausendwende, galten Schwellenländer als Wachstumswunder, die aufstrebenden Nationen in China, Indien oder Brasilien sorgten auch in den Industrieländern mit ihrer Nachfrage nach Maschinen, Chemikalien und Autos für einen Boom. Viele Finanzexperten und internationale Fondsgesellschaften sprachen von einer „Globalisierungseuphorie“ und einer Wachstumsstory, die sich Anleger nicht entgehen lassen sollten.

Doch nach der Weltwirtschaftskrise 2008 brach der internationale Handel ein, das Wachstumsmodell vieler Schwellenländer, gestützt auf billige Arbeitskräfte und niedrige Wechselkurse, geriet ins Wanken. Vor allem die sinkenden Rohstoffpreise brachten die Länder, die vom Export von Öl leben, in die Bredouille. Auch die Aktienkurse der Unternehmen gaben in den vergangenen Jahren kräftig nach.

Emerging Markets wieder attraktiv

Aber inzwischen haben sich Konjunktur- und Kurswind wieder gedreht. Und es gibt wieder einige Fundamentaldaten, die das Comeback der Emerging Markets stützen. Zum einen weisen Finanzexperten auf das sehr moderate Zinserhöhungstempo der US-Notenbank hin, das der Abkehr von Niedrigzinsen viel von seinem Schreckenspotenzial genommen hat.

Dass die Zinsen in den USA nur in Minischritten angehoben werden, stärkt die Nachfrage nach Schwellenländer-Anlagen mit höheren Erträgen. Auch die Rohstoffpreise haben sich etwas erholt, den Nationen mit reichen Bodenschätzen werden wieder höhere Einnahmen beschert. Und viele Konjunkturindikatoren in den Emerging Markets (Einkaufsmanagerindex, Exportdaten und Industrieproduktion) deuten auf eine Erholung des Wirtschaftswachstums hin.

Während die Nachricht vom Brexit-Votum Ende Juni hierzulande für Kurseinbrüche sorgte, ging sie an vielen Schwellenländer-Börsen nahezu spurlos vorbei. Selbst Negativmeldungen wie zum Beispiel der Putschversuch in der Türkei oder die Abwertung des chinesischen Renminbi blieben ohne Folgen. Dass sich die Börsenentwicklung in den Emerging Markets zumindest im globalen Durchschnitt von dem allgemeinen Abwärtstrend der Börsen abkoppelte, zeigt der globale Schwellenländer-Aktienindex MSCI Emerging Markets an. Zwischen Anfang Januar und Ende Juli lag das Wachstum bei diesem Börsenbarometer knapp dreimal höher als beim MSCI-Pendant für die Industriestaaten.

Lesen Sie hier: Welchen Einfluss hat der Brexit auf deutsche Sparer?

Vor allem interessant für Sie: durch die Kursrückgänge der letzten Jahre sind die Aktien aus Emerging Markets wieder sehr preiswert geworden. Mit ihrem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) lockten die Märkte internationale Investoren an. Die günstigen Bewertungen, teilweise attraktive Dividendenrenditen und die Aussicht auf niedrige Zinsen brachten viele Geldgeber zum Wieder-Einstieg.

Große Chancen in Indien, Indonesien oder Vietnam

Marktexperten schwärmen von einigen neuen Favoriten. Dazu gehört beispielsweise Indien. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird das Land in diesem Jahr die am schnellsten wachsende Marktwirtschaft sein, das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem wie im kommenden Jahr um 7,5 Prozent steigen. Vor allem strukturelle Faktoren wie eine kräftig zunehmende Inlandsnachfrage, ein stark wachsender Arbeitsmarkt und sehr viele, junge Arbeitskräfte treiben das Wachstum an.

Zu einem neuen Wachstumsstar ist Indonesien geworden. Der IWF rechnet für das Land in diesem und im kommenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent, der Aktienmarkt (MSCI Indonesia) ist seit Anfang des Jahres bereits um knapp 27 Prozent gestiegen. Politisch wurden in Indonesien zahlreiche Reformen auf den Weg gebracht, die für weiteren Aufschwung sorgen sollen. Kräftig wachsen soll, so der IWF, auch die Wirtschaft in Vietnam. Direktinvestitionen aus dem Ausland, vor allem aus China, Korea und Japan, sollen die Wirtschaft wachsen lassen.

Unsicherheit bleibt

Die konkrete Entscheidung für ein Schwellenländer-Investment ist für Anleger aufgrund der vielen politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und der großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern nicht einfach. So können alle günstigen Faktoren sich jederzeit umkehren. Ohnehin gehören Aktien aus Schwellenländern zu den mit höheren Risiken behafteten und zu größeren Schwankungen neigenden Anlageklassen.

Biallo-Finanztipp:

 Wie sich die Emerging-Markets-Fonds entwickelt haben, zeigt Ihnen unsere aktuelle Übersicht.

 

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
100,00
1,00%
3.
85,00
0,85%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate
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