Sparkasse pumpt Geld in Rüstungstechnik

Waffenkredite Sparkasse pumpt Geld in Rüstungstechnik

Manfred Fischer
von Manfred Fischer
28.10.2016
Auf einen Blick

Ein Konsortialkredit über 500 Millionen Euro befeuert das Geschäft der Düsseldorfer Rüstungsschmiede Rheinmetall. Unter den Geldgebern ist die Stadtsparkasse.

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Sie geben sich bodenständig und lokal verwurzelt, doch ihre Geschäfte sind weiter verzweigt, als es den Anschein hat. Sparkassen drehen am internationalen Finanzrad, und sie lenken Geld in fragwürdige Unternehmungen, von denen die Öffentlichkeit nichts erfährt - oder erst spät. Jüngstes Beispiel: die Stadtsparkasse Düsseldorf und die Rheinmetall AG

Anlässlich des Weltspartages hat die Menschenrechtsorganisation Urgewald einen Konsortialkredit an Rheinmetall unter die Lupe genommen. 500 Millionen Euro hat der Mischkonzern im vergangenen Jahr von Geldhäusern erhalten, um das Wachstum in seinen Geschäftsfeldern voranzutreiben. Nicht zuletzt im Rüstungssektor. Urgewald spricht von einem „Aufrüsten von Pulverfässern“.

„Lokalkolorit“ für todsichere Geschäfte

Die Organisation präsentiert eine aktuelle Studie, nach der Rheinmetall „in großem Umfang Munition und Munitionsfabriken“ in Krisenregionen und autoritäre Staaten liefert. So sollen Bombendeutscher Bauartetwa im Krieg in Jemen zum Einsatz kommen. Der Konzern soll systematisch Exportbeschränkungen aushebeln. Basis dafür seien Tochter- und Gemeinschaftsunternehmen im Ausland.

„Rheinmetall kennt bei der Suche nach neuen Wachstumsmärkten immer weniger Skrupel“, sagt Barbara Happe, Rüstungsfinanzexpertin von Urgewald. Das Unternehmen weist den Vorwurf zurück. Die Geschäftsstrategie sei auf ethisch korrektes Verhalten ausgerichtet , heißt es.

Hinter dem 500-Millionen-Kredit steht ein Konsortium aus mehr als einem Dutzend Geldhäusern. Darunter deutsche Großbanken, Landesbanken - und das Sparkasseninstitut am Hauptsitz des Konzerns. Dass das kleine Düsseldorfer Institut mitmischt, begründet ein Rheinmetall-Sprecher gegenüber Urgewald so: „Um ein wenig Lokalkolorit in das Konsortium zu bringen“.

Fragwürdige Fonds

Die Stadtsparkasse sieht nichts Anstößiges in ihrer Geldspritze. Die Welt sei nunmal nicht friedlich, daher finde man es nicht verwerflich, Kredite an Rüstungsunternehmen zu vergeben, lässt ein Sprecher wissen.
 

Massive Kritik übt die Menschenrechtsorganisation auch an anderen Geschäften der Sparkasse. Selbst aufgelegte Fonds lenkten Geld in Firmen wie Thyssen Krupp, die U-Boote in Krisengebiete verkaufe, oder Bergbauunternehmen wie Rio Tinto oder BHP Billiton, denen Menschenrechtsverletzungen nachgesagt werden. Als Beispiel, wie wenig zimperlich die Sparkasse bei Geldanlagen sei, nennt Urgewald den NRW-Fonds und das Papier „Absolute Return“. Nur bei zwei ihrer Fonds lege sie menschenrechtliche und ökologische Ausschlusskriterien an.

Spargroschen zur Sparkasse?

Was die Ethik von Finanzgeschäften angeht, stehe die Stadtsparkasse Düsseldorf „noch ganz am Anfang“, moniert Barbara Happe. Das Geldhaus habe sich einen „philanthropischen Ansatz“ auf die Fahne geschrieben und sehe ihre Aufgabe auch im lokalen Sponsoring. Viel mehr Gutes könnte es „ jedoch für die Menschen im Jemen und in Saudi-Arabien tun, indem sie ethisch nicht tragbaren Unternehmen wie Rheinmetall den Geldhahn zudreht“.
 
Fazit für Kunden: „Bei der Geldanlage können Sparerinnen also ganz und gar nicht sicher sein, dass Ihr Geld ‚nachhaltig‘ angelegt wird und sollten sich überlegen, ob sie ihren Spargroschen wirklich dort anlegen wollen.“

Übrigens: Ihren Chefs tun die Sparkassen überdurchschnittlich viel Gutes. Die laut Satzung dem Gemeinwohl verpflichteten Institute versorgen Vorstände gemessen am Gewinn mit deutlich höheren Gehältern und Pensionen, als es Genossenschafts- und Privatbanken tun. Laut einer Studie zahlt mehr als die Hälfte der Sparkassen in Nordrhein-Westfalen 20 Prozent des Jahresgewinns an ihre Chefs aus. Der Vorstandschef der Stadtsparkasse Düsseldorf soll vergangenes Jahr 640.000 Euro verdient haben. "Berücksichtigt man die Größe und Bedeutung der Institute, so verdienen Sparkassenvorstände in Relation fünfmal so viel wie Vorstände der Deutschen Bank und Commerzbank“, sagt Ralf Jasny, Professor an der Fachhoschule Frankfurt. So gesehen vielleicht gut, dass Rüstungsinvestments überdurchschnittliche Renditen abwerfen.

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