Minusrenditen bei 10-jährigen Staatsanleihen Was bedeutet das für Anleger?

Minusrenditen bei Staatsanleihen Was bedeutet das für Anleger?

Max Geißler
von Max Geißler
07.07.2016
Auf einen Blick

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik sind zehnjährige Staatsanleihen ins Minus gerutscht. Welche Auswirkungen hat das für Sparer?

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Der Aufschrei hätte kaum größer sein können: Das wichtigste Finanzierungsinstrument für institutionelle Anleger, die zehnjährige Bundesanleihe, wirft keine Zinsen mehr ab. Im Gegenteil: Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, die solche Papiere kaufen, müssen sogar noch Geld an den Staat zahlen. Warum machen sie das?

Was macht Staatsanleihen so bedeutend?

Staatsanleihen sind eine der wichtigsten Säulen im Finanzierungsgeflecht von Staaten, Banken und Versicherungen. Die zehnjährige Bundesanleihe dient als Hauptinstrument zur Finanzierung des Schuldenbergs der Bundesrepublik Deutschland. Knapp die Hälfte der deutschen Staatsschulden basiert auf diesen Anleihen. Institutionelle Anleger kaufen Staatsanleihen, weil "der deutsche Staat über jeden Zweifel erhaben ist", so der Analyst Michael Schulz von der NordLB. Die Wirtschaft ist robust, die Arbeitslosigkeit niedrig und die Staatsfinanzen vergleichsweise gesund.

Alle großen Ratingagenturen bewerten die Bonität Deutschlands deshalb mit der Bestnote AAA. Die geringe Ausfallwahrscheinlichkeit einer deutschen Anleihe sorgt weltweit für absolutes Vertrauen. Anders gesagt: Kauft jemand 2016 eine zehnjährige Bundesanleihe, kann er sicher sein, dass er sein Geld 2026 auch wieder sieht. Bei vielen Staats- und Unternehmensanleihen ist das nicht der Fall.

Zehnjährige Staatsanleihen sind praktisch jederzeit handelbar. Für Banken ist dies besonders wichtig, denn die Geldhäuser halten als Reserve für schlechte Zeiten eine Vielzahl von Bundesanleihen in ihren Portfolios. Bei finanziellen Engpässen müssen sie die Papiere über die Börse schnell zu Geld machen können. Die große Zahl der am Markt gehandelten Staatsanleihen gewährleistet dies. Allein die in Umlauf befindlichen zehnjährigen Bundesanleihen besitzen einen Wert von fast 500 Milliarden Euro. An einem durchschnittlichen Börsentag werden Bundeswertpapiere für rund 20 Milliarden Euro gehandelt.

Welche Folgen hat die Minus-Rendite für Anleger?

Am gravierendsten wirken sich unverzinste Anleihen auf Versicherungen aus, weil diese sehr viele Staatsanleihen in ihren Portfolios halten. Die ausbleibenden Renditen verursachen Gewinnrückgänge und diese wiederum führen zu fallenden Verzinsungen von Lebens- und Rentenversicherungen. Deutlich ist dies am schwindenden Garantiezins abzulesen, der im kommenden Jahr nur noch 0,9 Prozent betragen soll. In den neunziger Jahren lag der Garantiezins noch bei 4,0 Prozent. Nach Abzug der Kosten dürften neue Lebensversicherungsverträge kaum noch Gewinn verbuchen.

  • Biallo-Tipp: Prüfen Sie, ob nicht ein Banksparplan die bessere Alternative ist. Der Sparplan der Deniz Bank zahlt zum Beispiel 2,1 Prozent Festzins für zehn Jahre – mehr als doppelt so viel wie eine Lebensversicherung und das gebührenfrei. Aus monatlich 150 Euro werden so binnen einer Dekade 20.025 Euro.

Profiteure der von Mario Draghi und der EZB verursachten Minusrenditen bei Staatsanleihen sind neben dem Bundesfinanzminister und allen Kreditnehmern vor allem Besitzer von Rentenfonds. Die Fonds verzeichnen bei rückläufigen Renditen Kursgewinne, weil sie ältere, höher verzinste Anleihen in ihrem Bestand halten. Der Wert der besser verzinsten Papiere steigt und damit auch die Nachfrage nach diesen Fondsanteilen. Als Anleger sollten Sie allerdings aufpassen, wenn die Zinsen steigen. Dann geben die Kurse der Anleihen und damit auch der Rentenfonds nach. Statt Anleihen könnten dann Aktien die bessere Wahl sein.

Lese-Tipp: Aktien und Fonds bringen den Vermögensaufbau in Schwung.Aber wann ist der richtige Einstiegszeitpunkt?Immer, sobald man einen Fondssparplan betreibt.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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