Altersvorsorge Wie kann man Altersarmut vorbeugen?

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
05.06.2015
Auf einen Blick

Studien zeigen: Fast die Hälfte der Erwerbstätigen wird im Alter den Lebensstandard nicht halten können. Manche sehen gar ein Desaster auf uns zukommen.

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Ein Blick in die einschlägigen Studien und Prognosen zum Thema „Altersvorsorge“ sowie „Lebensstandard im Alter“ lässt wenig Gutes ahnen. Eines scheint wohl für immer klar zu sein: Die gesetzliche Rente und ein bisschen Erspartes reichen sicher nicht mehr. Schreibt man beispielsweise die Entwicklung der vergangenen Jahre fort, dann dürften etwa 44 Prozent der Bundesbürger im Alter ihren Lebensstandard nicht halten können. Das ergab eine Studie der Universität Freiburg zusammen mit der Fondsgesellschaft Union Investment.

Gefährdet sind hierbei nicht allein nur die chronisch verdächtigen Geringverdiener. Auch die scheinbar gut situierten heutigen Mittelständler sollten sich nicht ganz in Sicherheit wiegen. „Betroffen werden nicht die viel beklagten armen Rentner sein, sondern eher der obere Mittelstand", prognostiziert Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge an der Universität Freiburg.

Hauptproblem dieser Zielgruppe: Viele der Gutverdiener glauben, das Thema ginge sie auf Grund ihres höheren Einkommens nicht wirklich etwas an. „Sie werden zwar über ein hohes absolutes Alterseinkommen verfügen, aber relativ zu ihrem letzten Lohn deutliche Einbußen hinnehmen", so Raffelhüschen. Im Klartext: Wer vorher viel verdient, muss später viel ersetzen, um seinen gewohnten Lebensstandard aufrecht zu halten.

Ziel sind 60 Prozent des letzten Brutto-Einkommens

Raffelhüschen schätzt, dass Menschen im Alter mindestens 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens brauchen, um ihr Leben in gewohnter Weise fortsetzen zu können. Das dürfte künftig nicht einfach werden. So soll beispielsweise die spätere gesetzliche Rente für die heute 35- bis 49-Jährigen lediglich ausreichen, um 39 Prozent des letzten Bruttoeinkommens zu ersetzen. Dies sind dann laut Berechnungen im Durchschnitt 1.022 Euro. Die Hälfte der Angestellten muss sogar mit weniger als 36 Prozent bzw. 960 Euro auskommen. Beamte haben es da schon besser: Sie kommen laut Studie in 20 Jahren dank ihrer Pensionen auf die angepeilten 60 Prozent.

Altersarmut: Desaster für die Jüngeren?

Bei den Jüngeren könnte es noch düsterer aussehen. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest hatte 2.500 Personen zwischen 17 und 27 zum Thema Altersvorsorge befragt. 90 Prozent erklärten, dass sie zu wenig für ihr Alter zurücklegen, aber nur 38 Prozent sorgten überhaupt bereits privat für ihre Rente vor. „Das ist ein Desaster“, sagt Martin Reißig, Präsident des Bundesverbands der Rentenberater. „Da steuert eine ganze Generation sehenden Auges in die Altersarmut.“

Einerseits wird das gesetzliche Rentenniveau weiter Schritt für Schritt zurückgefahren, andererseits sind den meisten Menschen jedoch weder das Ausmaß noch die daraus folgende Konsequenz für ihr Leben im Alter nicht wirklich bewusst. Um diese fehlende Differenz auszugleichen, erfand und fördert die Regierung u.a. die Riester-Rente. Doch so ganz scheint auch das noch nicht zu reichen. So zeigt die Freiburger Studie, dass beispielsweise die Gruppe der heute 35- bis 49-Jährigen, die einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, dann lediglich im Durchschnitt auf eine Gesamtabdeckung von 52,2 Prozent kommt. Das bedeutet, selbst mit dieser zusätzlichen Altersvorsorge werden nicht die wohl erforderlichen 60 Prozent des letzten Bruttogehalts erreicht.

Doch wie sollen die meisten Menschen eine effektive Altersvorsorge finanzieren, um die Lücke zu decken? Erschwert dürfte dies noch durch die Aussicht werden, dass zwar das Rentenniveau stetig sinkt, dafür aber der Beitragssatz für die gesetzliche Rentenversicherung eher steigen wird. Das glaubt zumindest Martin Gasche vom Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik: "Der Beitragssatz wird in 20 Jahren bei rund 24 Prozent liegen." Zurzeit sind es 18,9 Prozent, also keine erfreuliche Prognose.

Hier ist der Staat gefordert. Dass es in 20 Jahren völlig neue Formen der Altersvorsorge geben wird, sehen die Experten allerdings nicht. Sie glauben eher an Anpassungen und Modifizierungen bereits bestehender Formen. Von Verbraucherschützern ins Gespräch gebracht wird ein staatlicher Vorsorgefonds nach Vorbild skandinavischer Pensionsfonds. Vorteil wäre hier eine einfache Struktur mit geringen Kosten und dadurch eine effizientere Altersvorsorge. "Das wäre eine verbraucherfreundliche und zugleich sozialpolitisch wirksame Ausgestaltung der kapitalgedeckten Säule der Alterssicherung", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Unser Tipp

Fünf Tipps gegen die Altersarmut

1. Junge Familien mit Kindern sollten aufgrund der hohen Zulagen-Förderung die Riester-Rente nutzen. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern bekommt beispielsweise 908 Euro jährlich vom Staat für die Altersvorsorge geschenkt.

2. Die Betriebsrente ist ein attraktiver Baustein zur Altersvorsorge, besonders wenn der Arbeitgeber sich beteiligt. Der Staat fördert dies durch den Verzicht auf Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. So können ab 2015 monatlich 242 Euro (2.904 Euro im Jahr) steuer- und sozialversicherungsfrei in eine Direktversicherung eingezahlt werden.

3. Zinseszinseffekt nutzen: Bei einem langfristigen Vermögensaufbau spielt der Faktor Zeit eine große Rolle. Die Zauberformel heißt hierbei „Zinseszins“. Dieser Effekt bewirkt über die Jahre gesehen einen sich immer weiter auftürmenden Berg an Kapital und Erträgen und erreicht gerade bei jungen Menschen durch die lange Laufzeit regelrechten Vermögenscharakter.

4. Immobilie anschaffen über Wohn-Riester oder Bausparvertrag und im Alter mietfrei wohnen. Und die historisch niedrigen Baugeldzinsen nutzen.

5. Moderne fondsgebundene Rentenversicherungen mit Beitragsgarantien nutzen, sie bieten bei längeren Laufzeiten hohe Renditechancen und Sicherheit gleichermaßen.

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Fritz Himmel
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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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